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Al-Kaida-Chef getötet

Wer folgt auf den „Terrordoktor“ von Afghanistan?

Jemen, Taizz: Eine schwarze al-Qaida-Flagge wurde an die Wand einer beschädigten Schule in gesprüht. (Archivbild)

Mit einem gezielten Drohnenangriff haben die USA den Kopf der Terrororganisation Al-Kaida, Aiman al-Sawahiri, getötet. US-Präsident Joe Biden sprach am Montagabend in Washington von einem „Präzisionsschlag“, bei dem Al-Sawahiri in der afghanischen Hauptstadt Kabul ums Leben gekommen ist. „Diesen Terroristenführer gibt es nicht mehr“, so Biden. Al-Sawahiri sei über Jahrzehnte für Anschläge auf US-Amerikaner verantwortlich gewesen. „Jetzt wurde der Gerechtigkeit Genüge getan.“ Ein Team der CIA und der US-Luftaufklärung habe bestätigt, dass es sich bei dem getöteten Mann um den Al-Kaida-Chef handele.

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Nach der Tötung von Osama bin Laden im Mai 2011 war Al-Sawahiri an die Spitze von Al-Kaida gerückt. „Er hatte den Spitznamen ‚Terrordoktor‘, da er studierter Mediziner war, aber davon darf man sich nicht ablenken lassen“, erklärte der Terrorismusforscher Peter R. Neumann vom King‘s College London im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Sein ganzes Leben habe Al-Sawahiri mit dem sogenannten Dschihad zugebracht.

Erstmals auffällig wurde er in Ägypten im Alter von 15 Jahren, als er an verschiedenen terroristischen Operationen beteiligt war. Laut Neumann sei Al-Sawahiri unter anderem in die Ermordung des ägyptischen Präsidenten verstrickt gewesen. 1980 ging er zum ersten Mal nach Afghanistan, lernte Bin Laden kennen und schloss sich mit ihm zusammen. Das ist aus ihrer Sicht eine sehr effektive Partnerschaft gewesen, erklärte Neumann. „Denn Bin Laden hatte die Verbindungen nach Saudi Arabien, war sehr charismatisch, hat Geld beschafft und Al-Sawahiri war der Taktiker und Organisator – sozusagen das Gehirn.“

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Ein Ende für Amerikas Krieg der Bilder?

Seit Al-Kaida im Jahr 2001 dem Westen den Krieg erklärte, ging es immer auch um symbolhafte Bilder. Nun verkündet US-Präsident Joe Biden den Tod des Terror-Anführers Aiman Al-Sawahiri, ohne den Einsatz zu zeigen. Schließt sich damit ein Kreis?

Zum letzten Mal in der Öffentlichkeit zeigte sich der Al-Kaida-Anführer im vergangenen September. Am 20. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 rief er in einer Videobotschaft seine Anhänger auf, den Westen und alle ihre Verbündeten im Nahen Osten zu bekämpfen. Neben Bin Laden hat kaum ein anderes Al-Kaida-Mitglied die Terrororganisation so geprägt wie er.

Al-Kaida-Chef bei US-Drohneneinsatz getötet

Die USA haben mit einem Drohnenangriff den Chef des Extremistennetzwerks Al-Kaida, Aiman al-Sawahiri, in Kabul getötet.

Wer auf Al-Sawahiri folgt, ist laut dem Londoner Terrorismusexperten offen. Eigentlich hätte das langjährige Al-Kaida-Mitglied Saif al-Adel die Nachfolge sicher. Doch er befindet sich im Iran, kann das Land nicht verlassen und steht unter Beobachtung der Geheimdienste. „Es ist unvorstellbar, dass Saif al-Adel aus dem Iran heraus die Führung übernimmt“, so die Einschätzung von Neumann. „Al-Kaida steht jetzt vor einem Problem, denn es gibt gar nicht mehr viele, die aus dieser alten Generation wie Bin Laden und Al-Sawahiri stammen und die natürliche Autorität für die Führung von Al-Kaida hätten.“

„Offensichtlich bestehen die Beziehungen der Taliban zu Al-Kaida nach wie vor und sind sehr eng. So eng, dass man offensichtlich bereit ist, alles aufs Spiel zu setzen.“

Peter R. Neumann,

Terrorismusexperte und Professor am King's College London

Laut US-Präsident Biden hatte der US-Gemeindienst den Al-Kaida-Chef in einem Haus inmitten der Hauptstadt Kabul aufgespürt. Dort soll er mit seiner Familie in einer Wohnung gelebt haben, die von einem der Assistenten des Innenministers unterhalten wurde. Mitglieder der aktuellen Taliban-Führung hätten gewusst, dass sich Al-Sawahiri in Kabul aufhielt, kritisiert die USA.

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Neumann verweist auf die Vereinbarung mit den Taliban, wonach sie internationalen Terroristen keinen Unterschlupf in Afghanistan gewähren. „Diese Vereinbarung wurde durch die Tatsache, dass Al-Sawahiri im Zentrum von Kabul gewohnt hat, ganz eklatant gebrochen.“ Er wertet das als schlechtes Zeichen. Die Hoffnung des Westens, die Taliban hätten inzwischen erkannt, dass die Verbindung zum internationalen Terrorismus ihnen nicht hilft, sei enttäuscht worden. „Offensichtlich bestehen die Beziehungen der Taliban zu Al-Kaida nach wie vor und sind sehr eng.“

„Die Spitze von Al-Kaida hat keinen so großen operationellen Einfluss mehr, wie noch vor 20 Jahren.“

Peter R. Neumann,

Terrorismusexperte und Professor am King's College London

Neumann warnte jedoch davor, den Tod von Al-Sawahiri zu überschätzen. Anders als noch vor 20 Jahren habe die Spitze von Al-Kaida heute keinen so großen Einfluss mehr auf Terroranschläge. Deshalb sei die Bedrohung für Europa und Amerika durch Al-Kaida heute auch nicht mehr so groß wie damals. „Ihre Ideologie hat sich aber nicht verändert und in einigen Jahren könnten sie wieder eine ernsthafte Gefahr für Europa und die USA sein.“

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