Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Flugchaos durch Personalmangel

Scholz fordert bessere Arbeits­bedingungen für Flughafen­personal

In diesem Sommer müssen sich Reisende auf Ausfälle und Wartezeiten einstellen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat angesichts der erheblichen Probleme an deutschen Flughäfen wegen Personalengpässen grundsätzlich bessere Arbeitsbedingungen angemahnt. Es sei einer der Gründe für die Schwierigkeiten, dass „zu viele weggeschickt“ worden seien, sagte Scholz am Mittwoch im Bundestag mit Blick auf Personalabbau in der Branche während der Corona-Krise. Zudem seien Arbeitsbedingungen nicht so attraktiv, dass diejenigen Beschäftigten, die sich etwas Neues gesucht hätten, jetzt zurückkehrten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Zu den Maßnahmen der Bundesregierung gehöre daher nicht nur die Erlaubnis für die Branche, dass Beschäftigte aus dem Ausland geholt und zu Tariflöhnen direkt eingestellt werden könnten. „Sondern es wird auch dazugehören, dass man generell bessere Arbeitsbedingungen in diesem Bereich schafft“, sagte Scholz.

Arbeitsminister Heil: „Jetzt haben wir den Salat“

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil kritisierte, wenn nicht nach Tarif bezahlt werde, müsse man sich nicht wundern, dass für so schwere Arbeit keine Leute mehr gefunden würden. Im Sender RTL/N-TV bemängelte er, dass viele Fluggesellschaften in der Corona-Krise zu viele Mitarbeiter entlassen hätten, auch mit Abfindungen. „Jetzt haben wir den Salat“, sagte der SPD-Politiker.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Fehlendes Personal unter anderem bei der Gepäckabfertigung hatte an Flughäfen zur Sommerreisezeit teils chaotische Zustände mit langen Wartezeiten ausgelöst. In der Corona-Krise hatten Flughäfen, Airlines und Dienstleister Personal abgebaut und Fachkräfte verloren, die sich andere Jobs suchten. Die Bundesregierung hatte als Abhilfe rasche Regelungen zugesagt, damit Betreiber vorübergehend leichter Personal vor allem aus der Türkei anheuern können – mit konkreten Vorgaben, um Sozialdumping zu unterbinden.

Löhne in der Luftsicherheit haben sich verdoppelt

Der Flughafenverband ADV bekräftigte, die Beschäftigten würden nach den jeweiligen tariflichen Bedingungen und teilweise auch darüber hinaus entlohnt. Im Bereich Luftsicherheit hätten sich die Löhne in den vergangenen Jahren verdoppelt und lägen weit über dem gesetzlichen Mindestlohn. Flughäfen und private Arbeitgeber stünden mit Gewerkschaften vor dem Abschluss eines Branchentarifvertrages, „der für alle Lohngruppen eine einheitliche und faire Bezahlung sicherstellt“, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Während der Pandemie habe die überwiegende Zahl der Flughäfen zur Beschäftigungssicherung einen Notlagentarifvertrag abgeschlossen, sagte Beisel. Dadurch seien betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen worden. Alle Flughäfen hätten infolge der Verkehrs- und Umsatzeinbrüche von Kurzarbeit Gebrauch gemacht. Obwohl das Kurzarbeitergeld von den Flughäfen aufgestockt worden sei, hätten sich viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine Beschäftigung außerhalb des Luftverkehrs gesucht. Bedingt durch die hohen Umsatz- und Betriebsverluste erhielten Mitarbeitende an einigen Standorten Angebote zur Frühverrentung und Abfindung auf freiwilliger Basis.

Grünes Licht für 2000 türkische Flughafenmitarbeitende

Die Bundesagentur für Arbeit hat inzwischen grünes Licht für die vorübergehende Anwerbung von 2000 Flughafenmitarbeitenden aus der Türkei gegeben. Die Sonderregelung ist befristet und gilt nur für Arbeitsverträge, die spätestens am 6. November enden, wie die Bundesagentur mitteilte. Die deutschen diplomatischen Vertretungen in der Türkei müssten nun nicht mehr in jedem Einzelfall eine Erlaubnis der Bundesagentur für die Beschäftigung an einem deutschen Flughafen einholen. Zuerst hatte „The Pioneer“ berichtet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Anwerbung türkischen Flughafenpersonals soll die Personalprobleme lindern, die zu zahlreichen Verspätungen und Beschwerden verärgerter Passagierinnen und Passagiere geführt haben. Eingestellt werden dürfen nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die schon in der Türkei an einem Flughafen gearbeitet haben. Der Arbeitgeberverband der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL) hatte die Bundesagentur gebeten, den Einsatz von 2000 türkischen Arbeitskräften in der Flugabfertigung am Boden zu ermöglichen.

RND/dpa

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Spiele entdecken