Laschet lehnt Zusage für Aufnahme afghanischer Flüchtlinge ab: „Fehler von 2015 nicht wiederholen“

  • Unionskanzlerkandidat Armin Laschet spricht sich gegen eine Zusage Deutschlands aus, afghanische Flüchtlinge nach der Machtübernahme der Taliban aufzunehmen.
  • Der CDU-Chef glaubt, das wäre das falsche Signal.
  • Hilfe müsse vor Ort geleistet werden, die „Fehler von 2015″ dürften nicht wiederholt werden.
Anzeige
Anzeige

Berlin. Der CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet lehnt eine Zusage Deutschlands für die Aufnahme afghanischer Flüchtlinge ab, die nach der Machtübernahme der Taliban erwartet werden. „Ich glaube, dass wir jetzt nicht das Signal aussenden sollten, dass Deutschland alle, die jetzt in Not sind, quasi aufnehmen kann“, sagte der CDU-Vorsitzende am Montag in Berlin nach Beratungen von Präsidium und Bundesvorstand seiner Partei. „Die Konzentration muss darauf gerichtet sein, vor Ort, jetzt diesmal rechtzeitig – anders als 2015 – humanitäre Hilfe zu leisten.“

+++ Verfolgen Sie alle Entwicklungen in Afghanistan hier im Liveblog +++

Laschet betonte mit Blick auf den damaligen Flüchtlingsstrom nach Deutschland: „Wir dürfen die Fehler von 2015 nicht wiederholen.“ Diese hätten begonnen mit dem mangelnden humanitären Schutz in den Flüchtlingscamps des UN-Flüchtlingskommissars. Nötig sei jetzt eine „humanitäre Kraftanstrengung“.

Anzeige

2015 waren Hunderttausende Migranten weitgehend unkontrolliert nach Deutschland eingereist.

Baerbock fordert Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hatte am Wochenende die Aufnahme von Kontingenten afghanischer Flüchtlinge in Europa, den USA und Kanada gefordert – jedoch keine Zahlen genannt.

Anzeige
Video
Maas: Operatives Team der Botschaft bleibt in Kabul
1:53 min
Die Taliban haben Kabul viel schneller erreicht als erwartet. Grund genug, sich schnellstmöglich um die Evakuierung deutscher Staatsbürger zu kümmern.  © Reuters

Laschet nannte die Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan eine „politische und humanitäre Katastrophe“. Mit Blick auf den 20-jährigen westlichen Militäreinsatz in dem Land ergänzte er: „Es ist das größte Debakel, das die Nato seit ihrer Gründung erleidet.“ Man stehe vor einem „Epochenwechsel“.

Anzeige

Der NRW-Ministerpräsident ließ auch Kritik an der Bundesregierung anklingen, indem er deren Evakuierungsaktion für deutsche Staatsangehörige und afghanische Ortskräfte als „längst überfällig“ bezeichnete. Auf die Frage, was dies bedeute, antwortete er: „Längst überfällig heißt längst überfällig.“ Die Evakuierungsmission sei „eher einer der gefährlicheren Einsätze der Bundeswehr“. Laschet forderte daher ein „robustes Mandat“ des Bundestags, also eines, das den Schusswaffengebrauch nicht nur zur Selbstverteidigung erlaubt.

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen