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Altkanzler: „Deutschland verpasst mit Blick auf Russland eine riesige Chance“

„Frankreich zeigt eine Führungsqualität, die ich in Deutschland vermisse“: Altkanzler Gerhard Schröder.

Hannover.Ein glänzend gelaunter Gerhard Schröder wurde dieser Tage gefragt, ob er nicht bei einer der 23 gerade laufenden Regionalkonferenzen der SPD vorbeischauen wolle.

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„Auf keinen Fall“, sagt der Altkanzler. „Am Ende wählen die mich noch zum Vorsitzenden.“

Lachend erhebt Schröder das Glas und prostet in die Runde.

Szenen wie diese gab es zuletzt in Hannover, bei einem Treffen von Managern, Investoren und Diplomaten aus Deutschland und Russland, draußen bei einem Stehempfang.

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„Umwelt und nachhaltiges Wirtschaften“ war das offizielle Thema. Überschattet wurde dieses – wie jedes – deutsch-russische Treffen jedoch von den politischen Spannungen zwischen der EU und Moskau.

Authentischer und engagierter als bisher

Schröder wirbt seit Langem für bessere Beziehungen. Stets konterten seine Kritiker mit dem Vorwurf, sein milder Blick auf Russlands aggressiven Kurs in der Ukraine und in Syrien habe damit zu tun, dass Schröder durch seinen Aufsichtsratsvorsitz beim Konzern Rosneft letztlich selbst zu einem Vertreter russischer Interessen geworden sei.

Schröders jüngste Rede in Hannover indessen wirkte anders, authentischer, engagierter als bisher. Hier sprach ein früherer Kanzler, den es sichtlich quält, dass die heutige Bundesregierung, wie er meint, derzeit mit Blick auf Russland eine riesige Chance verpasst.

Gerade sei die Welt Zeuge geworden eines ersten Gefangenenaustausches zwischen der Ukraine und Russland. Endlich komme Bewegung in die Dinge, nun sei auch noch viel mehr möglich.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, sagt Schröder, arbeite bereits an einer Neuausrichtung der Beziehungen zu Russland. Ziel müsse es in der Tat sein, einen gemeinsamen Raum des Wirtschaftens und der Sicherheit zu schaffen, von Lissabon bis Wladiwostok. Als möglichen Weg, gar als „Vision“ sieht Schröder eine Assoziation zwischen EU und Russischer Föderation.

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„Warum Macron? Warum nicht wir?“

Europa müsse aktiv werden, und zwar jetzt, nicht irgendwann. Die von den USA und von China gestellten globalen Machtfragen verdienten eine Antwort. Noch sei über Russlands Weg in die Zukunft nicht entschieden. Russland habe auch Alternativen zu Europa – in Asien.

Bei Schröder gesellt sich Unbehagen über Berlin zu seinem Lob für Macron: „Ich frage mich: Warum gerade er? Warum nicht wir? Wir sind doch näher dran.“ Frankreich zeige derzeit in der Russland-Politik „eine Führungsqualität, die ich in Deutschland vermisse“.

Schröder deutete auch auf die doppelte Ursache des außenpolitischen Stillstands in Berlin: „Bei den einen ist unklar, wer der nächste Kanzler werden soll oder die nächste Kanzlerin. Bei den anderen ist noch nicht mal sicher, wer künftig ihre Partei führen soll.“

Womit der Blick wieder zurückwandert in die zuvor in der Lobby launig belächelten SPD-Regionalkonferenzen.

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