Angela Merkel besucht Afrika: Jenseits von Thüringen

  • Selten war eine Auslandsreise der Kanzlerin so von der Innenpolitik bestimmt wie ihr Afrikaaufenthalt in dieser Woche.
  • Ob in Südafrika oder Angola – ständig muss sich Angela Merkel um die Lage in Erfurt und Berlin kümmern.
  • Dabei hat die Kanzlerin Großes vor mit dem Kontinent.
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Luanda. Nein, irgendwann reicht es auch der Kanzlerin. Es ist Freitagnachmittag, als bei der Pressekonferenz in Angolas Hauptstadt Luanda eine Reporterin wieder die politische Krise in Deutschland anspricht, diesmal geht es um Saskia Esken und den Koalitionsausschuss.

Merkel schaut genervt seitlich zu ihrem Regierungssprecher Steffen Seibert, der erwidert den genervten Blick. Merkel fasst sich kurz: Zu Thüringen habe sie am Vortag alles gesagt, zum Koalitionsausschuss werde dies am Wochenende geschehen.

Thüringen ist in dieser Woche überall, auch hier in Luanda, südlich des Äquators, auch zuvor in Südafrika. Es ist eine Krux: Fast seit Angela Merkel am Mittwoch in ihren Regierungsflieger stieg, ist in Berlin und in ihrer CDU eine Großkrise ausgebrochen.

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Merkel: Kemmerichs Wahl ist „unverzeihlich“
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Die Wahl dieses Ministerpräsidenten war ein einzigartiger Vorgang, der mit einer Grundüberzeugung gebrochen hat – für die CDU und auch für mich.  © AFP

Dabei meint Angela Merkel es jenseits von Thüringen durchaus ernst mit Afrika. Wie kein Kanzler zuvor bereist sie den Kontinent, allein in dieser Legislaturperiode war sie neben Angola und Südafrika zu unterschiedlichen Anlässen bereits in Burkina Faso, Niger, Senegal, Mali, Ägypten, Algerien, Marokko, Ghana, Nigeria und in der Elfenbeinküste.

Dabei verfolgt Merkel stets zwei Ziele: Der an vielen Stellen zunehmend fragile Kontinent soll dort gestützt werden, wo es Hoffnung und gute Initiativen gibt. Und zweitens, Afrika soll als letzter großer globaler Wachstumsmarkt für deutsche Unternehmen zugänglich gemacht werden.

Deutsche Wirtschaft sucht neue Märkte

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So ist es auch auf dieser Reise, die Merkel weit in den Süden führt. Mit Südafrika und Angola stehen zwei Länder auf der Besuchsliste, bei denen die Verbindung mit Europa wegen der größeren Entfernung nicht so eng ist wie in vielen Ländern Westafrikas. Doch: Alles hängt mit allem zusammen. Und natürlich fehlt auch eine Wirtschaftsdelegation nicht an Bord der Regierungsmaschine. Die deutsche Wirtschaft sucht neue Märkte, etwa im Bereich der Energieerzeugung.

Am Freitagnachmittag verkündet Merkel im Pressegespräch in Luanda entsprechende Kooperationen: Das Land sei „ein attraktiver Partner in der bilateralen Zusammenarbeit“, in einem eigens anberaumten Wirtschaftsforum sollten später zahlreiche Absichtserklärungen für Projekte wie den Bau einer Straßenbahn in Angolas Hauptstadt oder den Ausbau des Straßensystems geschlossen werden. Darüber hinaus solle ein Luftverkehrsabkommen den Austausch der Länder in der Luftfahrt voranbringen.

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Luanda: Joe Kaeser (l.), Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, wird von Joao Lourenco (2. v. r.), Präsident von Angola, am Präsidentenpalast begrüßt. © Quelle: Kay Nietfeld/dpa

„Hier tut sich etwas“

Auch in der Bildungsarbeit wolle man zusammenrücken und auf juristischer Ebene durch Austauschprogramme. Merkel und ihr angolanischer Gesprächspartner, Staatspräsident João Lourenço, harrten zufrieden der Unterschriftenzeremonie. „Hier tut sich etwas“, lobte Merkel die Reformbemühungen des erst seit 2018 amtierenden Staatspräsidenten, „hier ist etwas in Bewegung gekommen.“

Seit einigen Jahren versucht die Kanzlerin immer wieder, junge Regierungen in Afrika bei ihren Reformbemühungen zu unterstützen. Die Stabilität Afrikas ist spätestens seit der Flüchtlingskrise 2015 zu einem zentralen Anliegen ihrer Kanzlerschaft geworden. Die Flüchtlingsbewegungen Afrikas beginnen nicht an den Küsten oder auf dem Mittelmeer, sondern weit innerhalb des Kontinents – so ihr Verständnis. Entsprechend weit in den Kontinent führen ihre Reisen und erstrecken sich ihre Bemühungen.

Oft muss sie dabei um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit kämpfen. Doch so kompliziert wie dieses Mal war es selten.

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