Nach AKK-Beben: CSU fürchtet CDU-Absturz ins Chaos

  • Sorgenvoll und überrascht reagiert die Schwesterpartei auf die Rückzugsankündigung von AKK.
  • CSU-Chef Markus Söder zollt der scheidenden CDU-Vorsitzenden Respekt.
  • Was die K-Frage angeht, warnen die Christsozialen vor einer monatelangen Hängepartie.
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Berlin. Die CDU müsse jetzt für sich klären, wie es nun weitergehen soll, war noch am Morgen aus München zu hören gewesen, aus dem Franz-Josef-Strauß-Haus. Die CSU-Spitze ist kalt erwischt worden von AKKs Rückzugsankündigung. Ob und wie Parteichef Markus Söder von der CDU-Vorsitzenden vorab über ihre Pläne zum Amtsverzicht informiert worden ist, dazu gibt es an diesem denkwürdigen Montag zunächst nur Mutmaßungen.

Am Samstag am Rande des Koalitionsausschusses habe es keine Anzeichen gegeben, heißt es. Söder hatte auch am Sonntag auf Gesprächspartner nicht den Eindruck gemacht, über eine Entwicklung von dieser Tragweite unterrichtet zu sein. Söder ist am Montag der Erste aus der CSU-Spitze, der sich öffentlich äußert. Er habe „großen Respekt für die Entscheidung“, auch wenn es ihm leidtue, twittert der Parteivorsitzende. „Denn wir arbeiten sehr vertrauensvoll zusammen“, so Söder. Aber es sei jetzt notwendig, die inhaltliche und personelle Aufstellung der CDU grundsätzlich zu klären.

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Es ist erst einige Wochen her, da hatten Söder und AKK bei der CSU-Neujahrsklausur in Seeon einen engen Schulterschluss demonstriert. „Wir beide bilden eine Achse“, lobte Kramp-Karrenbauer ihre Zusammenarbeit mit Söder. Und tatsächlich: Nach der Eskalation im Asylstreit 2018 hatten beide für eine Wiederannäherung zwischen CDU und CSU gesorgt.

„Die Einheit von CDU und CSU“

Von Respekt ist bei den Christsozialen viel die Rede – auch bei Alexander Dobrindt, dem Chef der 46 CSU-Bundestagsabgeordneten. Kramp-Karrenbauer habe „die Partei in einer schwierigen Phase übernommen und die Einheit von CDU und CSU gefestigt“, sagte Dobrindt. „Der Zusammenhalt ist jetzt wichtiger denn je, um die vor uns liegenden Herausforderungen in Regierungsverantwortung und als große Volksparteien erfolgreich zu bestehen.“ Am Montagnachmittag war das CSU-Präsidium zu einer Telefonschalte verabredet, um über die neue Lage zu beraten.

Parteigranden sprechen hinter vorgehaltener Hand von einer toxischen Entwicklung. Die CSU sei zwar nicht in der Rolle, der Schwesterpartei „Ratschläge von der Seitenlinie“ zu geben. Doch sei die Entwicklung innerhalb der CDU kaum mehr zu steuern – insbesondere nicht für AKK. Sie habe sich für ihre Rückzugsankündigung jedenfalls „einen komischen Zeitpunkt“ ausgesucht. Zumal die Krise in Thüringen noch nicht gelöst sei. Auch von einer möglichen Kurzschlussreaktion der CDU-Vorsitzenden ist in der CSU die Rede.

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AKK verzichtet auf Kanzlerkandidatur und will CDU-Vorsitz abgeben
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Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer will nach Angaben aus Parteikreisen nicht Kanzlerkandidatin der Union werden.  © Rasmus Buchsteiner/AFP

„Kanzlerkandidatur bestimmen CDU und CSU gemeinsam“

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Dass AKK zunächst angekündigt hat, den Übergang moderieren zu wollen, wird bei den Christsozialen aufmerksam zur Kenntnis genommen. Doch in der Spitze der CSU fürchtet man, dass die Schwesterpartei ins Chaos stürzen könnte. Vor wenigen Wochen erst hatte Markus Söder eine Kabinettsumbildung gefordert – einen Aufbruch mit Blick auf die nächste Bundestagswahl. Nun könnte es mit Neuaufstellung und Wahlkampfvorbereitung schneller gehen als gedacht.

In der CSU hoffen sie auf „ein geordnetes Verfahren“ und warnen vor einer „monatelangen Hängepartie“. Dass Söder entgegen seiner bisherigen Bekundungen doch noch für eine Kanzlerkandidatur zur Verfügung steht, wird allgemein nicht erwartet. Die Christsozialen pochen allerdings auf ihr Mitspracherecht, was diese Personalie betrifft. „Den CDU-Vorsitz legt die CDU alleine fest“, sagt ein christsozialer Stratege. „Die Kanzlerkandidatur bestimmen CDU und CSU gemeinsam.“


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