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Ahmad Mansour: „Islamkonferenz für Debatte über Extremismus nutzen“

  • Die Islamkonferenz muss sich auch mit dem Thema Extremismus beschäftigen, findet der Psychologe und Islamexperte Ahmad Mansour.
  • Damit könne eine innerislamische Debatte ausgelöst werden über Aspekte der Religion, die Extremismus begünstigten.
  • Imame vermehrt in Deutschland auszubilden sei eine gute Idee, das Konzept aber noch mängelbehaftet.
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Berlin. Herr Mansour, Hauptthema der Islamkonferenz war die Ausbildung von Imamen in Deutschland. War das der richtige Schwerpunkt?

Nein. Es war unpassend, nicht die Themen Radikalisierung und Meinungsfreiheit in den Mittelpunkt zu stellen. Nach dem Mord an dem französischen Lehrer und den Attentaten von Nizza, Dresden und Wien hätte das auf der Hand liegen müssen. Die Plattform der Islamkonferenz hätte genutzt werden müssen, um die Debatte von den Mahnwachen und Sonntagsreden in die islamische Gemeinde zu bringen. Das ist unsolidarisch gegenüber Frankreich und Österreich. Und es ist auch kurzsichtig: Denn das Problem trifft uns alle. Aber das liegt auch an der Besetzung der Islamkonferenz. Dort arbeitet man mit denjenigen, die die Debatten über die Problemfelder des Islam bisher verhindern und die Stimmung gegen die Meinungsfreiheit zum Teil befördert haben.

Wenn Sie geladen gewesen wären, welche Antwort auf islamischen Extremismus hätten Sie gegeben?

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Die Antwort ist jedenfalls nicht: Der Extremismus hat mit dem Islam nichts zu tun. Diese Terroristen agieren im Namen der Religion, auch wenn es uns nicht gefällt. Deswegen wäre eine innerislamische Debatte ja so wichtig. Nur von Einzelpersonen zu sprechen, verkennt die Realität. Das gilt für islamistische Extremisten genauso wie für Rechtsextremismus. Es gibt geistige Brandstifter und Strukturen, die den Hass möglich machen. Es muss die Bereitschaft geben, das zu ergründen.

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Seehofer: Islamkonferenz trägt Früchte
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Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die deutschen Islamkonferenzen als Erfolg bezeichnet.  © Reuters

Was meinen Sie?

Die Ursachen liegen auf drei Ebenen. Da sind zunächst die psychologischen Fragen nach der Anfälligkeit von Personen und den Strategien, mit denen sie angesprochen werden. Aus soziologischer Sicht lässt sich feststellen, dass es um Identitätssuche geht und dass die Idee der Zugehörigkeit zu einer Elite und die Abgrenzung von anderen auf Jugendliche attraktiv wirkt. Und dann gibt es die ideologische Ebene: Da findet man immer die gleichen Aspekte – und die sind keine Erfindung der Radikalen. Sie sind auch im Mainstream-Islam vorhanden.

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Nämlich?

Das Problem ist die Ablehnung kritischer Auseinandersetzung – das sieht man in der Reaktion auf die Mohammed-Karikaturen. Es geht um Buchstabenglauben – der Text des Koran wird als Offenbarung verstanden. Dazu kommt die Angstpädagogik – der Glaube, dass Gott die Menschen bestraft, wenn sie ihm nicht folgen. Es geht um die Tabuisierung von Sexualität und das Beharren auf der Opferrolle statt der Übernahme von Eigenverantwortung. Einfache Rhetorik schafft eine Neigung zu Verschwörungstheorien. Der politische Islam, den unter anderem Erdogan (der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, Anmerk. d. Red.) und einige Verbände vertreten, will all das behalten. Sie sprechen vom Schutz der Religion. Aber dadurch schwächen sie die Religion. Kritik und Debatte macht sie stark.

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Wie ließe sich das ändern?

Das lässt sich nicht mit einer Maßnahme innerhalb von ein paar Tagen erledigen. Es ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess um eine Aufklärungskampagne. Zentral ist, dass die Menschen als Individuum angesprochen werden und nicht mehr als Gruppe oder über die Strukturen, die die Muslime eigentlich gar nicht vertreten. Nicht mal 20 Prozent der Muslime sind in den Verbänden organisiert. Statt ihnen das Feld zu überlassen, sollte in Schulen und Integrationskursen die Debatte geführt werden.

Aber manch einer findet es im Internet oder in einer Moschee spannender.

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Wir haben doch was anzubieten: Freiheit, Selbstkritik, kritisches Denken, Selbstentfaltung. Wir verkaufen das nicht gut genug. Es geht nicht um einen Kampf gegen die Muslime, sondern um einen Kampf um die Muslime.

Könnte die Imamausbildung in Deutschland helfen?

Die Idee ist gut, weil damit versucht wird, Imame auszubilden, die in Deutschland sozialisiert wurden und deshalb die Jugendlichen, ihre Anliegen und ihre Sprache gut kennen. Aber bei der Umsetzung hapert es. Um den Widerspruch zwischen islamischen und demokratischen Werten aufzulösen, muss die theologische Grundlage deutlich werden. Sonst bleibt es bei Symbolpolitik.

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