Bundeswehrveteranen warnen vor Gefahren bei Afghanistan-Abzug

  • In rund zwei Monaten soll der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan abgeschlossen sein.
  • Der Bund Deutscher Einsatzveteranen warnt jetzt vor den Risiken in der Schlussphase.
  • „Da muss man besonders aufpassen, dass nichts schiefgeht“, sagt der Vorsitzende.
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Berlin. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Einsatzveteranen, Bernhard Drescher, hat vor den Gefahren für die deutschen Soldaten während des bevorstehenden Abzugs aus Afghanistan gewarnt.

„Ein Abzug ist immer eine Phase der Schwäche“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit Blick auf mögliche Angriffe oder Anschläge. „Teile des Personals sind schon weg oder mit dem Abbau beschäftigt. Da muss man besonders aufpassen, dass nichts schiefgeht.“

Zuvor hatte das Bundesverteidigungsministerium den Schutz deutscher Soldaten in Afghanistan bereits verstärkt. Der Einsatz „über den 30. April hinaus“ könne „zu einer höheren Gefährdung unserer Soldatinnen und Soldaten führen“, erklärte das Ministerium am Dienstag via Twitter. „Wir nehmen die Drohungen der Taliban ernst und werden unser Kontingent robuster ausstatten.“

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Abzug bis zum 4. Juli

Die USA wollen den Abzug aus Afghanistan bis zum 4. Juli beenden; das ist der amerikanische Nationalfeiertag. Ursprünglich war vom 30. April als Enddatum die Rede, später vom 11. September, dem Jahrestag des islamistischen Anschlags auf das World Trade Center in New York.

Aus Bundeswehrkreisen verlautet, ohne die Unterstützung der amerikanischen Verbündeten könne man ebenfalls nicht über den 4. Juli hinaus bleiben. Der Abzug ist seit Längerem in Vorbereitung und wird fast durchweg auf dem Luftweg stattfinden.

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Unterdessen sollen die Veteranen selbst indirekt in den Abzug einbezogen werden. „Der Ehrenhain aus Masar-i-Scharif wird nach Deutschland gebracht, so wie wir bisher alle Ehrenhaine nach Deutschland gebracht haben“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums dem RND. „Für den Ehrenhain wurde auf dem Gelände des Einsatzführungskommandos im Wald der Erinnerung schon eine Stelle reserviert. Er findet dort seinen würdigen Platz.“

Der Afghanistan-Einsatz sei schließlich „der prägendste Einsatz“, den die Bundeswehr bisher absolviert habe, betonte der Sprecher. In Geltow bei Potsdam befinden sich auch andere Ehrenhaine aus Afghanistan – aus Kabul, Kundus und dem OP Nord – sowie aus weiteren Einsatzorten der Bundeswehr. Sie erinnern an die Gefallenen.

59 deutsche Soldaten ließen in Afghanistan ihr Leben, davon wurden 35 in Gefechten oder bei Anschlägen getötet. Derzeit sind noch rund 1100 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stationiert.

Zehntausende im Einsatz

Veteranenverbandschef Drescher sagte dem RND, es gebe gemeinsam mit dem Reservistenverband Überlegungen, die letzten heimkehrenden Soldaten besonders zu empfangen. Darüber sei aber wegen der Corona-Pandemie noch nicht entschieden worden. Im Verteidigungsministerium wird eine zentrale Veranstaltung im Wald der Erinnerung unter Beteiligung von Veteranen erwogen. Entscheidungen über das Prozedere sind auch hier noch nicht gefallen.

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Der Afghanistan-Einsatz hatte Ende 2001 begonnen. Seither waren mehrere zehntausend deutsche Soldaten dort einmal oder mehrmals stationiert. Viele Veteranen sehen den Abzug mit Skepsis, weil ihrer Ansicht nach politisch zu wenig erreicht wurde und sie ihr Engagement als nutzlos betrachten.

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