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Antisemitismus – eine Pandemie, gegen die es keinen Impfstoff gibt

  • Den Kampf gegen Judenhass haben sich fünf Organisationen auf die Fahnen geschrieben, die sich zu einem Kompetenz-Netzwerk Antisemitismus zusammenschließen.
  • Sie allein werden die Aufgabe jedoch kaum bewältigen.
  • Denn der Hass auf alles Jüdische ist ein starkes Gift mit vielen Nebenwirkungen, kommentiert Thoralf Cleven.
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Berlin. Es gibt eine Pandemie, die sich nicht durch einen Impfstoff bekämpfen lässt. Sie heißt Antisemitismus. Sie wütet seit ungefähr 2000 Jahren, seit einige Juden durch Verrat Christus ans Kreuz gebracht haben sollen.

Doch was haben biblische Ereignisse vor Jahrhunderten damit zu tun, dass Schüler heute einander mit dem Wort “Jude” beschimpfen? Oder dass der Hass auf Juden in muslimischen Familien von Generation zu Generation weitergegeben wird? Oder dass in “sozialen” Medien immerwährend neue Bösartigkeiten und absurde Verschwörungsmärchen geteilt werden?

Nichts.

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Steinmeier und Rivlin besuchen jüdische Schule in Berlin
0:54 min
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Israels Staatschef Reuven Rivlin haben mit Schülern in Berlin über Antisemitismus und Demokratie gesprochen.  © Thoralf Cleven/AFP

Die Juden dienen seit Jahrhunderten als Projektionsfläche für alles, was nicht stimmt im eigenen Leben – Benachteiligungen, Armut, Krankheit. Sie sind Zielscheibe von Wut und Exzess.

Wer als Jude erkennbar ist, macht sich angreifbar. Dieser Irrsinn gilt noch heute auf deutschen Straßen, wo Kippa-Träger geschlagen oder verhöhnt werden. Wo Mitbürger häufiger wegschauen als einzuschreiten oder – zumindest – die Polizei zu rufen.

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Es ist erstaunlich, dass sich in einem Land, das sich für so gebildet hält wie die Bundesrepublik, solche Vorfälle nicht nur häufen, sondern deren Zahl wieder von Jahr zu Jahr steigt. Mit der Migration und durch Muslime “importierten” Antisemitismus allein ist der Hasszuwachs in der deutschen Mitte kaum erklärbar.

Offenbar wissen hierzulande zu viele zu wenig über den jüdischen Glauben, das Leben in den Gemeinden, die Zwänge und die Freiheiten. Insofern ist es gut, wenn sich Organisationen, die aufklären und bilden wollen, nun zusammenschließen.

Ein Allheilmittel gegen Antisemitismus ist das jedoch nicht. Und schnelle Erfolge werden sich auch nicht einstellen. Judenhass ist ein starkes Gift, das sich nur langsam ausschleichen lässt und viele Nebenwirkungen – etwa Rassismus oder Schwulenfeindlichkeit – zeigt. Am besten helfen wahrscheinlich Wissen und Begegnungen von der Kindheit an.

Es sind also Kitas und Schulen gefragt – Erzieher, Lehrer, Eltern, Großeltern. Die geschichtliche Verantwortung und Dimension des Eintretens gegen Antisemitismus dürften hierzulande eigentlich jedem klar sein.

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Jeder klar Denkende sollte ihr dann aber auch täglich gerecht werden.

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