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  • Afghanistan: Taliban vertreiben Soldaten im Norden des Landes nach Tadschikistan

Taliban treiben Soldaten im Norden Afghanistans aus dem Land

  • Die Taliban haben weitere Bezirke im Norden Afghanistans eingenommen.
  • Laut Provinzrat Rahman leisteten die afghanischen Soldaten kaum Gegenwehr, als die Taliban angriffen.
  • Die militanten Islamisten kontrollieren inzwischen rund ein Drittel aller Bezirke und Kreise von Afghanistan.
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Kabul. Die extremistischen Taliban gewinnen im Norden Afghanistans immer mehr an Boden. Am Wochenende hätten Taliban-Kämpfer mehrere Bezirke in der Provinz Badachschan unter ihre Kontrolle gebracht, sagte Mohib-ul Rahman, ein Abgeordneter im Provinzrat, am Sonntag der Nachrichtenagentur AP.

Sie trieben dabei mehr als 300 Soldaten über die Grenze ins benachbarte Tadschikistan, wie die dortigen Behörden mitteilten. Aus Menschlichkeit und der guten Nachbarschaft willen habe man den Soldaten am Samstagabend den Grenzübertritt gewährt, hieß es in einer Mitteilung.

Seit Mitte April, als US-Präsident Joe Biden den Abzug der US-Soldaten aus Afghanistan ankündigte, haben die Taliban zunehmend Territorium erobert. Vor allem im Norden rückten sie vor, im traditionellen Kernland der mit den USA verbündeten Warlords, die 2001 auch zum Sturz der Taliban-Regierung beigetragen hatten. Die Extremisten kontrollieren nun rund ein Drittel aller 421 Bezirke und Kreise in Afghanistan.

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Provinzrat Rahman: Kaum Gegenwehr von den Soldaten

Provinzrat Rahman sagte, in Badachschan im Nordosten hätten sich die Taliban das Territorium nicht einmal erkämpfen müssen. Unter den schlecht ausgerüsteten Soldaten herrsche kaum Kampfmoral. In den letzten drei Tagen seien zehn Bezirke an die Taliban gefallen, acht davon ohne Gegenwehr, sagte Rahman. Hunderte Soldaten und Polizisten hätten sich ergeben und seien geflohen. Aus der Provinzhauptstadt Faisabad würden mittlerweile auch Politiker und Verwaltungsbeamte nach Kabul fliehen, sagte Rahman.

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Das Innenministerium erklärte am Samstag, die Verluste in Badachschan seien nur vorübergehend. Wie dort die Kontrolle wieder übernommen werden soll, blieb aber unklar. Die afghanische Regierung hatte Ende Juni für ihre Gewalt berüchtigte Milizen zur Unterstützung der Armee rekrutiert. Aber auch sie hätten in Badachschan nur halbherzig gekämpft, sagte Rahman.

RND/AP

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