Afghanistan: US-Soldaten verlassen Bagram-Stützpunkt

  • Die US-Soldaten und Koalitionstruppen haben die Luftwaffenbasis Bagram in Afghanistan verlassen.
  • Der Stützpunkt sei an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben worden, bestätigte das afghanische Verteidigungsministerium.
  • Bagram war fast 20 Jahre lang das Hauptquartier des US-Militärs im Land.
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Kabul. Nach fast 20 Jahren haben die US- und andere Nato-Soldaten ihren größten Stützpunkt in Afghanistan verlassen. Alle Koalitionstruppen seien aus der Luftwaffenbasis Bagram heraus, teilte ein hoher Beamter des US-Militärs am Freitag mit. Der Stützpunkt sei an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben worden, bestätigte das afghanische Verteidigungsministerium. Man werde die Basis schützen und sie verwenden, um Terrorismus zu bekämpfen.

Damit dürfte der Anfang Mai begonnene Abzug der internationalen Truppen kurz vor seinem Abschluss stehen. Offiziell hatten die USA angekündigt, bis spätestens 11. September alle Truppen abzuziehen. Spekulationen, dass der Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan bereits in wenigen Tagen komplett abgeschlossen sein könnte, wies US-Präsident Joe Biden am Freitag allerdings zurück.

Er verneinte eine entsprechende Frage einer Reporterin im Weißen Haus ausdrücklich und sagte, man liege beim Abzug im Zeitplan. Es blieben noch „einige Kräfte“ im Land. Es sei „nichts Ungewöhnliches“ am Vorgehen bei dem Abzug.

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Zuvor hatte es Berichte gegeben, nach denen der Rückzug bereits rund um den 4. Juli, den Nationalfeiertag in den USA, abgeschlossen werden könnte. Die Bundeswehr hatte am Dienstag ihre letzten verbliebenen Soldaten aus dem Norden des Landes ausgeflogen.

Bagram ist Hauptquartier von US-Militär

Es gibt keine offiziellen Angaben dazu, wo sich nun noch US- oder andere Nato-Truppen befinden. Internationale Soldaten dürften noch am Flughafen Kabul sein, im Hauptquartier der Nato-Mission „Resolute Support“ im Zentrum der Stadt und wohl auch noch in der daneben liegenden US-Botschaft. Der Beamte des US-Militärs fügte hinzu, dass der Kommandeur der US- und Nato-Truppen in Afghanistan, General Austin Scott Miller, weiter alle Fähigkeiten und Befugnisse besitze, um die Truppe zu schützen.

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Die Schließung von Bagram hat Symbolkraft. Bagram war über die Jahre für viele Afghanen zum Symbol des US-Einsatzes in Afghanistan geworden. Ursprünglich war der Flugplatz in den 1950-er Jahren von der Sowjetunion gebaut worden. Als die USA nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschierten, war die Basis rund eine Autostunde nördlich von Kabul weitgehend zerstört.

Über die Jahre wurde sie massiv ausgebaut und beschäftigte Tausende Afghanen, die täglich teils eine Stunde oder länger in Schlangen in Sicherheitsschleusen verbrachten, um morgens auf die Basis zu kommen.

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Letzte deutsche Soldaten aus Afghanistan abgezogen
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Inmitten einer sich zuspitzenden Sicherheitslage in Afghanistan haben die letzten deutschen Soldaten das Krisenland verlassen.  © dpa

Berühmt-berüchtigt ist ein auf Bagram betriebenes Gefängnis. Immer wieder gab es Vorwürfe von Folter und unrechtmäßigen Inhaftierungen. Immer wieder wurden auch Afghanen, die in Bagram arbeiteten, am Weg zur Basis von militant-islamistischen Taliban getötet.

Taliban bisher mit Hilfe von US-Luftangriffen gestoppt

In der Vergangenheit wurden Taliban-Offensiven vor allem mit Hilfe von US-Luftangriffen und teils auch amerikanischen Spezialkräften gestoppt. Der Abzug bedeutet, dass die Regierungstruppen nun ohne solche Kampfunterstützung auskommen müssen. Die afghanische Luftwaffe kann nur einen Bruchteil dessen leisten, was amerikanische Kampfflugzeuge bisher boten.

Es ist zudem unklar, ob die Maschinen ohne ausländische Vertragskräfte, die sie reparieren und warten, aber jetzt auch abziehen, flugtauglich gehalten werden können. Die Luftwaffe ist ein Schlüssel im Kampf gegen die Taliban.

Das Weiße Haus hat der Regierung in Kabul zugesichert, dass sie weiterhin „nachhaltige“ Sicherheitshilfe leisten wird. Washington blieb bisher allerdings vage, was dies genau bedeutet. Ein hochrangiger US-General hatte zuletzt im Gespräch mit „Voice of America“ ausgeschlossen, dass die USA nach ihrem Abzug afghanische Streitkräfte mit Luftangriffen unterstützen würden.

RND/dpa

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