„Der Tag“

Alles Schall und Rausch?

Cannabis ist landesweit und auch in Potsdam auf dem Vormarsch.

Bislang verbietet das Betäubungsmittelgesetz zwar nicht den Konsum von Cannabis – Besitz größerer Mengen, Handel und Anbau sind jedoch strafbar.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

auf welcher Seite des Grases stehen Sie? Auf der, die Cannabis eine weiche, eher harmlose Pflanze nennt, die viele gute Seiten hat? Oder verteufeln Sie das Kraut als Stoff, der insbesondere junge Leute abhängig macht und Psychosen hervorrufen kann? Beim Thema Cannabis scheiden sich die Geister. Schon seit vielen, vielen Jahren wird darüber diskutiert, es zu legalisieren. Das Vorhaben war noch nie so konkret wie jetzt. Cannabis soll in Deutschland künftig nicht mehr als Betäubungsmittel eingestuft, der Besitz kleiner Mengen für Erwachsene nicht mehr pauschal illegal sein – so steht es im Koalitionsvertrag der Ampelregierung von SPD, FDP und Grünen. Bei aller Uneinigkeit ist man sich zumindest darin einig, dass die bisherige Drogenpolitik reformiert werden muss.

Bis dahin existiert in Deutschland ein Flickenteppich, was die Strafverfolgung angeht. Wer sich in Mecklenburg-Vorpommern mit sechs Gramm Marihuana in der Tasche erwischen lässt, bekommt Ärger mit den Ordnungshütern. Ganz anders in Bremen oder Berlin – unter 15 Gramm passiert hier nichts. „Von 20 Gramm könnte man 60 Joints drehen. Leute, damit können wir den ganzen Plenarsaal high machen“, echauffierte sich am Freitag die CDU-Abgeordnete Ann Christin von Allwörden im Schweriner Landtag. 20 Gramm? Nach Plänen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sollen bis zu 30 Gramm Cannabis für den Eigenbedarf erlaubt sein, flankiert von strengen Regeln für Herstellung und Verkauf.

Doch auch dieser Plan könnte wie ein Joint verdampfen. Mein Kollege Tim Szent-Ivanyi berichtet, dass Lauterbachs Ministerium nun einräumt, dass es rechtlich gar nicht möglich sei, die Ende Oktober vom Bundeskabinett beschlossenen Eckpunkte von der EU-Kommission zunächst freigeben zu lassen, um erst danach einen konkreten Gesetzentwurf zu erarbeiten. Eine Zustimmung der EU-Ebene für die Legalisierung zu erreichen dürfte schwierig werden. Während die Opposition feixt, geht die Debatte weiter. Mal wieder.

So entsteht deutsches Cannabis: Aurora-Produktionsleiter stellt den Weg zur ersten Ernte vor

Dass Kiffen mehr als nur politisches Konfliktpotenzial birgt, zeigt die eindringliche Geschichte von unserem Chefautor Matthias Koch (RND+). Er hat mit der Mutter des 19-jährigen Johnny Stack gesprochen. Der junge Mann lebte in Colorado, dem ersten Bundesstaat, in dem Cannabis zugelassen wurde. Seit seinem 15. Lebensjahr konsumierte er Marihuana. In dieser Zeit aber hat sich die Konzentration des Wirkstoffs THC in den Produkten verzehnfacht. Mit Sorge beobachten Wissenschaftler und Mediziner die rasante Zunahme von Psychosen bei jungen Kifferinnen und Kiffern. Wahnvorstellungen haben auch Johnny Stack in den Suizid getrieben. Nach seinem Tod ist seine Mutter Laura zu einer Anti-Cannabis-Aktivistin geworden, die sagt: „Unser Pech war es einfach, dass wir in Colorado leben.“ Wie gefährlich es wird, wenn viel THC auf junge Gehirne trifft, erklärt in dem Beitrag auch der Jugendpsychologe Christoph Möller, Chefarzt im Kinderkrankenhaus Auf der Bult in Hannover.

Gefährlich sind auch die jüngsten Aktivitäten der „Reichsbürger“. Nach den Ermittlungen der Behörden soll Heinrich XIII. Prinz Reuß Rädelsführer einer Terrorzelle sein, die laut den Ermittelnden die Regierung stürzen wollte. Zu dem Thema hat mein Kollege Matthias Halbig ein Gespräch mit dem Historiker und führenden deutschen Adelsexperte Stephan Malinowski geführt. Er sieht in Deutschland eine „rechtsradikale Amöbe“, die „Könige, Prinzen, vergangene und existierende Monarchie hofiert und diesen fahnenschwenkend hinterherläuft“.

Der Tag

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Zitat des Tages

Gemessen an unseren eigenen Ansprüchen ist das so ein bisschen wie beim Fußball. Und das kann natürlich nicht zufriedenstellend sein.

Robert Habeck,

Bundeswirtschaftsminister, zum Stand der Digitalisierungsbemühungen in Deutschland

 

Leseempfehlungen

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Die britischen Medien reagieren wütend und enttäuscht auf die Veröffentlichung der ersten drei Folgen der Netflix-Doku „Harry & Meghan“. Fachleute warnen, dass das Königshaus die Situation ernst nehmen sollte, schreibt unsere Korrespondentin Susanne Ebner aus London.

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RS-Virus, Corona, Grippe: Die Viren gehen um, die Krankenhäuser sorgen sich um Patientinnen, Patienten und Mitarbeitende. In eine Klinik im schleswig-holsteinischen Kreis Segeberg dürfen deshalb jetzt keine Besucherinnen und Besucher mehr kommen, wie die „Lübecker Nachrichten“ berichten. Ziehen andere Krankenhäuser nach?

 

Termine des Tages

Heute endet die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Heute vor 50 Jahren verlas Eleanor Roosevelt vor den Vereinten Nationen in Paris die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (UN-Menschenrechtscharta). Ein historischer Meilenstein.

Der WM-Tag in Katar: die letzten Viertelfinals

16 Uhr: Marokko – Portugal

20 Uhr: England – Frankreich

+++ Verfolgen Sie alle Entwicklungen in unserem WM-Liveblog +++

 

Was heute wichtig wird

In Oslo wird heute der Friedensnobelpreis überreicht. In diesem Jahr erhalten ihn die Vorkämpfer für die Menschenrechte in Belarus, Russland und der Ukraine.

Jan Rachinsky (Zweiter von rechts), Vorsitzender des International Memorial Boards, trägt sich in das Gästebuch des Nobelkomitees im Nobelinstitut ein. Neben der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial erhalten den Preis das Zentrum für bürgerliche Freiheiten (Center for Civil Liberties) und der inhaftierte Menschenrechtsanwalt Ales Bjaljazki aus Belarus, dessen Preis seine Frau Natalja Pintschuk in Empfang nehmen wird.

In Oslo wird heute der Friedensnobelpreis überreicht. In diesem Jahr erhalten ihn die Vorkämpfer für die Menschenrechte in Belarus, Russland und der Ukraine. Jan Rachinsky (Zweiter von rechts), Vorsitzender des International Memorial Boards, trägt sich in das Gästebuch des Nobelkomitees im Nobelinstitut ein. Neben der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial erhalten den Preis das Zentrum für bürgerliche Freiheiten (Center for Civil Liberties) und der inhaftierte Menschenrechtsanwalt Ales Bjaljazki aus Belarus, dessen Preis seine Frau Natalja Pintschuk in Empfang nehmen wird.

 

Der Podcast des Tages: „Geyer und Niesmann“

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihre Heike Manssen

 

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