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Umzug eines Großbetriebs bringt Ahrweiler in neue Not

Bad Neuenahr im Ahrtal wurde von der Flut hart getroffen.

Sie haben das ziemlich schnell in den Griff gekriegt in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zwei, drei Meter hoch stand das Wasser damals im Juli in den Hallen des Autozulieferers ZF direkt an der Ahr. Die Maschinen? Zerstört. Und doch haben sie zwei Wochen später schon wieder Ventile produziert – auch, sagt Unternehmenssprecher Florian Tausch, weil „die Mitarbeiter total engagiert waren beim Aufräumen“. Obwohl die Not auch in deren eigenen Häusern groß war.

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Dann kam die neue Risikokarte des Landes Rheinland-Pfalz. Auf der läuft die Überschwemmungslinie im Ahrtal mitten durch das Werksgelände. Jetzt will ZF umziehen. Und die ohnehin gebeutelte Stadt fühlt sich verraten.

Es sind solche Spätfolgen der Jahrhundertflut, die Kommunen, Menschen in den Hochwassergebieten immer wieder zurückwerfen. Und aufs Neue bedrohen.

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„Umzug würde Existenz unter den Füßen wegreißen“

„Wir können nicht in Ahrweiler bleiben“, sagt Tausch unumwunden. „Es geht um die Mitarbeitersicherheit, es geht um zuverlässige Kundenbelieferung, die Transportwege im Tal, ein ganzes Bündel.“ Das Werk läuft zwar wieder, aber nicht so rund wie früher. Maschinell ist es, trotz Leihgaben von den anderen 53 deutschen Standorten des Unternehmens, längst nicht so aufgestellt, wie es einmal war. Immerhin: Es gibt keine Kurzarbeit – allerdings womöglich auch schon bald gar keinen der 280 Arbeitsplätze mehr.

17.07.2021: Anwohner und Ladeninhaber versuchen, nach der verheerenden Hochwassernacht ihre Häuser vom Schlamm zu befreien und unbrauchbares Mobiliar nach draußen zu bringen.

17.07.2021: Anwohner und Ladeninhaber versuchen, nach der verheerenden Hochwassernacht ihre Häuser vom Schlamm zu befreien und unbrauchbares Mobiliar nach draußen zu bringen.

Für die kleine Stadt ist das eine Schreckensvision. „ZF ist für uns enorm wichtig“, sagt Wirtschaftsförderer Christian Steinbach. „Als einer der wenigen Industriebetriebe hier produziert ZF einen erheblichen Teil der Gewerbesteuer.“ Und außerdem: „Das ist ein Traditionsbetrieb, der zur Stadt gehört, auch aus Sicht der Mitarbeiter. Der Umzug würde ihnen die Existenz unter den Füßen wegreißen.“ So, wie die Flut ihnen schon Hab und Gut entrissen hat.

Tausch hält dagegen: „Wir suchen neue Flächen in der Region, im Umkreis von 50 Kilometern. Wir verlagern nichts ins Ausland und stellen den Betrieb nicht ein!“ Für die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sagt Steinbach, sei eine so lange Pendelfahrt keine Option. Und außerdem: „Irgendwo in der Region nützt uns gar nichts.“ Was die Stadt brauche, sei eine Chance. Sie arbeite an der Ausweisung eines neuen Gewerbegebietes – „mit einer großen, hochwassersicheren Fläche“. Einen bevorzugten Platz hätte natürlich das Unternehmen, das seit den 60er-Jahren Ahrweiler wirtschaftliche Sicherheit beschert.

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Steinbach will einfach ein paar Wochen Zeit. Er fürchtet, dass ZF seine Standortentscheidung in aller Eile fällt. Dabei: „Die Verwurzelung in einer Stadt, Solidarität und Verantwortung, das kann man doch nicht einfach durch ein Hochwasser über Bord werfen!“

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