AKK und die Homosexuellen: Jenseits aller Klischees

  • Mit dem Entschädigungsgesetz für Diskriminierungen bei der Bundeswehr liefert Annegret Kramp-Karrenbauer eine wichtige Antwort.
  • Manche sagen jetzt: alles zu spät und zu wenig.
  • Doch AKK verdient Lob dafür, in Zeiten des Rechtspopulismus Korrekturen zugunsten einer Minderheit durchzusetzen, meint Matthias Koch.
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Der Umgang mit Homosexuellen bei der Bundeswehr – das war jahrzehntelang ein düsteres Kapitel.

Nach der generellen Entkriminalisierung von Homosexualität im Jahr 1969 existierte bei der Bundeswehr noch immer eine juristische Grauzone. Einem Oberleutnant konnte es noch in den Siebziger- und Achtzigerjahren passieren, dass er wegen seiner Homosexualität nicht Hauptmann und Kompaniechef werden konnte: Was, wenn das rauskommt?

Ganze Generationen von Generälen sahen Homosexualität als Sicherheitsrisiko. Truppendienstgerichte fällten Fehlentscheidungen, indem sie einen „dienstlichen Bezug“ herstellten, Vorgesetzte stoppten Karrieren – es regierten Verkniffenheit und Unaufrichtigkeit.

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Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Doch die Politik kann ein Zeichen setzen und den Betroffenen sagen: Wir haben verstanden, dass euch Unrecht geschehen ist. Genau das geschieht jetzt mit den Entschädigungszahlungen, die die Verteidigungsministerin durchs Kabinett gebracht hat.

Alles zu spät und zu wenig? Annegret Kramp-Karrenbauer verdient in Wirklichkeit Lob dafür, in Zeiten des Rechtspopulismus überhaupt solche Korrekturen zugunsten einer Minderheit durchzusetzen. Manche tragen ihr noch immer einen Karnevalsscherz über „Toiletten fürs dritte Geschlecht“ nach. Doch man sollte Politiker an ihren Taten messen, jenseits aller Klischees.

Eine lange Riege von Männern hat sich ums Thema gedrückt

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AKK regelt jetzt eine seit Jahrzehnten ungeregelte Sache. Unter ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen wurde über mögliche Entschädigungen für diskriminierte homosexuelle Soldaten immerhin erstmals in Workshops der Bundeswehr diskutiert.

Davor aber war es 30 Jahre lang trübe: Die Unionisten Thomas de Maizière, Karl-Theodor zu Guttenberg und Franz Josef Jung machten ebenso einen Bogen um das Thema wie die Sozialdemokraten Peter Struck und Rudolf Scharping.

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Als positiv erweist sich nun einmal mehr die Öffnung der Bundeswehr für Frauen, auch und gerade an ihrer Spitze.

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