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  • Anschlag in Afghanistan: 85 Tote in Kabul - weitere Terrorangriffe drohen

Mindestens 182 Tote nach Anschlag in Kabul: USA warnen vor weiteren Terrorangriffen in Afghanistan

  • In wenigen Tagen soll der US-Militäreinsatz in Afghanistan Geschichte sein.
  • Kurz davor fügen Terroristen den amerikanischen Truppen dort die schwersten Verluste seit mehr als zehn Jahren zu. Mindestens 95 Afghanen werden getötet.
  • Die Zahl der Todesopfer liegt bei mindestens 110. US-Präsident Biden schwört Rache.
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Washington/Kabul. Mindestens 182 Menschen sind bei dem Anschlag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul ums Leben gekommen, mehr als 150 sind verletzt. Unter den Toten befinden sich auch 13 US-Soldaten, wie Joe Biden am Abend mitteilte. Seit dem umstrittenen Abkommen seines Vorgängers Donald Trump mit den Taliban im Februar vergangenen Jahres war in Afghanistan kein US-Soldat mehr gewaltsam ums Leben gekommen. Doch unmittelbar vor dem Ende von Amerikas längstem Krieg erleiden die US-Streitkräfte nun ihre schwersten Verluste in dem Land seit mehr als einem Jahrzehnt. Das Chaos bei der Evakuierungsmission wird zur Katastrophe.

Zahl der Toten könnte noch höher sein

Laut eines Beamten, der anonym bleiben wollte, ist die Anzahl der Toten unter den Afghanen sogar noch höher.

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Nach US-Angaben hatten sich mindestens drei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Eine der Detonationen ereignete sich demnach an einem Tor zum Flughafengelände, an dem US-Soldaten im Einsatz waren. Eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz IS habe anschließend das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt. Er warnte, es müsse mit weiteren Anschlägen gerechnet werden. „Wir tun alles, was wir können, um auf diese Angriffe vorbereitet zu sein”, sagte er. Es handle sich um eine „extrem aktive Bedrohungssituation”.

US-Militär rechnet mit weiteren Angriffen in Afghanistan

Der örtliche Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert den Angriff am Flughafen von Kabul für sich. Laut Biden sehen auch die US-Geheimdienste den IS als Drahtzieher der Bluttat, bei der Dutzende getötet wurden. In Syrien und dem Irak hatte Trump den IS im März 2019 für besiegt erklärt, das stellte sich als verfrüht heraus.

In Afghanistan haben sich dem dortigen IS-Zweig Kämpfer angeschlossen, denen selbst die militant-islamistischen Taliban nicht radikal genug waren. US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, sagt, man habe bei der Evakuierungsmission in Kabul mit einem Anschlag gerechnet - „und wir rechnen damit, dass sich diese Angriffe fortsetzen werden“.

Deutschland beendet Evakuierungsflüge

Die deutsche Luftwaffe flog am Donnerstag alle Bundeswehrsoldaten, Diplomaten und verbliebenen Polizisten aus dem Krisenstaat aus, wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte. Nach Angaben der Ministerin wurden 5347 Menschen aus mindestens 45 Ländern evakuiert, darunter rund 500 Deutsche und mehr als 4000 Afghanen.

Verkehrte Welt in Kabul

Es ist eine verkehrte Welt, die sich in den letzten Tagen des US-Einsatzes in Afghanistan darbietet: Die Taliban - die für Hunderte Selbstmordanschläge verantwortlich gewesen sind - kündigen am Donnerstag an, die Hintermänner dieses Terrorangriffs zur Rechenschaft zu ziehen. General McKenzie, zu dessen vordringlichsten Aufgaben bis vor kurzem der Kampf gegen die Taliban zählte, nennt die Zusammenarbeit mit den neuen Machthabern „nützlich“. Vereint sind die Kriegsgegner auch jetzt nicht, Biden betont, die Taliban seien „keine guten Kerle“. Gemeinsam ist den Amerikanern und den Islamisten aber, dass sie erbitterte Feinde des IS sind. Beide eint außerdem das Ziel, dass die USA am kommenden Dienstag ihren Einsatz beenden.

Biden will vor Terroristen nicht einknicken

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Biden ist sichtlich betroffen, als er am Donnerstagabend im Weißen Haus vor die Kameras tritt, er spricht von einem „schweren Tag“. Der Präsident hat versprochen, alle Amerikaner nach Hause zu holen und möglichst viele afghanische Verbündete außer Landes zu bringen. Nach Angaben des US-Außenministeriums befinden sich in Afghanistan noch immer rund 1000 amerikanische Staatsbürger. Jeder Einsatztag erhöht derweil das Risiko weiterer Anschläge. Der Präsident macht bei seinem halbstündigen Auftritt deutlich: „Wir werden uns von Terroristen nicht abschrecken lassen. Wir werden nicht zulassen, dass sie unsere Mission aufhalten. Wir werden die Evakuierung fortsetzen.“

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„Wir werden nicht vergeben“

Für Biden haben die Kampfeinsätze von US-Soldaten eine persönliche Note, sein später verstorbener Sohn Beau war als Offizier im Irak. „Wir haben, wie viele von Ihnen, eine Ahnung davon, was die Familien dieser tapferen Helden heute fühlen“, sagt Biden mit Blick auf die Angehörigen der nun getöteten US-Soldaten. „Man hat das Gefühl, als würde man in ein schwarzes Loch in der Mitte der Brust gesaugt. Es gibt keinen Ausweg. Mein Herz schmerzt für Sie.“ Umso wütender fällt Bidens Racheschwur aus. An die Adresse der Drahtzieher des Anschlags sagt er: „Wir werden nicht vergeben. Wir werden nicht vergessen. Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen.“

Die Folgen des Scheiterns

Als wichtigstes Argument für den Truppenabzug aus Afghanistan hat Biden angeführt, dass das Terrornetzwerk Al-Kaida nicht mehr in der Lage sei, von dort aus Ziele in den USA anzugreifen. Selbst wenn das stimmen sollte: Dass der Terror in Afghanistan nicht besiegt ist, hat der Anschlag erneut deutlich gemacht. Bidens Drohung an die Adresse der Hintermänner ist angesichts von US-Drohnen und Spezialkräften sicher keine leere. Eines aber müssen Dschihadisten weltweit wohl auf absehbare Zeit nicht mehr fürchten: Einen US-geführten Einmarsch in ihrem Land. Zu solchen Interventionen dürften westliche Staaten nach ihrem Scheitern in Afghanistan so bald nicht mehr bereit sein.

Biden hält am Abzug fest

Biden sagt am Donnerstag noch etwas, was diejenigen schmerzen dürfte, die sich in den vergangenen 20 Jahren für den Aufbau der Demokratie in Afghanistan engagiert haben. „Ich war nie der Meinung, dass wir amerikanische Leben opfern sollten, um eine demokratische Regierung in Afghanistan zu etablieren.“ Felsenfest vertritt er weiterhin die Ansicht, dass der Abzug der US-Truppen der richtige Schritt ist, auch wenn Afghanistan damit wieder den Islamisten überlassen wird.

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Biden ist überzeugt, dass die Geschichte - und mittelfristig noch viel wichtiger: der Wähler - ihm recht geben wird. Umfragen zufolge sind seine Zustimmungswerte zuletzt auf einen Tiefpunkt gefallen. Nach einer Befragung im Auftrag von „USA Today“ heißt gerade einmal rund jeder Vierte Bidens Umgang mit dem Truppenabzug gut - obwohl eine Mehrheit dafür ist, die Soldaten nach Hause zu holen.

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Biden argumentiert, er habe nach Trumps Abkommen mit den Taliban - das einen Abzug schon zum 1. Mai vorsah - nur zwei Möglichkeiten gehabt: Die Truppen bald danach nach Hause zu holen oder Tausende neue Soldaten nach Afghanistan zu schicken, um den Krieg zu eskalieren. Er lässt unerwähnt, dass Experten durchaus Alternativen zu diesen zwei Extremen vorgeschlagen haben. Und betont auch jetzt wieder: „Es war an der Zeit, einen 20-jährigen Krieg zu beenden.“

RND/dpa/scs

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