Elitetruppe KSK soll Bundeswehr­abzug aus Afghanistan sichern

  • Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) sollen den Abzug der Bundeswehr in Afghanistan unterstützen.
  • Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) habe das KSK mit der „Wahrnehmung von Sicherungsaufgaben“ beauftragt, hieß es aus dem Ministerium dazu.
  • Militärstrategen rechnen bis zum Abzug mit zusätzlichen Gefahren.
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Berlin. Die Bundeswehr hat nach fast 20 Jahren in Afghanistan am Freitag offiziell mit dem Abzug begonnen. „Unser Auftrag in Afghanistan ist beendet“, teilte das Verteidigungs­ministerium mit.

Bis spätestens September soll die Nato-Mission „Resolute Support“ das Land verlassen haben. Bis dahin rechnen Militär­strategen mit zusätzlichen Gefahren durch mögliche Angriffe der extremistischen Taliban auch auf Soldaten des Bündnisses. Die US-Armee hält schwere Waffen bereit. Für Deutschland soll das Kommando Spezialkräfte (KSK) den Abzug absichern.

Dazu werden nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur Kommando­soldaten in das Land verlegt. Verteidigungs­ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) habe am Freitag eine entsprechende Vorlage unterschrieben und damit entschieden, das KSK mit der „Wahrnehmung von Sicherungs­aufgaben“ zu beauftragen, hieß es aus dem Ministerium.

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Es ist der erste gewichtige Auslandseinsatz, seit die Ministerin die Einheit als Reaktion auf extremistische Vorfälle und Unregel­mäßigkeiten im Umgang mit Munition in einen Reform­prozess geschickt hat.

Weitere geschützte Fahrzeuge wurden bereits in diesem Monat nach Afghanistan verlegt. Zudem sind niederländische Verstärkungs­kräfte im Camp Marmal im nordafghanischen Masar-i-Scharif eingetroffen. Ein deutscher Mörser­zug ist nach Angaben des Verteidigungs­ministeriums dort einsatz­bereit. „Darüber hinaus werden in Deutsch­land Kräfte und Fähigkeiten zur Verstärkung der Truppen im Camp Marmal bereit­gehalten“, sagte ein Sprecher des Verteidigungs­ministeriums.

Material wird nach Deutschland transportiert

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Am Freitag waren noch 1067 deutsche Soldaten in dem Land, vor allem in Masar-i-Scharif. Die Zahl wird zunächst noch leicht zunehmen, um die Rück­führung des Materials zu organisieren. „Vom Mehrzweck­hubschrauber bis zum Kran­wagen – alles wird jetzt zurück nach Deutschland transportiert“, schrieb das Verteidigungs­ministerium auf Twitter.

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Biden will Truppenabzug aus Afghanistan bis zum 11. September
1:17 min
US-Präsident Joe Biden will bis zum 11. September die amerikanischen Truppen aus Afghanistan abziehen.  © Reuters

In einer Unterrichtung des Bundestags, die als Verschluss­sache eingestuft war, zeichnete das Verteidigungs­ministerium ein eher düsteres Bild der Sicherheits­lage, wenn auch regional unterschiedlich ausgeprägt. „In den meisten urbanen Zentren ist sie ausreichend kontrollierbar. Insgesamt leben hier knapp 60 Prozent der Gesamt­bevölkerung“, stellen die Militärs fest.

„In Nordafghanistan ist die Sicherheitslage in den Provinzen Balkh und Takhar ausreichend sowie in der Provinz Samangan überwiegend kontrollierbar, in weiten Teilen allerdings überwiegend nicht kontrollierbar.“ Die Taliban hätten einen von Präsident Aschraf Ghani gemachten Vorschlag zu einer Waffen­ruhe während des Ramadans abgelehnt und setzten die Angriffe auf die afghanischen Sicherheits­kräfte „mit unveränderter Härte fort“. Das Papier lag der Deutschen Presse-Agentur vor.

Die Bundeswehr wird in den kommenden Wochen mehr als 100 Fahr­zeuge und Hubschrauber sowie tonnenweise weiteres Material – insgesamt 800 Container­ladungen­– nach Deutschland zurück­transportieren. Die Vorbereitungen laufen seit einiger Zeit auf Hoch­touren. Deutschland stellt nach den USA das zweit­größte Kontingent der Nato-Truppe. Das Camp Marmal ist der größte Bundeswehr-Stützpunkt außerhalb Deutschlands.

RND/dpa

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