Die USA haben in Afghanistan auf ganzer Linie versagt

  • Seit mehr als 18 Jahren führen die USA Krieg in Afghanistan.
  • Nun belegen spektakuläre Dokumente, dass die US-Regierungen seit 2002 die Öffentlichkeit über den Verlauf des Krieges getäuscht haben.
  • Das mag peinlich sein, aber es wird für die Hauptverantwortlichen keine Konsequenzen haben, kommentiert Damir Fras.
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Brüssel. Wenn es einen Satz gibt, der das Versagen der USA im Afghanistan-Konflikt am besten beschreibt, dann ist es dieser: „Wir hatten nicht die leiseste Ahnung davon, worauf wir uns einließen.“ So wird ein pensionierter US-General in Dokumenten zitiert, die jetzt die „Washington Post“ veröffentlicht hat.

Das peinliche Fazit aus den spektakulären Papieren, für deren Herausgabe das Blatt drei Jahre lang vor Gerichten streiten musste: Der Krieg dauert nun schon mehr als 18 Jahre. Zehntausende afghanischer Zivilisten und 2400 US-Soldaten starben. Die Kosten für Amerikas längsten Krieg liegen – konservativ geschätzt – bei mindestens einer Billion US-Dollar.

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Ziele nicht erreicht

Und mit welchem Ergebnis? Die Taliban sind auf dem Vormarsch. Die Korruption im Land grassiert. Sie wurde zum Teil erst durch das Vorgehen der US-Armee geschaffen, wenn auch nicht mit Absicht. Weder sind afghanische Polizei und Armee mittlerweile in der Lage, für Sicherheit im eigenen Land zu sorgen, noch hat der Einsatz der ausländischen Soldaten dem lukrativen Opium-Geschäft in Afghanistan etwas anhaben können.

Was viele Kritiker des Afghanistan-Krieges seit Langem geahnt haben, ist nun schwarz auf weiß dokumentiert. Die US-Präsidenten George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump haben als Oberbefehlshaber offenbar sich selbst, vor allem aber der Öffentlichkeit über fast zwei Jahrzehnte Fortschritte vorgegaukelt, die es nicht gegeben hat.

Informationspolitik wie im Vietnam-Krieg

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Das erinnert an die sogenannten Pentagon-Papiere aus den frühen 1970er-Jahren. Auch im Vietnam-Krieg zog es der Regierungsapparat in Washington vor, rosige Beschönigungen zu veröffentlichen und Misserfolge geheim zu halten. Bis die Wahrheit doch ans Licht kam. Dann war es allerdings schon zu spät.

Erstaunlich, dass gleich drei US-Regierungen aus dem Vietnam-Debakel nichts gelernt haben. Andererseits: Der Hauptverantwortliche für das Desaster muss nicht befürchten, zur Verantwortung gezogen zu werden. George W. Bush ist längst in Pension.

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