Neues Buch: Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock - Kanzlerkandidatin wehrt sich

  • Gegen das neue Buch von Annalena Baerbock, „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“, gibt es Plagiatsvorwürfe.
  • Die grüne Kanzlerkandidatin habe auf den 240 Seiten an fünf Stellen abgeschrieben.
  • Der Urheber der Vorwürfe nennt dies „ethisch nicht korrekt“. Die Grünen und Baerbocks Verlag weisen die Anschuldigungen scharf zurück.
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Berlin. Gegen die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, werden im Zusammenhang mit ihrem jüngst erschienenen Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ Plagiatsvorwürfe erhoben. Der Blog „Plagiatsgutachten.com“ listet fünf Stellen auf insgesamt 240 Seiten auf, die nicht von Baerbock selbst stammen sollen, sondern mehr oder weniger 1:1 abgeschrieben seien, ohne dass dies kenntlich gemacht werde.

So sei eine Passage von dem Politikwissenschaftler Michael T. Klare übernommen worden, eine andere aus dem Blog Klimawandel – Challenge Accepted des Verbands der Wirtschaft für Emissionshandel und Klimaschutz e. V. in München, eine dritte aus einer Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung, eine vierte aus dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und eine fünfte von Wikipedia.

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Der Betreiber des Blogs, der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber, schreibt: „Vollkommen klar: Ein Sachbuch einer Politikerin im Ullstein-Verlag ist keine Dissertation. Und im Buch ‚Jetzt. Wie wir unser Land erneuern werden überhaupt keine Quellen angegeben. Beides ist aber noch lange keine Legitimation für schwerwiegende Textplagiate.“ Diese seien „ethisch nicht korrekt“ und würden auch in Sachbüchern zurecht bemängelt. Er schreibt weiter: „Nun kommt zum Lebenslauf-Frisier-Fall Baerbock auch noch der Plagiatsfall Baerbock hinzu.“

Die politische Konkurrenz reagiert am Dienstag bereits. „Das sind Vorwürfe, die müssen geklärt werden“, sagte FDP-Generalsekretär Volker Wissing bei einer Pressekonferenz. „Ich kann nur an alle appellieren, Transparenz herzustellen. Der Ball liegt im Feld von Frau Baerbock.“

Die Grünen sowie Baerbocks Verlag wiesen die Vorwürfe scharf zurück. Ein Parteisprecher nannte die Vorwürfe gegenüber dem Spiegel versuchten Rufmord. Baerbock habe den Medienanwalt Christian Schertz eingeschaltet. Dieser teilte ebenso wie der Ullstein-Verlag mit, man könne „keine Urheberrechtsverletzung erkennen“. Dieser Vorwurf ist zwar nicht identisch, wurde aber ebenfalls von Weber vorgebracht.

Weber, der laut seiner Website als Lektor an der TU Wien und an der Universität Wien tätig ist, bietet auf dem Blog die Überprüfung von Schriften, Titeln, Gutachten und Lebensläufen als Dienstleistung an. Die Überprüfung des Baerbock-Buchs habe er allerdings ohne Auftraggeber aus privatem Interesse vorgenommen, sagte er „Focus Online“.

Für Baerbock kommt die Meldung zur Unzeit. Nach der Nominierung der Grünen-Vorsitzenden zur Kanzlerkandidatin war bereits bekannt geworden, dass sie ihre Einkünfte als Parteichefin zunächst nicht angegeben hatte und Angaben in ihrem Lebenslauf nicht ganz richtig waren. Baerbock hat dies später korrigiert und ihre Fehler als „Mist“ bezeichnet. Die Zustimmung zu ihr als Person und zu den Grünen insgesamt ist seither in den Meinungsumfragen deutlich gesunken. Weber hatte auch einige der Vorwürfe zum Lebenslauf aufgebracht.

Am Schluss ihres Buches dankt Baerbock 16 Frauen und Männern „für Zuarbeit, kritisches Gegenlesen und kluge Kommentare sowie Faktenchecks“ sowie drei anderen Beteiligten – „zumal“, wie sie schreibt, „mit der Entscheidung der Kanzlerkandidatur im April plötzlich alles ganz schnell gehen musste“.

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