• Startseite
  • Politik
  • Amerika hat entschieden und tritt auf die Notbremse – warum Wahlsieger Joe Biden einen Neubeginn bedeutet

Die Amerikaner haben die Notbremse gezogen

  • Ein amerikanischer Präsident will das Ergebnis einer freien und fairen Wahl nicht akzeptieren?
  • Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Donald Trump schon aus charakterlichen Gründen niemals hätte Präsident werden dürfen, ist er jetzt erbracht, meint RND-Chefautor Matthias Koch.
  • Wahlsieger Joe Biden wird einen Neubeginn schon dadurch bewirken, dass er sich der Realität zuwendet.
|
Anzeige
Anzeige

Die von vielen seit Langem ersehnte Nachricht mit nur fünf Wörtern geht jetzt um die Welt – und verändert sie: Donald Trump ist abgewählt worden.

Ja, der Sieg Joe Bidens war knapper als gedacht. Und ja, Trump wehrt sich, mit allerlei Gezeter. Der juristische Gefechtslärm aber wird verklingen.

Vor Gericht braucht man Beweise und ein Mindestmaß an intellektueller Konsistenz. Trump und seine Truppen lassen beides vermissen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

In Pennsylvania, wo Trump nach und nach schwächer wurde, wollten seine Leute die Auszählungen bremsen. In Arizona dagegen, wo er aufzuholen schien, forderten sie zur gleichen Zeit mehr Eile beim Zählen. Welches Gericht soll das alles überzeugend finden? Kein Wunder, dass erste Klagen, in Michigan und in Georgia, bereits abgewiesen wurden.

Anzeige

Historisch bedeutsam ist etwas anderes. Die von vielen Menschen ersehnte politische Wende in Amerika ist da. Bewirkt wurde sie vom Volk selbst, in einem mühsamen demokratischen Akt, der Respekt verdient und Sympathie: von unten nach oben, in einer Wahl mit Rekordbeteiligung. Das Land geht, auch wenn viele es immer noch nicht glauben können, auf einen neuen Kurs.

Hier kostenlos abonnieren Der Newsletter mit Hintergründen und Analysen zur Präsidentschaftswahl in den USA.
Anzeige

Will Trump alles brennen sehen?

Die Amerikaner haben nach vier Jahren Trump die Notbremse gezogen. Eine rasche Rückkehr zu den Regeln des Rechtsstaats ist jetzt dringend nötig, auch weltpolitisch. Chinas Staatsfernsehen etwa berichtete über die US-Wahlen zuletzt nur noch höhnisch und mit arrogantem Unterton: Seht her, Demokratie ist Chaos.

Trump hat in den letzten Tagen und Nächten erneut das Ansehen der USA rund um die Erde ramponiert. Will er, weil er selbst nicht zu retten ist, nun alles brennen sehen?

Am Samstagabend, wenige Minuten vor Bekanntgabe seiner endgültigen Niederlage, twitterte er, er habe diese Wahl mit großem Abstand gewonnen. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass dieser Mann schon aus charakterlichen Gründen niemals hätte Präsident werden dürfe, ist er jetzt erbracht. Es wird Zeit, dass Leute aus seiner eigenen Partei auf ihn zugehen und den gefährlichen Unfug beenden.

Video
Nach Joe Bidens Wahlsieg: Partys in den Straßen der Vereinigten Staaten
2:55 min
In den ganzen Vereinigten Staaten brach nach der Siegesverkündung von Joe Biden und Vizekandidatin Kamala Harris Jubel aus.  © Reuters
Anzeige

Weder den Amerikanern noch dem Rest der Welt ist im Grunde zuzumuten, dass Trump bis zum 20. Januar 2021 die Macht unkontrolliert in seinen Händen hält. Vielleicht kann sein Vize Mike Pence einen würdigen, mindestens aber rechtskonformen Übergang organisieren.

Amerika hat auch ohne Trump Probleme genug. Pandemie, Wirtschaftskrise und die ungeheure Polarisierung der Gesellschaft addieren sich längst zu einer gigantischen dreifachen Prüfung für das wichtigste Land der westlichen Welt.

Zeit für einen neuen Konsens

Anzeige

Mit Biden wird keines dieser Probleme über Nacht verschwinden. Aber nun wächst immerhin die Chance auf vernünftige Korrekturen in allen Feldern. Das Neue bei Biden liegt weniger in etwas Linkem oder Rechtem, es liegt in der Anerkennung der Realität.

In der Corona-Krise wird Biden der Wissenschaft mehr Autorität geben und auch mehr internationale Kooperation suchen, beides ist überfällig. Der Wirtschaft könnte ein mit dem wohl weiterhin republikanisch dominierten Senat verabredetes neues Konjunkturpaket helfen. Die Suche nach einem neuen Konsens würde zugleich ein beachtliches soziokulturelles Signal setzen: für eine Politik der über Parteigrenzen hinweg ausgestreckten Hand.

Kein neu gewählter Präsident kann Wunder wirken. Doch der 77-jährige Biden hat immerhin seine erste wichtige Mission schon messerscharf im Blick. Er muss Land und Leute zur Besinnung bringen, eine neue Normalität entstehen lassen, die Stimmung kooperativer machen. Damit hilft Biden den aufgepeitschten USA – und der ganzen Welt.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen