„Der Tag“

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Vegane Falafel, vegane Schnitzel, vegane Würstchen: Immer öfter landen Fleischalternativen auf den Tellern der Deutschen.

Vegane Falafel, vegane Schnitzel, vegane Würstchen: Immer öfter landen Fleischalternativen auf den Tellern der Deutschen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

womit haben Sie heute Ihr Frühstücksbrötchen belegt? Wurst? Schinken? Und ihr gestriges Mittagessen war vielleicht ein Schnitzel? Spaghetti bolognese? Ein Burger? Das ist bei Weitem nicht mehr selbstverständlich.

Immer mehr Menschen greifen inzwischen zu fleischlosen Alternativen. Das ist genau genommen kein wirklich neuer Trend – solche Produkte werden vielmehr zunehmend alltäglich. Es gibt inzwischen in jedem halbwegs gut sortierten Supermarkt fleischlose Alternativen für alles Mögliche: für Hähnchen, für Wurst und Würstchen, selbst für Schinkenspeck. Inzwischen können sogar Fischfans auf vegane Varianten umsteigen. Die Hamburgerkette Burger King, die sich über Jahrzehnte vor allem für ihr gegrilltes Fleisch feierte, eröffnete unlängst am Wiener Westbahnhof ein Restaurant, in dem es ausschließlich vegane Produkte gibt. Die Karte liest sich wie die vieler anderer Lokale dieser Kette – nur stecken dort zwischen den Brötchenhälften von Whopper und Co. ausschließlich Produkte ohne jeglichen Tierbezug. Und die Gäste stehen beharrlich Schlange.

Ein Apfel am Tag: Auf der Grünen Woche geht es nicht nur um Fleisch – auch das gute alte Obst hat seinen Platz auf dem Berliner Messegelände. Die Ausstellung dauert noch bis Sonntag.

Ein Apfel am Tag: Auf der Grünen Woche geht es nicht nur um Fleisch – auch das gute alte Obst hat seinen Platz auf dem Berliner Messegelände. Die Ausstellung dauert noch bis Sonntag.

Auch bei der Grünen Woche in Berlin – traditionell eine Schau der Landwirtschaft – wird fleischlose Ernährung zunehmend zum Thema, wie meine Kollegin Johanna Apel bei einem Besuch festgestellt hat (+). Zahlreiche Anbieterinnen und Anbieter lockten mit vegetarischen oder veganen Häppchen, schreibt sie in ihrer Reportage, Start-ups präsentierten, wie sich „Fischspeisen“ oder „Eierspeisen“ ganz ohne Tierprodukte herstellen lassen. „Wie sieht dein Teller der Zukunft aus?“, fragt ein Schild an einem der Stände die Messebesucherinnen und ‑besucher. Und es schwingt mit: Wohl kaum anders als bislang – nur ohne Fleisch. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, pro Woche nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch oder Wurst zu essen. Der Trend ist eindeutig, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er weitergeht, denn nicht nur Tierschützerinnen und Tierschützer, sondern auch Ernährungswissenschaftlerinnen und ‑wissenschaftler halten auch die 55 Kilogramm pro Jahr für immer noch viel zu viel.

Die Kehrtwende wird zunehmend messbar: Der Lebensmittelhandel verzeichnet seit Jahren steigende Absätze von Fleischersatzwaren. 2021 produzierten deutsche Unternehmen 17 Prozent mehr Fleischersatzprodukte als noch 2020, heißt es vom Lebensmittelverband, der sich auf das Statistische Bundesamt bezieht. Wurst und Schnitzel aus Soja oder Erbsen sind längst kein Nischenprodukt mehr, sondern füllen immer mehr Regalmeter in den Supermärkten. Der Hersteller Rügenwalder Mühle verkaufte 2021 erstmals mehr vegetarische und vegane Produkte als Fleisch. Beyond Meat ist zur Hipstermarke geworden, ohne die in Craft-Beer-Bars kaum noch was geht. Auch auf dem jüngsten Oktoberfest in München gab es neben Haxen und Hendl auch vegane Weißwurst. Und selbst im entlegensten Restaurant auf dem Land ist es heute durchaus möglich, auch als Vegetarierin, Vegetarier, Veganerin oder Veganer zu überleben.

Nun sollte niemand gezwungen werden, komplett auf Fleisch und Fisch zu verzichten – es wäre aber schon viel gewonnen, es bewusster zu essen, seltener, aber dafür von umso besserer Qualität, artgerecht gehalten. In Zeiten von Inflation und gestiegenen Energiepreisen indes zeichnet sich momentan offenbar ein anderer Trend ab: Fleischessende wenden sich wieder mehr den günstigen Produkten zu, die selten vom Hof nebenan kommen und über deren Haltungsform zumindest gestritten werden darf.

Eine fleischlose Alternative wird bei alldem übrigens gern vergessen: Gemüse. Das half schon immer, die Kosten fürs Mittagessen geringer zu halten. Und gesund ist es auch. Vielleicht werden wir aber auch bald den Trend zu einem ganz anderen Lebensmittel erleben: Insekten. Sie könnten zumindest eine wichtige Rolle bei der Versorgung der wachsenden Welt­bevölkerung mit weniger klimaschädlichem Protein spielen.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Michael Pohl

Der Tag

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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei der Regierungsbefragung im Bundestag.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei der Regierungsbefragung im Bundestag.

Zitat des Tages

Es war richtig und es ist richtig, dass wir uns nicht haben treiben lassen.

Olaf Scholz,

Bundeskanzler, bei der Regierungsbefragung im Bundestag

14 Panzer vom Typ Leopard 2 will Deutschland aus den Beständen der Bundeswehr an die Ukraine schicken. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verteidigte die Entscheidung gestern im Bundestag – ebenso wie die lange Bedenkzeit vor dem Schritt. Bei Bürgerinnen und Bürgern, die sich wegen der Entscheidung Sorgen machen, warb er um Vertrauen und zog zudem rote Linien. „Dass es nicht um Kampfflugzeuge geht, habe ich ja sehr früh klargestellt und mache das auch hier“, sagte der SPD-Politiker. Er fügte hinzu: „Bodentruppen werden wir in keinem Fall schicken.“ Es werde keine direkte Beteiligung von Nato-Soldatinnen und ‑Soldaten geben. „Das ist bisher nicht der Fall, und das wird auch in Zukunft nicht der Fall sein. Und darauf können sich alle verlassen.“ Bis die Ukraine die ersten Panzer erhält, wird es aber noch dauern. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sprach gestern von drei Monaten Lieferzeit.

 

Termine des Tages

Die Innenminister und Innenministerinnen der EU-Staaten beraten heute (9.30 Uhr) bei einem Treffen in Stockholm darüber, wie mehr abgelehnte Asylbewerberinnen und ‑bewerber in ihre Heimat abgeschoben werden können. Für Deutschland wird Innenministerin Nancy Faeser (SPD) zu dem Treffen erwartet.

Die Spitzen der Koalition wollen am Donnerstagabend versuchen, einen regierungsinternen Streit über einen schnelleren Neu- und Ausbau von Straßen zu lösen. Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) möchte, dass wie erneuerbare Energien auch der Neu- und Ausbau von Straßen künftig in einem überragenden öffentlichen Interesse liegen, um Planungsverfahren zu beschleunigen. Das lehnen die Grünen ab.

 

Wer heute wichtig wird

Verteidigungsminister Boris Pistorius wird heute zu seinem ersten Truppenbesuch im neuen Amt erwartet. Der SPD-Politiker will auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow in Sachsen-Anhalt Soldatinnen und Soldaten treffen. Dort üben Männer und Frauen des Logistikbataillons 171 mit Handfeuerwaffen und Panzergrenadiere trainieren im scharfen Schuss mit dem Schützenpanzer Puma.

Verteidigungsminister Boris Pistorius wird heute zu seinem ersten Truppenbesuch im neuen Amt erwartet. Der SPD-Politiker will auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow in Sachsen-Anhalt Soldatinnen und Soldaten treffen. Dort üben Männer und Frauen des Logistikbataillons 171 mit Handfeuerwaffen und Panzergrenadiere trainieren im scharfen Schuss mit dem Schützenpanzer Puma.

 

Leseempfehlungen

Warum klagen Eltern gegen schlechte Noten? Eltern ziehen schneller vor Gericht, wenn sie die Noten ihrer Kinder für unangemessen halten. Das sagt die GEW Schleswig-Holstein. Belastbare Zahlen gibt es nicht, dafür Erfahrungsberichte. Was Fachleute zu den Gründen sagen (+).

Wenn Frauen keine Kinder wollen: Die Sterilisation ist die sicherste Verhütung einer ungewollten Schwangerschaft – sie ist allerdings auch nicht ganz unumstritten: Gerade wenn sich junge, noch kinderlose Frauen sterilisieren lassen wollen, stößt das oft auf Unverständnis. Vier von ihnen berichten von dem langen Weg zum gewünschten Eingriff (+).

 

Aus unserem Netzwerk

Ungebetene Hilfe: Die Frist für die Grundsteuererklärung endet am 31. Januar – nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern. So manchen stellt das Ausfüllen aber vor Schwierigkeiten. Martina Fritz aus Bobitz bei Wismar hat im Internet deshalb kostenlos Unterstützung beim Ausfüllen der Unterlagen angeboten. Das sehen Abmahnanwälte nicht gern – sie drohen der Wirtschaftsjuristin mit bis zu 5000 Euro Bußgeld für die Nachbarschaftshilfe. (+)

 

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