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Baerbock gegen Scholz: Prestigeduell mit Tücken im Promiwahlkreis 61

  • Zwei Potsdamer wollen ins Kanzleramt: Annalena Baerbock für die Grünen und Olaf Scholz für die SPD.
  • Und beide wollen auch das Direktmandat im Promiwahlkreis 61 erringen.
  • Doch die Konkurrenz von CDU, Linken und FDP gibt nicht klein bei – und ist regional besser verankert.
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Potsdam. Der Bundestagswahlkreis 61 umfasst einige unbestreitbar idyllische Gegenden: das Weltkulturerbe der Schlösser, Gärten und Seen rund um Potsdam. Diese Idylle mit der Hauptstadt vor der Haustür zieht alle an, die Glück haben oder es sich leisten können: Potsdam wächst – und überproportional wächst die Promi-Dichte.

An Jauch, Joop, Plattner, Diekmann hat man sich hier schon lange gewöhnt, und dass nun zwei Potsdamer Politpromis ums Kanzleramt konkurrieren, löst an den Ufern der Havel nicht viel mehr als ein Schulterzucken aus.

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Dreikampf ums Kanzleramt
2:11 min
Die drei Kanzlerkandidierenden Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grünen) gehen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Rennen.  © AFP
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Doch Olaf Scholz und Annalena Baerbock wollen nicht nur die Wahl gewinnen, sie wollen beide auch das Direktmandat. Baerbock, seit gut zehn Jahren Potsdamerin, versucht es für die Grünen zum dritten Mal. Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Scholz, Neu-Potsdamer seit 2018, tritt zum ersten Mal im Wahlkreis an. Beide stehen auch auf Platz eins ihrer Landeslisten, ihr Einzug in den Bundestag ist ungefährdet. Der Kampf ums Direktmandat im Promiwahlkreis ist also ein Prestigeduell im doppelten Sinne.

Vor vier Jahren gewann die SPD-Kandidatin

Nur, dass es eigentlich kein Duell ist. Denn da gibt es noch eine dritte Kandidatin, die Siegchancen hat. Saskia Ludwig von der CDU unterlag vor vier Jahren mit 25 zu 26 Prozent gegen die SPD-Kandidatin Manja Schüle. Dieses Mal könnte schon ein Ergebnis von knapp über 20 Prozent zum Sieg reichen.

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Der Wahlkreis 61 besteht natürlich nicht nur aus Idylle, zu ihm gehört auch der überdachte Parkplatz eines Großmarkts in Stahnsdorf. Ein Dutzend Stände regionaler Gewerbetreibender sind mit Flatterband zu einer Pop-Up-Messe zusammengefasst, eine leere Bühne wartet auf Programm, und da fährt Ludwig mit ihrem VW Caddy vor.

„Eine von hier“ steht auf Seite und Heck. Der Slogan mag zunächst banal klingen, doch im Wahlkreis 61 ist er es nicht: Nirgendwo tobte die Debatte um solvente Wessi-Zuzügler und Osttraditionen so heftig wie in den bevorzugten Berliner Vororten, in Kleinmachnow, Stahnsdorf, Teltow und Potsdam selbst.

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Ludwig tritt gegen die Wessis Baerbock und Scholz an

Ludwig wurde in Potsdam geboren, floh im Sommer 1989 über Ungarn in den Westen, kehrte zurück. Scholz und Baerbock sind die Wessis aus Altona und Pattensen. „Eine von hier“ gegen „zwei von drüben“. Ludwig ist groß, blond, energisch, Unternehmerin und selbstbewusst weit rechts in der CDU. Sie ist in den Bundestag nachgerückt, ihr Landtagsmandat hat sie dennoch behalten, sie kämpft also mit Absicherung.

„Ambivalent“ sei es, gegen zwei Kanzlerkandidaten anzutreten. „Aber ich bin auch nach der Wahl noch für meinen Wahlkreis da“, wirbt sie. Wieder ein kaum versteckter Vorwurf. Eine von hier gegen zwei auf der Durchreise.

Aber zieht das noch? Am SPD-Wahlstand auf dem Großmarktparkplatz steht Claudia Eller-Funke, verteilt Scholz-Flyer und rote Gummibärchen. Der Kandidat selbst wird später auch noch vorbeikommen und die lokale Spezialität Teltower Rübchen probieren. Eller-Funke sitzt für die SPD im Kreistag, sie kommt ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen, das ist aber schon 23 Jahre her.

„Ich finde, ich bin jetzt auch eine von hier“, sagt sie. Und der Olaf engagiere sich sehr im Wahlkampf, führe die Gespräche auf Augenhöhe, nehme sich auch bei den kleineren Terminen Zeit. „Ihm ist der Wahlkreis wirklich wichtig“, sagt seine Genossin. Und seit dem Sommer hat sie das Gefühl, es könnte wirklich klappen – mit dem Direktmandat und der Kanzlerschaft.

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Scholz lobt die Teltower Rübchen, Baerbock erhält mehr Applaus

Später beim Wahlforum der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ (MAZ) sitzt Scholz im schwarzen Anzug in der Bühnenmitte, eingerahmt von Baerbock und Ludwig, und wirkt als einziger etwas ermüdet von dieser Nonstop-Wahlkampfphase.

Er lobt die Teltower Rübchen und die Politik seines Finanzministeriums, sei es im Umgang mit bundeseigenen Immobilien oder bei der Ausstattung des Gemeindeverkehrswegefinanzierungsgesetzes. Deutlich mehr Applaus erhält Baerbock, als sie den AfD-Kandidaten als „Menschenfeind“ bezeichnet, nachdem dieser Geflüchtete für hauptschuldig am Wohnungsmangel erklärte.

Linken-Kandidat auf Augenhöhe mit den Kanzlerkandidierenden

Doch an diesem Abend können zwei andere Konkurrenten ums Direktmandat punkten: Linda Teuteberg, Ex-FDP-Generalsekretärin, und vor allem Norbert Müller von der Linken. Die Linke ist traditionell stark in Potsdam, dennoch ist Müller Außenseiter. Doch er kennt die Potsdamer Aufregerthemen besser als die Promis. Wiederaufbau der umstrittenen Garnisonkirche, Mietenwahnsinn, Verkehrsinfarkt – er redet sich auf Augenhöhe mit den Kanzlerkandidierenden.

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Am Ende fragt MAZ-Chefredakteur Henry Lohmar alle Bewerber, wen sie von den anderen auf eine Hausboottour mitnehmen würden. Müller wünscht sich Scholz, um mal in Ruhe über Cum-Ex reden zu können. Gejohle, Applaus.

Scholz will Teuteberg und Baerbock an Bord holen. „Ich glaube, dass wir uns nett unterhalten können und dass wir es auch hinkriegen, das Boot zu steuern.“ Das klang, als wolle er das Hausboot mit voller Kraft aus dem Wahlkreis 61 über Havel und Spree direkt zu einem Ampel-Bündnis ins Berliner Regierungsviertel lenken.

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