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Vergifteter Nawalny: Putin hat kein Interesse an Aufklärung

  • Die Fachleute der Bundeswehr lassen keinen Zweifel: Putin-Kritiker Alexej Nawalny ist einem Giftanschlag zum Opfer gefallen.
  • Die Bundesregierung setzt jetzt auf den Aufklärungswillen Moskaus.
  • Eine verständliche, aber naive Hoffnung, kommentiert Marina Kormbaki.
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Berlin. Aus einem Verdacht wird Gewissheit. Alexej Nawalny, Enthüller russischer Korruptionsskandale und der letzte mächtige Widersacher von Wladimir Putin, ist einem Giftanschlag zum Opfer gefallen. Zu diesem Befund kommt ein Speziallabor der Bundeswehr, das im Auftrag der Charité Proben des in der Berliner Klinik behandelten Nawalny untersuchte.

Diese von Kanzlerin Angela Merkel, Außenminister Heiko Maas und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Mittwoch mit bemerkenswertem Nachdruck vorgebrachte Erkenntnis schockiert. Überraschen tut sie allerdings nicht.

Nawalnys Symptome sprachen von Anfang an für sich. Sie deuteten auf eine Vergiftung mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok hin – ein Mittel aus dem erprobten Arsenal russischer Geheimdienstler.

Die Liste vergifteter russischer Regierungskritiker ist lang

Damit wurden auch der einstige Doppelagent Sergei Skripal und dessen Tochter Julia 2018 in England vergiftet. Der Journalist Juri Schtschekotschichin erlag 2003 einer mutmaßlichen Vergiftung in einem Moskauer Krankenhaus; kurz darauf überlebte seine Kollegin Anna Politkowskaja eine Vergiftung – um dann 2006 erschossen zu werden. Die Liste russischer Regierungskritiker, die mit Gift und Kugeln zum Schweigen gebracht werden sollten, ist lang.

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Kremlkritiker Nawalny in Berliner Charité eingeliefert
2:07 min
Am Ende war die Erleichterung groß: Der schwer kranke russische Oppositionelle Alexej Nawalny ist am Samstag in die Berliner Charité eingeliefert worden.  © Reuters
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Russland rühmt sich seiner Ärzte. Die Mediziner im sibirischen Omsk, wo Nawalny zunächst in Behandlung war, waren gewiss imstande, eine Vergiftung zu erkennen. Dass sie dies nicht taten, ist ein schwerwiegendes Indiz für die politische Dimension des Falls. Er sollte aus dem Weg geräumt werden. Am 13. März finden in 13 von 85 Regionen Russlands Wahlen statt. In der Provinz ist die Wut auf Moskau mitunter groß. Nawalny beflügelte die Opposition und stellte für die Nutznießer des Systems Putin eine Bedrohung dar.

Berlin hilft – gut so

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Freunde und Familie des charismatischen Politikers taten gut daran, ihn rasch außer Landes zu bringen. Und der Bundesregierung gebührt Respekt dafür, dass sie den Kremlkritiker nach Berlin hat ausfliegen lassen und ihm dort Schutz und bestmögliche Behandlung ermöglicht.

Jetzt, da die Fakten auf dem Tisch liegen, wächst sich der Fall Nawalny zu einer erheblichen Belastungsprobe für das deutsch-russische Verhältnis aus. In seltener Klarheit spricht Kanzlerin Merkel aus, worum es geht: um einen “versuchten Giftmord”, um ein “Verbrechen”. Sie stellt eine Reaktion in Aussicht, mit der EU und mit der Nato. Offen ist, ob Berlin seinen wuchtigen Worten auch wuchtige Taten folgen lässt.

Hoffen auf Putin?

Merkel präsentiert sich als moralische Autorität. Sie zeigt an, dass sie zu neuen Sanktionen gegen Moskau bereit ist – in der Hoffnung, dass schon die Androhung von Strafen Präsident Putin zur Aufklärung des Angriffs auf Nawalny bewegen wird. Es ist jedoch naiv, auf dessen Kooperationsbereitschaft zu setzen. Dass Moskau kein Interesse an der Wahrheit hat, hat es bereits bewiesen. Dennoch wird der Westen eine Erwiderung auf diesen Anschlag finden müssen.

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