Afghanistan: Wer irgendwie kann, flüchtet aus Kabul

  • Die Taliban rücken immer näher an die afghanische Hauptstadt Kabul.
  • Am Flughafen der Stadt versuchen Verzweifelte, noch irgendwie ein Ticket zu bekommen.
  • Sie müssen ihr altes Leben zurücklassen.
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Kabul. Wer irgendwie kann, flüchtet aus Kabul. Am Flughafen der afghanischen Hauptstadt versuchen Verzweifelte, noch irgendwie ein Ticket für einen Flug zu bekommen – egal wohin, nur raus. Die militant-islamistischen Taliban stehen im Süden bereits vor den Toren Kabuls und rücken auch von Norden her näher – der Flughafen ist der einzige Weg außer Landes.

Bei den afghanischen Fluggesellschaften Ariana und Kam Air gibt es für die nächste Woche keinen freien Sitzplatz mehr. Auch Air India, Emirates und FlyDubai, Pakistan International Airlines und Turkish Airlines fliegen noch. Aber für wie lange?

Die Glücklichen haben ein Ticket

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Die Glücklichen, die ein Ticket haben, schieben Gepäckwagen mit Fernsehern, Teppichen, mit allem, was sie auf die Schnelle tragen konnten. Unter ihnen ist auch Farid Ahmad Junussi. Er habe seine Firma in Kandahar aufgeben müssen, als die Taliban die Stadt eroberten und dort nach ihm suchten, sagt er. „Jetzt haben die Taliban alles, wofür ich die letzten 20 Jahre gearbeitet habe.“

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Taliban nehmen zweitgrößte Stadt Afghanistans ein
1:18 min
Nach Angaben der radikal-islamistischen Gruppierung steht nun auch Kandahar, die zweitgrößte Stadt Afghanistans unter ihrer Kontrolle.  © Reuters

Die eilige Flucht aus Kabul ist eine echte Geduldsprobe. Vorbei an provisorischen Schaltern am Parkplatz müssen die Reisenden erst einmal drei Stunden warten und Kontrollpunkte passieren, bevor sie überhaupt ins Terminal gelangen. Ein Corona-Test ist Pflicht. Je näher die Taliban rücken, umso länger dürften die Schlangen werden, umso verzweifelter die Menschen darin.

Asimi arbeitete für die Nato

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„Ich habe gepackt, was ich konnte, um ein neues Leben zu beginnen, weg von diesem Krieg“, sagt Nawid Asimi, der mit seiner Frau und seinen fünf Kindern einen Flug nach Istanbul ergattert hat. Er hatte im Auftrag der Nato gearbeitet und fürchtete, die Taliban könnten ihn als Vergeltung ermorden.

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Der Internationale Flughafen von Kabul – früher bekannt als Hamid-Karsai-Flughafen nach dem früheren Präsidenten – liegt nordöstlich des Stadtzentrums. Die Landebahn ist auch lang genug für Militärflugzeuge.

Gut für die USA, die ihren Militärstützpunkt Bagram aufgegeben haben und ebenfalls über den Flughafen von Kabul Soldaten ins Land und Botschaftspersonal wieder nach draußen bringen müssen. Am Samstag traf ein weiteres Kontingent einer 3000-köpfigen Truppe ein, die bei der Evakuierung helfen soll.

Reisende aus anderen Teilen des Landes haben es schwer

Wer aus anderen Teilen des Landes zum Flughafen gelangen will, hat es besonders schwer. Einige Reisende schilderten der AP, dass sie von Kundus im Norden über Nebenstraßen nach Kabul gefahren worden seien, vorbei an den Kontrollposten der Taliban, die auf dem Weg liegen. Statt umgerechnet um die 35 Euro habe die Strecke mehr als 300 gekostet. Die Autos seien die ganze Strecke durchgerast, sagte Jussuf Baghban. „Wenn man stehen bleibt, ist man futsch.“

Taufik Beg sagt vor seiner Abreise, die Taliban hätten seinen Onkel vor drei Wochen ermordet, weil er Kommandeur einer Miliz war. Sein Vater habe das Land der Familie für die Hälfte seines Wertes verkauft, um ihm das Flugticket kaufen zu können, sagt Beg. „Vielleicht war das endgültige Abschied.“

RND/AP

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