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  • Amerika in Aufruhr: Nach der Wahl drohen chaotische Zustände - wie sollte Europa nun handeln?

Amerika in Aufruhr

  • Die USA steuern nach der Präsidentschaftswahl auf chaotische Zustände zu.
  • Donald Trump hat am Tag nach der Wahl abermals gezeigt, dass er kein Demokrat ist. Zum Machterhalt scheint ihm jedes Mittel recht.
  • Europa muss so oder so in Zukunft seinen eigenen Weg gehen, kommentiert Eva Quadbeck.
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Berlin. Die einzige korrekte Prognose im Zusammenhang mit der US-Wahl war die Vorhersage, dass das Land noch tiefer gespalten daraus hervorgehen wird. Die große Abrechnung mit Trump ist ausgeblieben. Im Gegenteil: Wie schon vor vier Jahren hat ihn etwa die Hälfte der Amerikaner gewählt – und dies, obwohl Trump immer wieder gelogen, gegen demokratische Regeln verstoßen, mit Autokraten und Diktatoren paktiert und in der Corona-Krise den Schutz von Menschenleben versäumt hat.

Diese Schlussfolgerung kann man bereits aus dem Ergebnis ziehen: Trump war kein Betriebsunfall der Geschichte. Etwa die Hälfte der Amerikaner wollen einen rücksichtslosen Geschäftsmann als Präsidenten, trotz dessen so offensichtlichen Defiziten und trotz dessen Geringschätzung der Demokratie.

Trump hat seine Anhänger bereits aufgehetzt

Unter dem Druck des knappen Rennens hat Trump noch einmal gezeigt, wes Geistes Kind er ist. Er ist kein Demokrat, und selbst als Autokrat ist er lausig. Er ist ein Trickser. Während er beim Golfspielen einen zusätzlichen Ball aus der Tasche rollen lässt, droht er bei der Präsidentschaftswahl Stimmen zu unterschlagen, die auf das Konto des Herausforderers einzahlen. Seine offensichtliche Bereitschaft, das amerikanische Wahlrecht auszuhebeln, wäre lächerlich, ginge es dabei nicht um das Schicksal von 330 Millionen Menschen und das Selbstverständnis einer der ältesten Demokratien der Welt.

Nun steuern die USA auf eine Auseinandersetzung zu, die sich nicht nur in den Wandelhallen Washingtons abspielen wird. Man möchte den Teufel nicht an die Wand malen. Aber Trump hat seine Anhänger durch seine Worte vor und nach der Wahl bereits hinreichend aufgehetzt, dass sie eine Niederlage nicht einfach hinnehmen würden. Dass der Absatz von Waffen in den Trump-Hochburgen in die Höhe geschnellt ist, kann in Kombination mit Trumps orakelndem „Haltet Euch bereit“ nur als Alarmsignal gewertet werden. Amerika ist so sehr zu wünschen, dass die aufgeheizte Stimmung nicht zu einem Bürgerkrieg eskaliert.

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Die Demokratien dieser Welt brauchen Amerika

Auch dem Rest der Welt ist es zu wünschen, dass sich die Lage in den USA stabilisiert. Amerika war schon vor Trumps Amtsantritt nicht mehr die Supermacht alter Stärke. Aber die Demokratien dieser Welt brauchen selbst ein schwächer gewordenes Amerika an ihrer Seite.

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Es wäre ein hoffnungsvolles Signal, wenn man am Ende der Ära Trump zumindest sagen könnte: Der Rechtspopulismus wurde abgewählt, weil er sich als unfähig erwiesen hat, mit der Corona-Pandemie die erste globale Krise des 20. Jahrhunderts zu managen. Man mag den Amerikanern zurufen, sorgt dafür, dass eines Tages in euren Geschichtsbüchern steht: Die amerikanische Demokratie war stark genug, den populistischen und autokratischen Angriffen Trumps zu trotzen, und sein Nachfolger war klug genug, dessen Anhänger einzubinden und abzuholen.

Europa muss sich selbst um seine Angelegenheiten kümmern

Bis dahin müssen die USA aber noch einen beschwerlichen Weg gehen. Die Gefahr, dass die weltpolitische Bedeutung Amerikas in der nun anstehenden Phase des innenpolitischen Aufruhrs weiter sinkt, ist groß.

Unabhängig davon, ob sich Amerika unter dem künftigen Präsidenten stabilisieren kann, wird sich Europa darauf einstellen müssen, dass das transatlantische Verhältnis nie mehr ins alte Fahrwasser zurückkehrt. Europa muss sich so oder so mehr um seine Angelegenheiten kümmern – um die Konflikte vor seiner Haustür, um seine Russland- und seine Chinapolitik, um eine eigenständige Verteidigung sowie um eigene Handelsabkommen. Ein stabiles Amerika ist dabei ein zentraler Partner, aber nicht mehr allumsorgende Schutzmacht.

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