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  • Anne Will: Jens Spahn äußert sich zu Impfungen und Corona-Tests

Impfung: Spahn verteidigt sich bei Anne Will – Lindner springt ihm bei

  • Bei Anne Will diskutieren die Talkshow-Gäste über das Impfen.
  • Jens Spahn (CDU) muss zu den Beschlüssen des jüngsten Corona-Impfgipfels und zu Betrug beim Testen Stellung beziehen.
  • Dabei bekommt er Unterstützung von Christian Lindner (FDP) – zunächst.
Johanna Apel
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Berlin. Die Zahlen gehen runter: Wenige Wochen vor Sommerbeginn scheint sich die Corona-Lage in Deutschland zu entspannen. Gleichzeitig geht es mit dem Impfen voran – und schon bald soll die Priorisierung fallen. Doch reicht der Impfstoff? Und wie geht es für die Kinder und Jugendlichen weiter? Um diese und andere Fragen sollte es im TV-Talk von Anne Will unter dem Thema „Das große Impfversprechen – wo steht Deutschland im zweiten Pandemiesommer?“ am Sonntagabend gehen.

Das Thema

Es ging mal wieder ums Impfen, als die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie berieten. Bei dem Impfgipfel wurde unter anderem beschlossen, Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren vom 7. Juni an auch ein Impfangebot zu machen. An dem Tag soll auch die Priorisierung fallen – doch was bringt das, wenn nicht genügend Impfstoff da ist? Um diese Fragen sollte es auch am Sonntagabend bei Anne Will gehen. Die Enttäuschung, heißt es im Vorfeld der Sendung, sei nach dem Impfgipfel nämlich auf vielen Seiten groß gewesen.

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Die Gäste

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) muss sich nicht nur Kritik an der Impfstrategie anhören, sondern zunächst auch auf mutmaßliche Betrugsfälle in Testzentren eingehen. Es werde bereits ermittelt, entgegnet er. Und nutzt die Gelegenheit, um zu betonen, dass „innerhalb kurzer Zeit“ eine Teststrategie aufgebaut wurde, die geholfen habe, die dritte Welle zu durchbrechen.

Den Vorstoß, ab dem 7. Juni die Impfpriorisierung aufzuheben, verteidigt er. Man müsse den Schritt bald gehen, um das Impfen weiter fortsetzen zu können. „Wir müssen jetzt den Übergang machen, dass auch alle die Chance haben, einen Impftermin zu kriegen.“ Bis Ende August erwarte die Regierung 50 Millionen Biontech-Impfdosen.

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FDP-Chef Christian Lindner springt Jens Spahn zunächst bei, als es um Kritik an der Teststrategie geht. Alles sei missbrauchsanfällig, sagt er. Nun könne man endlich „in quantitativ großem Umfang testen“. Und die Infrastruktur – obgleich man sie schneller hätte hochziehen können – werde man möglicherweise im Herbst noch einmal brauchen.

Vom Impfgipfel hätte er sich hingegen klarere Aussagen gewünscht. Die unklare Kommunikation – etwa bezüglich der Impfung für Kinder und Jugendliche - habe zu Verunsicherung geführt. Mit Blick auf das weitere Vorgehen steht für Lindner fest: „Schulen dürfen nicht wieder schließen.“

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Video
Merkel: Impfangebot für Jugendliche ab 7. Juni möglich
1:25 min
Die Bundeskanzlerin bekräftigte, dass allen Deutschen, einschließlich 12 bis 15-Jährigen, bis Ende des Sommers ein Impfangebot gemacht werden könne.  © Reuters

Janosch Dahmen ist Bundestagsabgeordneter für die Grünen und Arzt. „Dass wir viel testen, ist ein Erfolg“, sagt er. Dennoch müssten Testzentren auch darauf überprüft werden, ob die Tests medizinischen Standards entsprechen. Mit Blick auf die Impfstrategie sei es wichtig, Druck zu vermeiden, sagt er. Für Kinder sei das Risiko, an Covid-19 zu versterben, sehr gering. Da gehe es bei einer Impfung nach Situation eher um eine Abwägung von Nutzen und Risiko. Vielmehr müsse man auf die Impfung von Eltern oder auch Schulpersonal setzen.

Die Wissenschaftsredakteurin der „Süddeutschen Zeitung“, Christina Berndt, findet es falsch, dass die Impfpriorisierung ab dem 7. Juni aufgehoben werden soll. „Ich kann es noch nachvollziehen“, sagt sie. „Warum zu diesem Zeitpunkt?“ Noch gebe es beispielsweise zu viele Menschen in der Priorisierungsgruppe drei, die noch keinen Termin hätten. Ihr Vorschlag: Die Priorisierung zwar in Arztpraxen aufheben, aber in Impfzentren weiter beibehalten. Gegenwind gibt es von der Journalistin auch in Sachen Teststellenbetrug. „Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde“, sagt sie. „Dass ein Koffer Geld genommen wurde – oder dass er so offen hingestellt wurde.“

Das Duell des Abends

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Die Priorisierungsgruppen seien nicht aus dem Nichts entstanden, sagt Christina Berndt. Wenn man nun die Priorisierung aufhebe, fange man an, ein „Windhunderennen zu eröffnen“. Jens Spahn entgegnet, dass 80 Prozent der über 60-Jährigen nun geimpft seien. „Wir müssen ja irgendeinen Punkt haben, wo wir den Schritt gehen.“

Der witzigste Moment

Christian Lindner, der Jens Spahn an dem Abend schon einmal beigesprungen war, betont, dass man die Regierung nicht immer zu stärkerem und schnellerem Handeln veranlassen könne – um danach dann die Maßstäbe zu haben, dass alles schon perfekt habe durchdacht sein müssen. Deshalb empfehle sich eine „gewisse Zurückhaltung“. „Zeigt sich hier eine besondere Freundschaft zwischen Ihnen und Jens Spahn?“ will Anne Will wissen. „Nein“, entgegnet Lindner „Eine besondere Seriosität der FDP“ – und beide müssen lachen.

Das beste Zitat

„Natürlich schaffen wir es, bis Ende August alle über Zwölfjährigen, die wollen – wo die Eltern das mit dem Arzt entscheiden – natürlich werden die geimpft werden können“, sagt Spahn. Als Anne Will „Vorsicht mit den Versprechen, Herr Spahn“ entgegnet, versichert er: „Wenn einer zuverlässig liefert, dann ist es wirklich dieser Hersteller.“

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Fazit

Zu schnelle Aufhebung der Priorisierung, zu wenig Kontrolle über Tests, zu schlechte Kommunikation: Es gibt viel zu kritisieren am Corona-Management der Regierung. An Jens Spahn scheint die Kritik jedoch abzuperlen – er kontert mit Zahlen und verweist auf Prognosen.

Über die Frage „Wo steht Deutschland im zweiten Pandemiesommer?“ scheint man sich in der Runde nicht ganz einig zu sein – zu unterschiedlich ist die Auffassung, woran es am meisten hapert und welche Schritte nun zu gehen sind. Fest steht allerdings: Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die am Sonntag gegebenen Versprechen bis zum zweiten Pandemieherbst auch wirklich eingehalten werden.

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