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Am Ende bleibt der Fußball ein Spiel – wirklich wichtig sind andere Dinge

  • Plötzlich steht die Fußball-Europa­meisterschaft still: Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer bangen um das Leben des dänischen Nationalspielers Christian Eriksen.
  • Der Stürmer war kurz vor Ende der ersten Halbzeit zusammen­gebrochen und musste noch auf dem Feld reanimiert werden.
  • Diese furchtbaren Bilder zeigen abermals, was das Wichtigste im Leben ist.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ein Licht am Ende des langen Corona-Tunnels soll die Fußball-Europa­meisterschaft sein. Freudenspender für Millionen, Ablenkung nach fast anderthalb Jahren Tristesse, Aufbruch in einen unbeschwerten Sommer, vielleicht sogar in eine Zeit, in der Corona zumindest in einigen Teilen der Welt einigermaßen in den Griff bekommen werden könnte.

Am Samstag um kurz nach halb sieben war diese emotionale Beladung des kontinentalen Fußballturniers schon fast wieder hinfällig. Die Bilder aus dem Kopenhagener Stadion beim Vorrundenspiel zwischen Dänemark und Finnland schockierten die Zuseher und Zuseherinnen, ließen das Schlimmste befürchten. Rettungskräfte kämpften auf dem Rasen um das Leben des kollabierten dänischen Mittelfeldspielers Christian Eriksen. Dem 29 Jahre alten Profi vom italienischen Meister Inter Mailand galten die Gebete und Wünsche des Publikums im Stadion und an den Fernsehschirmen. Eriksens Mitspieler bildeten, mühsam um Fassung ringend, einen Sichtschutz um ihren Kollegen und das medizinische Personal. Die Welt bangte um einen Fußballspieler.

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Es sind Bilder, die niemals vergessen werden, wenn später mal über die „Uefa Euro 2020“ – wie sie auch im Jahr 2021 noch offiziell heißt – geredet wird. Erster Eindruck für viele: Diese EM ist schon am zweiten Tag zu Ende. Und das, ohne dass Corona dabei eine Rolle spielte.

Als eine gute Stunde später zumindest etwas Entwarnung gegeben werden konnte, weil vermeldet worden war, dass Eriksen bei Bewusstsein sei, war die Erleichterung gigantisch. „Wir haben es geschafft, Christian zurückzuholen. Er hat mit mir gesprochen, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde. Wir wurden heute daran erinnert, was das Wichtigste im Leben ist: Gesundheit. Dass man Leute um sich herum hat, die einem nah sind“, sagte Dänemarks Nationaltrainer Kasper Hjulmand später.

Auf Wunsch der Spieler beider Teams wurde das unterbrochene Spiel sogar fortgesetzt. Eriksen persönlich hatte sich nach Angaben des späteren finnischen Siegtorschützen Joel Pohjanpalo dafür eingesetzt, dass seine Teamkollegen und deren sportliche Gegner zurück auf den Rasen gehen sollten. Ob das richtig war? Wer will das am Ende entscheiden? Vielleicht hätte das Spiel nach den schockierenden Eindrücken komplett abgesagt werden müssen, vielleicht hätte man den Profis zumindest eine Nacht zum Nachdenken geben sollen, vielleicht war es aber auch genau das Richtige, sie – und das Publikum – das Geschehene sportlich wenigstens ein bisschen verarbeiten zu lassen.

Am Ende bleibt eine Sache wirklich wichtig: Eriksens Gesundheit. Der Fußball wiederum, das haben die dramatischen Szenen am Abend des 12. Juni 2021 wieder mal gezeigt, ist nicht in existenzieller Dimension wichtig, egal, welche Bedeutung ihm – aktuell bei der psychischen Bewältigung der Corona-Krise – aufgeladen wird. Etwas Wunderbares, weil Zerstreuendes, ist der Fußball dennoch. Und deswegen dürfen wir uns auch nach den Geschehnissen vom Samstagabend auf die weitere EM freuen.

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