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Mit diesen rhetorischen Kniffen arbeitet Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock

  • Auf Anfrage des RND haben sich zwei Rhetoriktrainer rhetorische Strategien und die Körpersprache von Annalena Baerbock angesehen.
  • Die Kanzlerkandidatin der Grünen glänze mit ihrer Gestik und Schlagfertigkeit.
  • Ein Manko könnte Baerbocks Auftritte jedoch abschwächen.
Lisa-Marie Pohlmann
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Berlin. Eine kleine Bewegung der Hand, das Runzeln der Stirn oder lange Sätze mit wenig Inhalt – wie eine Person spricht und auftritt, beeinflusst stark, wie wir sie wahrnehmen. Gerade in der Politik finden sich deswegen so einige Rhetorikkünstler, im Guten wie im Schlechten. Wo die frisch gekürte Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, steht, haben auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) zwei Experten unabhängig voneinander untersucht: Der Berliner Rhetoriktrainer Karsten Noack, der selbst Wert auf Stimme, Rhetorik, Körpersprache und Kommunikationsfähigkeit legt, und Michael Ehlers, einer der bekanntesten deutschen Rhetoriktrainer.

Rhetoriktrainer Michael Ehlers: „Frau Baerbock versteht sich auf pointierte Zielsätze“

Sprache ist wichtig für Spitzenpolitiker: Es geht unter anderem um Präzision, Einprägsamkeit und Glaubwürdigkeit. Bei Baerbock stellt der Berliner Kommunikationstrainer Karsten Noack eine Entwicklung fest: Sie wirke „deutlich überlegter“ als noch vor ein paar Jahren. Auch die Schlagfertigkeit habe zugenommen. Hin und wieder verschlucke sie auch Buchstaben, mache aus „für das“ ein „fürs“. „Annalena Baerbock redet viel in Bildern“, sagt Noack.

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Entscheidung der Grünen gefallen: Annalena Baerbock wird Kanzlerkandidatin
2:18 min
Die Co-Vorsitzende der Grünen geht als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf. Ihr Partner im Parteivorsitz, Robert Habeck, will ihr zur Seite stehen.  © Reuters

Seien es Analogien, Metaphern oder weitere visuelle Sprachbilder, „sie spricht auch andere Sinne an“. Aber nicht nur das. „Frau Baerbock versteht sich auf pointierte Zielsätze ebenso wie auf politische Symbolik und auf rhetorische Kniffe“, präzisiert der Bamberger Rhetoriktrainer Michael Ehlers. Als Beispiele nennt er zwei Zitate Baerbocks: „Morgen ist auch noch ein Tag funktioniert beim Klimaschutz nicht.“ Und: „Dass Sie, Herr Lindner, nicht wissen, was ein Opel Corsa ist, war mir klar.“ In parlamentarischen Debatten käme ihr, so Ehlers, zugute, dass sie sowohl inhaltlich als auch rhetorisch abliefere.

Dafür gewann Karsten Noack den Eindruck, dass Annalena Baerbock beim letzten Parteitag „regelrecht übervorbereitet“ auftrat. Sie habe Worte betont, die sie vorher nie betonte, habe Pausen an seltsamen Stellen gemacht und käme nicht überzeugend an, was dem Experten vor allem in den Nahaufnahmen aufgefallen ist. Pausen inszeniere sie oder lasse sie gänzlich weg. Michael Ehlers beschreibt ihren Auftritt am Parteitag 2021 als „Over-Acting“. Man merke, dass sie sich in der Scripted Reality unwohl fühle.

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Ihre Stimme könnte Annalena Baerbock jedoch regelrecht benachteiligen. „Eine Stimme, die gequält klingt, am Ende eines Satzes häufig nach oben geht oder wackelt, kann negative Gefühle übertragen und unsicher wirken“, gibt Karsten Noack zu bedenken. Ihre Parteimitglieder und Fans würden sich davon weniger abschrecken lassen, als Menschen, die noch unentschlossen seien. Michael Ehlers hält dagegen: Annalena Baerbock sei dieser vermeintliche Schwachpunkt bewusst, spielte 2019 in ihrer Bewerbungsrede sogar „offensiv“ damit. „Indem sie in dieser Rede darauf hinweist, dass Frauen oftmals an ihrer ‚schwachen‘ Stimme gemessen werden, nimmt sie allen Kritikern den Wind aus den Segeln“, interpretiert er.

Einig sind sich die beiden Rhetoriktrainer bei einer anderen Auffälligkeit: „Wenn es ihr wichtig ist, emotionalisiert sie ihr Publikum mit ganz persönlichen Geschichten“, sagt Michael Ehlers. Das zeige sich an einem Zitat wie diesem: „Als das Pariser Klimaabkommen vor fünf Jahren verabschiedet wurde, war ich mit meiner damals sechs Monate alten Tochter auf der Konferenz. Ich habe ihr versprochen, alles dafür zu tun, dass wir die Klimakrise in den Griff bekommen.“ Laut Ehlers unterstreiche sie damit deutlich, wie stark sie sich einer Thematik verpflichtet fühle.

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Karsten Noack zur Körpersprache: Bei Mimik und Körperhaltung gibt es noch Potenzial

In ihren Gesten liegen ihre Stärken, lobt Karsten Noack. „Sie beherrscht viele positive Gesten, zeigt zum Beispiel die Handflächen, was Offenheit ausstrahlt.“ Präzisionsgesten wie das mit Daumen und Zeigefinger geformte Okay beobachtete Noack ebenso häufig bei ihr. Das sei beliebt. Auch Ehlers bemerkt: „Da gibt es keine fahrige Geste, kein unbewusstes Durch-das-Gesicht-Wischen et cetera. Wenn es doch mal passiert, berichtet sogar der ‚Spiegel‘ darüber.“

In ihrer Mimik und Körperhaltung zeige sich laut Noack jedoch großes Verbesserungspotenzial: „Ihre Mimik wirkt nahezu immer kontrolliert, es sei denn, ein Thema passt ihr nicht. Ist das der Fall, geht ihr Lächeln nach unten und sie wirkt angestrengt“, lautet die Einschätzung von Karsten Noack. Als weniger gut legt auch Michael Ehlers aus, dass Annalena Baerbocks professionelles Lächeln „auf Knopfdruck“ starten könne, sobald eine Kamera in der Nähe sei oder die Pressekonferenz losgehe.

Zudem sei ihr Stand in Absatzschuhen wackelig. „Das vermittelt häufig eine Unsicherheit, die sie sicherlich nicht beabsichtigt“, interpretiert Karsten Noack. Mimik und Stand in Kombination ließen Baerbock „oft zu kalt und ablehnend“ wirken. Das könne ihr, sagt Noack, auf Dauer als „berechnend“ ausgelegt werden. Mit einem lockereren und souveräneren Auftreten ließe sich das vermeiden.

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Fazit

Insgesamt präsentiere sich Annalena Baerbock vor allem bei Reden vor Publikum und im politischen Schlagabtausch gut. Zu diesem Schluss gelangen beide Rhetoriktrainer nach ihren Beobachtungen. Sie wirke „glaubhaft und authentisch“, sagt Karsten Noack. Wo Robert Habeck in diesem Duo eher als „das Große und Ganze“ auftrete und in Gestus und Auftritt „stärker ein allgemeines Bild einer anderen, nachdenklicheren Politik“ transportiere, stehe Annalena Baerbock eher als Macherin im Vordergrund, sagt Michael Ehlers.

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