Alles neu macht der Juni

  • Das gewohnte Leben kehrt in Deutschland Schritt für Schritt zurück, die Stimmung steigt.
  • Vor einem Monat schien die Fußball-EM kaum vorstellbar. Jetzt kommt sie vielleicht genau zur rechten Zeit.
  • Heute bestreitet das deutsche Team sein erstes Testspiel gegen Dänemark.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

der Juni ist gerade erst einen Tag alt – und doch scheint schon jetzt klar zu sein: Dieser Monat wird besser als seine Vorgänger. Der Sommer ist da, pünktlich zu seinem meteorologischen Beginn. Das Leben kehrt in die Innenstädte zurück, die täglichen Meldungen des Robert Koch-Instituts verlieren ihren Schrecken. Die Corona-Inzidenz ist von 149 am 1. Mai auf 35 am 1. Juni gesunken. Vor vier Wochen haben die Menschen zum Beispiel noch abgewinkt, wenn man auf die Fußball-Europameisterschaft zu sprechen kam. Eine EM mit Spielen in ganz Europa verteilt: Wie soll das gehen in einer Pandemie?

Inzwischen nähert man sich einer deutlich freundlicheren Betrachtung: Vielleicht kommt diese Europameisterschaft ja genau zur rechten Zeit – als Lebenszeichen eines wiedererwachenden Europas. Heute Abend bestreitet die deutsche Nationalmannschaft ihr erstes Testspiel in der heißen Vorbereitungsphase gegen Dänemark. Die Vorfreude dürfte von Spiel zu Spiel wachsen. Im Trainingslager in Seefeld jedenfalls ist die Stimmung gut, berichtet RND-Reporter Tobias Manzke aus Tirol. Nationaltrainer Joachim Löw setzt offenbar auf einen starken Bayern-Block. Beim Spiel heute um 21 Uhr in Innsbruck sind noch keine Fans zugelassen, am kommenden Montag in Düsseldorf aber hofft die deutsche Elf schon auf Unterstützung von Zuschauerinnen und Zuschauern.

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Völlig offen ist noch, vor wie vielen Zuschauenden die Mannschaft von Joachim Löw ihr Auftaktspiel gegen Frankreich in gut zwei Wochen in München bestreiten wird. Der Fußballverband Uefa wünscht sich mindestens 14.500 Menschen auf den Rängen, die Gesundheitsbehörden aber sind weiter skeptisch – man will die Entwicklung der Inzidenz genau im Blick behalten. Der Fußballbetrieb ist insgesamt erstaunlich gut durch die Pandemie gekommen, die Hygienekonzepte der Vereine haben sich bewährt. Die schrittweise Rückkehr von Zuschauerinnen und Zuschauern in die Stadien aber wird jetzt die nächste große Bewährungsprobe.

Die Rückkehr in die Cafés ist für viele ein Wendepunkt in der Pandemie. © Quelle: Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dp

Die Virologen warnen grundsätzlich davor, dass es auf dem Weg zurück zu mehr Normalität durchaus noch Rückschläge geben könne. Haben wir es also noch nicht geschafft? Noch nicht ganz, kommentiert Kristina Dunz, stellvertretende Leiterin des RND-Hauptstadtbüros, in ihrem Leitartikel: „Das Coronavirus ist weiterhin unter uns, es wartet nur auf Fehler, es gibt noch keine Rückkehr zur alten Freiheit. Aber das Gute ist: Es gibt eine neue Freiheit. Eine, die wir genießen wie lange nicht oder noch nie. Auch, wenn sie noch eingeschränkt ist.“

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Zitat des Tages

Wenn man seine Meinung und seinen Glauben über Erkenntnisse stellt, dann werden wir in der politischen Auseinandersetzung nicht weit kommen.

Stefan Hennewig, CDU-Bundesgeschäftsführer, bei den Medientagen Mitteldeutschland
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­Vor 32 Jahren schlug das Militär in Peking die Studenten­bewegung vom Tiananmen-Platz nieder. Auf dem Festland ist jede Erinnerung an das historische Ereignis ohnehin verboten. Doch in Hongkong gedachten die Leute an jedem 4. Juni mit einem Kerzenmarsch an die Hunderten, möglicherweise Tausenden Toten. Bereits letzten Juni wurde das Gedenken von den Behörden untersagt, doch de facto halb geduldet. Dieses Jahr jedoch hat Hongkong – auf Druck der Kommunistischen Partei – schon im Vorhinein den Gedenkmarsch kriminalisiert: Wer daran teilnimmt, ja nur zur Teilnahme aufruft, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft, berichtet Fabian Kretschmer, RND-Korrespondent in Peking.

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Ihr Jörg Kallmeyer

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