• Startseite
  • Politik
  • Alexander Lukaschenko: Lufthansa Technik wartet Flugzeug von Belarus-Präsident

Lufthansa Technik wartet Flugzeug von Lukaschenko - Gewerkschaft protestiert

  • Der weißrussische Machhaber Lukaschenko unterdrückt die demokratische Opposition.
  • Den wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland tut dies offenbar keinen Abbruch.
  • In Hamburg wird gerade die Regierungsmaschine des Diktators auf Vordermann gebracht.
|
Anzeige
Anzeige

Hamburg. Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko lässt die Opposition in seinem Land rücksichtslos verfolgen – und in Deutschland gleichzeitig seine Regierungsmaschine auf Vordermann bringen. Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) warntet die Lufthansa Technik an ihrem Hamburger Standort aktuell die Boeing 737 des „letzten Diktator Europas“. Doch in der Belegschaft regt sich Widerstand dagegen.

Die Regierungsmaschine Lukaschenkos mit der Kennung EW-001PA parkt seit Dienstag am Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel in einem Wartungshangar. Sie soll technisch überholt und gegebenenfalls aufgerüstet werden. Bereits im Jahr 2012 hatte Lukaschenko seine Maschine in Hamburg überarbeiten lassen. Er schätze deutsche Wertarbeit sehr, hieß es damals aus seinem Umfeld.

„Sanktionen bei einer Weigerung darf es nicht geben“

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Doch diesmal scheint unklar, ob der Auftrag wirklich fristgerecht oder überhaupt abgearbeitet werden kann. Die Gewerkschaft Verdi Lufthansa Technik Hamburg hat ein Flugblatt verbreitet, in dem sie den Auftrag scharf kritisiert. Es ist überschrieben mit: „Während wir sein Flugzeug warten, lässt Lukaschenko Arbeiter*innen verprügeln!“ Darin machen die Initiatoren auf die schwierige Situation von Arbeitern und Gewerkschaftlern im heutigen Belorussland aufmerksam, die bei Protesten schweren Repressalien ausgesetzt sind. „Auch wenn wir selbst aufgrund der wirtschaftlichen Krise in zähen Verhandlungen stecken und für euch kämpfen, vergessen wir nicht unsere lange Tradition von internationaler Solidarität und stehen Seite an Seite mit den belorussischen Arbeiter*innen“, schreiben die Gewerkschafter.

Schon einmal, im Jahr 1989, habe die Belegschaft sich geweigert, das Flugzeug eines Despoten zu warten. Damals war der rumänische Diktator Ceausescu Auftraggeber. „Damals wie heute erwarten wir von der Lufthansa-Technik-Geschäftsleitung, jegliche Sanktionen zu unterlassen, falls Kolleginnen und Kollegen sich weigern sollten, an dem entsprechenden Flugzeug zu arbeiten“, heißt es in dem Aufruf. Er schließt unter anderem mit der Forderung an das Regime Lukaschenkows, freie Wahlen zuzulassen und Arbeiter wieder einzustellen, die aufgrund der jüngsten Proteste im Land aus ihren Jobs entlassen wurden.

Lufthansa Technik bestätigt Auftrag von Belarusian Airlines

Anzeige

Ein Sprecher von Lufthansa Technik erklärte dem RND auf Nachfrage: „Wir können bestätigen, dass ein Flugzeug der Belavia Belarusian Airlines zu Wartungsarbeiten bei uns in Hamburg ist.“ Wem die Maschine genau gehört, ließ das Unternehmen aber offen. Der Auftrag mit der Fluglinie sei „vor einigen Monaten” ausgehandelt worden. „Die Arbeiten an der Maschine werden einige Wochen in Anspruch nehmen“, sagte der Sprecher. Zum finanziellen Umfang des Auftrags machte er keine Angaben.

Auf die Frage, ob Mitarbeiter mit Sanktionen rechnen müssten, wenn sie sich weigern, an der Maschine zu arbeiten, antwortete das Unternehmen lediglich: „Diese Frage stellt sich aktuell nicht. Unsere Servicearbeiten laufen an allen Kundenflugzeugen, die wir aktuell an unserem Standort in Hamburg haben, planmäßig.“ Zudem betonte der Sprecher, Lufthansa Technik beachte „die aktuell geltenden nationalen und internationalen Exportkontrollgesetze“. Auf neue Entwicklungen in Bereich von Sanktionen gegen die weißrussische Regierung würde das Unternehmen gegebenenfalls entsprechend der Vorgaben reagieren.

Anzeige
Video
Belarussische Polizei verhaftet Dutzende Demonstranten
1:04 min
  © Reuters

Bisher hat die EU nach der jüngsten – nach Ansicht von Beobachtern auf breiter Front gefälschten – Wahl in Weißrussland lediglich Sanktionen gegen 40 Personen aus dem Umfeld Lukaschenkos verhängt. Der Machthaber selbst ist davon noch nicht betroffen. Manuel Sarrazin, Sprecher für Osteuropapolitik der Grünen im Bundestag, sagte dazu dem RND: „Die Solidaritätsaktion der Belegschaft von Lufthansa Technik ist bemerkenswert. Die Mitarbeiter senden ein wichtiges Zeichen an die Menschen in Belarus, dass wir sie nicht vergessen und Gerechtigkeit und Freiheit fordern. Umso absurder ist es, dass Lukaschenko immer noch nicht auf der EU-Sanktionsliste steht. Daran ändern auch die samtweichen Andeutungen des deutschen Außenministers nichts, Lukaschenko vielleicht demnächst auch persönlich zu belangen.

In Weißrussland schlägt der Aufruf aus Hamburg bereits hohe Wellen. Vor allem für oppositionelle Medien, die in der Diktatur fast nur über den Nachrichtendienst Telegram Verbreitung finden, ist es ein Riesenthema. „Der Aufruf von Verdi wird sehr positiv aufgenommen”, erzählt eine weißrussische Oppositionelle, die in Deutschland lebt, dem RND. „Allerdings kommt dabei auch einiges durcheinander. Viele Weißrussen kennen das deutsche System nicht. Sie können sich nur schlecht oder gar nicht informieren. Und so kursiert beispielsweise die Falschmeldung, Kanzlerin Merkel habe persönlich veranlasst, das Flugzeug Lukaschenkos nicht zu warten. Da sie ja auch ein gutes Verhältnis zu den Gewerkschaften habe. Diese Menschen handeln in guter Absicht, es sind aber eben keine ausgebildeten Journalisten, die frei arbeiten können.” In den belorussischen Staatsmedien spielt der Fall naturgemäß keine Rolle.

Anzeige

Am Mittwochnachmittag hatte die weißrussische Community in Hamburg zu einer Demonstration vor der Lufthansa-Technik-Niederlassung am Flughafen aufgerufen. Auch in Nordrhein-Westfalen kam es zu Protestaktionen.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen