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Wie Russland auf das Ende von Merkels Kanzlerschaft schaut

Wladimir Putin, Präsident von Russland, überreicht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, rechts) Blumen während eines Treffens im Kreml.

Moskau. Was bedeutet das Ende der Kanzlerschaft von Angela Merkel? In den russischen Medien stellen sich da zunächst ganz profane Fragen: Gleich mehrere Zeitungen wie die RBK-Mediengruppe oder das russische Amtsblatt „Rossijskaja Gaseta“ griffen den Bericht des deutschen Onlineportals „The Pioneer“ auf, wonach die Kanzlerin nach dem Ausscheiden aus dem Amt nach einer Berechnung des Bundes der Steuerzahler monatliche Altersbezüge von circa 15.000 Euro erhalten wird.

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Und der russische Fernsehsender 360 berichtete in aller Ausführlichkeit, dass Merkel weiterhin in ihrer Wohnung in einem Gründerzeitbau mit sechs Parteien in Berlin-Mitte leben werde, mit Blick über die Spree und das Pergamon-Museum. In ihrem Landhaus in der Uckermark sei sie künftig allerdings öfter anzutreffen, hieß es weiter.

Wenn man bedenkt, dass mit der Kanzlerin die mächtigste Frau der Welt abtritt, die sich wie keine derzeitige westliche Politikerin oder kein derzeitiger westlicher Politiker mit Russland auseinandergesetzt hat, erscheinen solche Betrachtungen trivial.

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Dass es an einer gründlichen Bilanz des Merkelismus in den russischen Medien bislang mangelt, liegt nach Ansicht der Moskauer Politologin Lilia Schewtsowa vor allem an der russischen Wunschvorstellung eigener Größe: „Russland hat das sehr starke Bedürfnis, auf Augenhöhe mit einer Supermacht wie den USA zu stehen. Das Interesse an kleineren Ländern wird dadurch gemindert.“

Merkels Pragmatismus wurde in Moskau geschätzt

Die russische Staatsmacht selbst weiß natürlich, dass die Bundesrepublik und deren Regierungschefin Angela Merkel für das Land als Handelspartner und in vielen weiteren Politikfeldern wichtiger waren als die USA. Im Kreml wurde Merkel daher ernst genommen und ihr Pragmatismus durchaus geschätzt, auch wenn er deutlich nüchterner daherkam als der Umarmungskurs ihres Vorgängers Gerhard Schröder.

Dass sie etwa die Gaspipeline Nord Stream 2 gegen den Widerstand der USA durchgesetzt oder auch in schwierigen Zeiten immer versucht hat, im konstruktiven Dialog mit ihrem russischen Gegenüber zu bleiben, wird ihr positiv angerechnet.

Aber innenpolitisch inszeniert sich die russische Staatsführung als Großmacht, die ein Land mittlerer Größe wie die Bundesrepublik nicht allzu ernst nehmen muss – auch wenn es maßgeblich Sanktionen der EU gegen Russland angestrengt hat, wie es nach der Annexion der Krim und der Intervention Moskaus in den Bürgerkrieg in der Ukraine geschah.

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Und doch weiß man in Russland, was man an Merkel hatte, und es besteht die Sorge, dass sich das Verhältnis unter der neuen deutschen Regierung verschlechtern könnte: „Sollte Olaf Scholz Kanzler werden“, kommentierte die unabhängige Tageszeitung „Nowaja Gaseta“, dürften sich die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau nicht verschlechtern. „Aber wie ist die Haltung seiner potenziellen Koalitionspartner? Sowohl die Grünen als auch die FDP lehnen Russland kategorisch ab.“

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