Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Deutschland weitet Rettungsaktion aus: Neue Kriterien für afghanische Ortskräfte beschlossen

Nach heftiger Kritik hat die Bundesregierung die Aufnahmebedingungen für Ortskräfte aus Afghanistan gelockert.

Berlin. Die Bundesregierung hat noch einmal die Bedingungen für die Aufnahme ihrer früheren afghanischen Ortskräfte gelockert. Ab sofort sollen alle nach Deutschland kommen können, die seit 2013 einmal bei Bundeswehr oder den Bundesministerien unter Vertrag waren. Einen entsprechenden Bericht der „Welt“ bestätigten Entwicklungsministerium und Auswärtiges Amt am Dienstag. Frühere Mitarbeiter dieser beiden Ministerien konnten bisher nur einen Antrag stellen, wenn sie in den zwei Jahren zuvor dort beschäftigt waren. Verteidigungsministeriums und Innenministerium hatten die Frist bereits im Juni auf 2013 ausgeweitet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wie viele Ortskräfte die Lockerung betrifft, blieb unklar. Für das Entwicklungsministerium waren bis zur Machtübernahme der Taliban noch 1.100 Afghanen tätig, für das Auswärtige Amt dagegen zuletzt nur eine „mittlere zweistellige Zahl“.

+++Alle Entwicklungen rund um Afghanistan im Liveticker+++

Müller: „Unsere afghanischen Mitarbeiter brauchen unsere Unterstützung”

Entwicklungsminister Müller erklärte, er habe große Sorge um die afghanischen Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und anderer Nichtregierungsorganisationen. „Unsere afghanischen Mitarbeiter brauchen deshalb unsere Unterstützung, und wir arbeiten auf vielen Ebenen und auch an weiteren Möglichkeiten, das Land verlassen zu können jenseits der Luftevakuierung“, sagte Müller.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das Patenschaftsnetzwerk für afghanische Ortskräfte der Bundeswehr hatte der Bundesregierung am Dienstag „unterlassene Hilfeleistung“ im Umgang mit ehemaligen Mitarbeitern in dem Krisenstaat vorgeworfen. Man sei darüber erbittert in einem Maße, „dass wir es nicht in Worte fassen können“, sagte der Vorsitzende Marcus Grotian. Die Schuld gab er vor allem dem Bundeskanzleramt. Dort hätte man die Möglichkeit gehabt, die unterschiedlichen Interessen der Ministerien zusammenzubringen, sagte er. Auf fünf Briefe des Netzwerks im Juni und Juli habe die Regierungszentrale nicht reagiert.

Vorwurf: Bürokratische Hürden verhindern Rettung

Das Netzwerk wirft der Bundesregierung vor, zu spät mit der Rückführung der Ortskräfte begonnen und sie durch bürokratische Hürden behindert zu haben. Nach seinen Angaben geht es insgesamt um 8.000 Ortskräfte und Familienangehörige. Wie viele davon bereits nach Deutschland zurückgekehrt sind, konnte Grotian nicht sagen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

+++Alle Entwicklungen rund um Afghanistan im Liveticker+++

„Alle anderen Länder evakuieren alle Ortskräfte. Wir evakuieren diejenigen, die man ausgewählt hat. Das finden wir verwerflich“, sagte der Vorsitzende des Netzwerks. Er sei fassungslos, dass die Regierung jede Verantwortung für diese „Katastrophe“ von sich weise. „Wir sind von der eigenen Regierung moralisch verletzt, und das ist beschämend.“

RND/dpa

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.