• Startseite
  • Politik
  • Anschuldigungen gegen FSB: Kreml unterstellt Nawalny „Verfolgungswahn“

Anschuldigungen gegen FSB: Kreml unterstellt Nawalny „Verfolgungswahn“

  • Der Kreml weist im Fall der Vergiftung des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny weiter alle Vorwürfe zurück.
  • “Größenwahn” und “Verfolgungswahn” unterstellt Putin-Sprecher Peskow dem Kremlkritiker.
  • Nawalny hatte am Montag einen Telefonatsmitschnitt veröffentlicht, das einen Agenten des russischen Geheimdienstes FSB schwer belastet.
Anzeige
Anzeige

Moskau. Der Kreml hat dem im August vergifteten Moskauer Oppositionspolitiker Alexej Nawalny nach dessen Anschuldigungen gegen den russischen Geheimdienst FSB „Größenwahn“ und „Verfolgungswahn“ vorgeworfen. „So muss man sich wahrscheinlich dazu verhalten“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag der Agentur Interfax zufolge. Nawalny hatte FSB-Agenten vorgeworfen, sie hätten ihn jahrelang verfolgt und dann im August in der sibirischen Stadt Tomsk mit einem Nervengift der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Der chemische Kampfstoff ist international verboten.

Nawalny hatte zudem am Montag ein Telefonat veröffentlicht, in dem er nach eigener Darstellung mit einem FSB-Agenten über den Mordanschlag spricht. Demnach räumte der mutmaßliche Agent die Tat ein und nannte Details des Verbrechens, die von vielen Beobachtern in Russland als glaubwürdig eingestuft wurden. Der FSB hatte den Mitschnitt als eine „Fälschung“ bezeichnet.

Video
Nawalny überführt angeblich Agenten
1:48 min
Ein Agent des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB soll laut Kremlkritiker Alexej Nawalny den Giftanschlag auf ihn zugegeben haben.  © Reuters
Anzeige

“Beipiellose Bloßstellung des FSB”

Peskow sagte, Nawalny versuche mit seinen Veröffentlichungen, dem Ansehen des FSB zu schaden. „Der FSB erfüllt nach der Verfassung eine sehr wichtige Rolle: Er schützt uns vor Terrorismus, vor Extremismus und vor verschiedenen tödlichen Gefahren“, so Peskow. „Diese Rolle erfüllt der FSB sehr gut und sehr effektiv.“ Politologen hingegen nannten Nawalnys Veröffentlichungen eine beispiellose Bloßstellung des FSB.

Kremlchef Wladimir Putin hatte in der vergangenen Woche in einer Reaktion auf die Mordvorwürfe nahegelegt, dass Nawalny zu unbedeutend für einen Giftanschlag sei. Putin sagte am Donnerstag: „Wenn das jemand gewollt hätte, dann hätte er das auch zu Ende geführt.“ Der russische Präsident hatte auch mehrfach darauf hingewiesen, dass er selbst Nawalnys Rettungsflug nach Deutschland zur Behandlung in der Berliner Charité genehmigt hatte.

Deutschland hält Russland für den Anschlag verantwortlich. Die EU hat im Fall Nawalny Sanktionen gegen Russland verhängt. Dagegen sagte Kremlsprecher Peskow, dass es weiter keine Beweise gebe für eine Vergiftung Nawalnys. „Niemand kann eindeutig von einer Vergiftung sprechen“, sagte er. Mehrere Speziallabore, darunter eins der Bundeswehr, hatten hingegen von einem zweifelsfreien Nachweis einer Vergiftung mit einem Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe gesprochen.

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen