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Praktisch kampflos eingenommen: Taliban erobern erste Provinzhauptstadt in Afghanistan seit fünf Jahren

Ein afghanischer Polizist steht vor einem ausgebrannten Tanklastzug nach dem von einem deutschen Oberst angeordneten Luftangriff (Symbolbild).

Kabul. Erstmals seit 2016 haben die militant-islamistischen Taliban eine Provinzhauptstadt in Afghanistan erobert. Sarandsch in der Provinz Nimrus im Südwesten des Landes sei an die Islamisten gefallen, bestätigte die Provinz-Vizegouverneurin Ruh Gul Chairsad am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

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Lokalen Behördenvertretern zufolge fiel die kleine, aber wegen ihrer Lage bedeutende Stadt an der iranischen Grenze praktisch kampflos an die Taliban. Bilder in sozialen Medien zeigten Taliban-Kämpfer vor dem Sitz des Provinzgouverneurs und in den Straßen von Sarandsch. Offenbar drangen die Islamisten zudem in das Gefängnis der Stadt vor. Videos zeigten Menschen, die aus diesem flohen.

Afghanistan: Erste Provinzhauptstadt seit fünf Jahren fällt an Taliban

Zuletzt war im Jahr 2016 die Stadt Kundus im Norden des Landes vorübergehend an die Taliban gefallen. Seit dem Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen Anfang Mai haben die Taliban massive Gebietsgewinne im ländlichen Raum verzeichnet. Sie eroberten zudem mehrere Grenzübergänge und belagern mindestens zehn der 34 Provinzhauptstädte.

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Der Fall der Provinzhauptstadt ist auch eine Niederlage für die USA, die ihren Militäreinsatz im Land offiziell erst zum 31. August beenden wollen. Das US-Militär unterstützt die unter Druck stehenden afghanischen Streitkräfte noch mit Luftangriffen. Die Flieger steigen außerhalb Afghanistans auf, da die großen Stützpunkte im Land bereits geräumt sind.

Am Donnerstag war zunächst der Bezirk Kang rund 30 Kilometer von Sarandsch von den Taliban erobert worden. Von dort aus seien die Islamisten in Richtung Provinzhauptstadt vorgerückt, hieß es aus Sicherheitskreisen. Viele Sicherheitskräfte hätten ihre Posten noch vor der Ankunft der Islamisten einfach verlassen. Regierungsangestellte seien in der Nacht zu Freitag mit ihren Familien in den nahen Iran geflohen.

Taliban nehmen immer mehr Gebiete ein

Seit Beginn des Abzugs der US- und Nato-Truppen Anfang Mai haben die Taliban mehr als 160 der rund 400 Bezirke, mehrere Grenzübergänge und Teile wichtiger Überlandstraßen erobert. Zuletzt verlagerten sich die Kämpfe zunehmend in die Städte und die Taliban greifen nun mindestens fünf Provinzhauptstädte an. Im Süden steht Laschkargah kurz vor dem Fall an die Islamisten - dort hält die Regierung nur noch zwei der zehn Polizeibezirke der Stadt. Im Zentrum von Schiberghan in der Nordprovinz Dschausdschan lieferten sich Taliban am Freitag vor dem Gouverneurspalast Kämpfe mit den Sicherheitskräften.

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Diese Woche reklamierten die Taliban zudem erstmals seit rund eineinhalb Jahren einen großen Angriff in der Hauptstadt Kabul für sich. Ziel war ein Haus des amtierenden Verteidigungsministers. Die UN hatten im Mai und Juni Rekordwerte verwundeter und getöteter Zivilisten dokumentiert und gewarnt, dass 2021 zum Jahr mit der höchsten Anzahl ziviler Opfer werden könnte.

Wann fällt Afghanistan ganz an die Taliban?

Der Terrorismus-Experte Peter R. Neumann rechnet damit, dass es im nächsten Jahr zum Sturz der Regierung in Afghanistan kommen werden. Im RND-Interview erklärte er: „Weil alle Soldaten glauben, es kämpft keiner mehr gegen die Taliban, kämpft am Ende tatsächlich keiner mehr“. Die Taliban könnten dadurch vordringen, ohne lange kämpfen zu müssen. „Man gewinnt beinahe den Eindruck, Afghanistan wird den Taliban freiwillig überlassen“, so Neumann.

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RND/dpa

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