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Alexandria Ocasio-Cortez ist die Überfliegerin der US-Zwischenwahlen

Sie ist die Überraschung des politischen Jahres 2018. Alexandria Ocasio-Cortezin ist gerade einmal 29 Jahre alt und zieht nun für die Demokraten in das Repräsentantenhaus ein. Parteifreunde ziehen Vergleiche zu großen Vorbildern.

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Washington. Es könnte an diesem Abend der US-Zwischenwahlen wohl keinen größeren Kontrast geben. Auf der einen Seite der polternde Donald Trump, der mit einer Angstkampagne seine engste Anhängerschaft zusammenschweißen will, und auf der anderen Seite die junge Frau aus der Bronx, die aus einfachsten Verhältnissen stammt und für eine hellere Zukunft streitet. Es ist eine Auseinandersetzung ganz nach dem Geschmack vieler Amerikaner: Aus einer fast aussichtslosen Position gestartet, erkämpfte sich Alexandria Ocasio-Cortez zuerst den innerparteilichen Status als Kandidatin, und am gestrigen Wahltag schließlich den begehrten Abgeordnetensitz in Washington.

Innerhalb der Demokratischen Partei sorgt der Sieg der jungen Frau keineswegs nur für Begeisterung: Ihr - für amerikanische Verhältnisse - ausgesprochen linkes Programm klingt wie eine Anklage an die eigene Führung. Warum schießen die Ausbildungskosten immer weiter in die Höhe? Warum sind mehrere Millionen Amerikaner nicht krankenversichert? Und warum müssen so viele Menschen zwei Jobs nachgehen, um einigermaßen über die Runden zu kommen?

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Ocasio-Cortez klingt wie Bernie Sanders, nur authentischer

Wenn Ocasio-Cortez ans Mikrophon tritt, klingt es fast so, als habe sie Teile ihrer Rede bei Bernie Sanders abgeschrieben. Anders als bei dem populären Senator aus Vermont, der seit vierzig Jahren politisch aktiv ist, schwingt bei ihr aber eine ganz andere Authentizität mit: Sie ging tagsüber putzen und arbeitete abends in einer Bar, um ihre Studienkredite zu tilgen. Das Leben der Arbeiter, die aus Lateinamerika stammen und unter schwierigsten Bedingungen versuchen, im Schatten von Manhattan Fuß zu fassen, kennt sie nicht nur vom Hörensagen, sondern aus der eigenen Familie. Die nicht-weiße Arbeiterschaft, als deren Anwalt sich die Demokratische Partei eigentlich versteht, wird von Ocasio-Cortez so glaubhaft vertreten, dass die Unruhe in den eigenen Führungskreisen mit Händen zu greifen ist. Ihr leidenschaftlicher, geradezu wütender Redestil trifft die Stimmung ihrer Anhängerschaft, die sich mit niedrigen Löhnen und schlechtem Versicherungsschutz nicht länger abfinden will.

Während sich der bisherige Repräsentant ihres Wahlbezirks regelmäßig mit den Großsponsoren aus der Wall Street umgab, hatte sie mit den Fallstricken des einfachen Lebens zu kämpfen: Als Jurastudentin musste sie mit ansehen, wie ihre Familie fast ihr gesamtes Hab und Gut verloren hätte, da ihr Vater, der früh verstarb, kein Testament hinterlassen hatte. Bei ihren kämpferischen Wahlkampfauftritten hatte Ocasio-Cortez denn auch oft davon gesprochen, dass die Zwangsenteignungen für die "korrupte Bürokratie" lediglich ein einträgliches Geschäft sei.

In dieser Bildergalerie sehen Sie Kandidaten der Midterm Elections, die hervorstechen:

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Wir stellen sieben Kandidaten der Demokraten vor.

Alexandria Ocasio-Cortez’ Angriffe treffen ins Mark

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Ihre Angriffe treffen offenbar so sehr ins Mark, dass sie von Nachrichtenseiten wie "National Review" und "Breitbart" nach Kräften angegriffen wird. Andere Medien, wie "Vanity Fair", werben mit ihrem Konterfei auf der Titelseite oder führen mit ihr zumindest ausfürliche Interviews ("Rolling Stone" und "Jacobin").

In den etablierten Kreisen des Washingtoner Politikbetriebs wurde kurz vor den Zwischenwahlen allerdings noch ein weiteres Detail aufmerksam registriert: Obwohl sich Ocasio-Cortez regelmäßig als Mitglied der "Democratic Socialists of America" bezeichnet, halten nicht nur die "New York Times" und die "Washington Post" einen engen Draht zu der aufstrebenden Politikerin, sondern auch das konservative "Wall Street Journal". "Das ist ein eindeutiges Zeichen", so heißt es in führenden Kreisen der Demokratischen Partei, "dass wir sie ernst nehmen müssen."

Von Stefan Koch/RND

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