Die meisten Menschen kommen aus Syrien

Migration: So viele Geflüchtete kamen nach Deutschland – und so viele dürfen bleiben

Ein Polizeibeamter stoppt ein Auto bei einer Kontrolle gegen Schleuserkriminalität.
Ein Polizeibeamter stoppt ein Auto bei einer Kontrolle gegen Schleuserkriminalität.

Berlin. Rund 220.000 Menschen haben bis einschließlich August dieses Jahres einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Damit liegt die Zahl der Asylanträge jetzt schon knapp hinter den Zahlen für das gesamte Jahr 2022. Der Abstand zum Rekordjahr 2016 ist aber noch groß: Damals kamen rund 745.000 Neuankömmlinge aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland. In der EU ist Deutschland seit Monaten das Land, in dem mit Abstand die meisten Asylanträge gestellt wurden.

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52 Prozent der Geflüchteten und Migranten dürfen bleiben

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat mehr als drei Viertel dieser Anträge bisher bearbeitet: 52 Prozent der Neuankömmlinge dürfen demnach in Deutschland bleiben. Die meisten Migranten und Geflüchteten kamen aus Syrien (63.000 Menschen), aus Afghanistan (37.000) und aus der Türkei (30.000). Aus anderen Herkunfts­ländern kamen Migranten nur in vierstelliger Höhe.

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Syrer und Afghanen sind diejenigen, die eine gute Chance haben, in Deutschland bleiben zu dürfen. Rund 85 Prozent der Syrer und etwa 77 Prozent der Afghanen werden in Deutschland unter Schutz gestellt. Auffällig ist, dass die meisten Afghanen als Geflüchtete eingestuft werden, während die Mehrzahl der Syrer unter subsidiären Schutz gestellt wird. Bei subsidiärem Schutz dürfen die Migranten vorerst nur ein Jahr bleiben, Geflüchtete haben ein Aufenthaltsrecht von drei Jahren.

55.000 Dublin-III-Fälle in Deutschland – nur 3400 davon erfolgreich

Die übrigen Syrer und Afghanen wies das Bamf bis auf ein paar vereinzelte Ausnahmen nicht aus mangelndem Asylgrund ab: Sie fallen stattdessen unter die Kategorie „Formelle Entscheidungen“. Der Presse­sprecher des Bamf, Jochen Hövekenmeier, erklärt, dass darunter unter anderem die Dublin-III-Fälle fielen. Das Bamf überprüft, ob Menschen zuerst ein anderes EU-Land oder die Schweiz, Norwegen, Island oder Liechtenstein betraten. Für diese Menschen ist Deutschland nicht zuständig. Das Bamf stellte im bisherigen Jahr rund 55.000 Dublin-III-Ersuchen. Aber die zuständigen Länder stimmten nur in 39.000 Fällen zu. Tatsächlich überführt in ein anderes europäisches Land wurden nur etwa 3400 Menschen.

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Das liege auch daran, so Hövekenmeier, dass Italien seit dem Jahresbeginn keine Geflüchteten über Dublin III mehr aufnehme. Zur Wahrheit gehört indes ebenso, dass Deutschland im umgekehrten Fall auch nur 2700 Menschen aufgrund von Dublin III aufgenommen hat – bei knapp 10.000 Übernahme­anträgen anderer europäischer Länder. „Das liegt daran, dass es eine Frist von sechs Monaten von der Feststellung bis zur Überführung gibt. Wenn die Menschen dann untertauchen, wird es schwierig, die Frist einzuhalten“, sagt Hövekenmeier.

Die meisten abgelehnten Migranten noch in Deutschland?

Die Zahl der Migranten und Geflüchteten, die eine Ablehnung ihres Asylantrags bekamen, beläuft sich auf etwa 38.000. „Die meisten von ihnen dürften aber noch in Deutschland sein“, vermutet Hövekenmeier, „weil die wenigsten das Land freiwillig verlassen.“ Zahlen dazu gibt es keine. Die abgelehnten Asyl­antrag­steller kamen zum Beispiel aus der Türkei, dem Iran, dem Irak, Russland und Georgien. Die Bundes­regierung diskutiert aktuell darüber, ob sie Georgien als sicheres Herkunftsland einstufen will. Das Bamf stellte in diesem Jahr nur 0,4 Prozent der georgischen Neuankömmlinge unter Schutz.

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Die Geflüchteten und Migranten in Deutschland sind in der Mehrheit entweder Säuglinge und Kleinkinder bis zu vier Jahren (13 Prozent) oder zwischen 18 und 30 Jahren alt (40 Prozent). Bei diesem Löwenanteil handelt es sich zum großen Teil um Männer. Die meisten Asylanträge werden in Nordrhein-Westfalen gestellt, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg.

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