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  • Afghanistan: Bundeswehrhelfern wird Einreise durch deutsche Behörden erschwert

Afghanische Helfer: Beschämende Schikane

  • In Afghanistan leben Hunderte bisherige Ortskräfte der Bundeswehr in Angst um ihr Leben.
  • Doch statt beherzt zu helfen, errichten die deutschen Behörden Hindernisse.
  • Sie verfahren nach dem Motto: „Den Letzten beißen die Hunde“, kommentiert Markus Decker.
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Im brandenburgischen Eberswalde gibt es einen Mann, der Marcus Grotian heißt und einen Orden verdient hat. Der Soldat betreibt mit anderen ein „Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte“ und legt dabei jene Mitmenschlichkeit an den Tag, die der Berliner Beamtenapparat vermissen lässt, indem er ehemaligen Helfern der Bundeswehr am Hindukusch seinerseits zu helfen versucht. Grotian durchbricht das Leitmotiv „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“ – und setzt sich für Menschen ein, die über 5000 Kilometer entfernt in Angst leben müssen. Hut ab!

Fast 20 Jahre lang waren Bundeswehrsoldaten am Hindukusch im Einsatz. Stets waren sie, allein wegen mangelnder Sprachkenntnisse, auf Unterstützung der Einheimischen angewiesen. Diese taten zu Hunderten ihren Dienst – viele gewiss aus finanziellen Gründen, aber manche sicher auch aus Überzeugung und alle nicht ohne Risiko. Nun, da die deutschen Streitkräfte abgezogen sind, gilt das bittere Motto: „Den Letzten beißen die Hunde.“

Vordergründig ist auch die Bundesregierung helfend zur Stelle. Doch tatsächlich müssen Ortskräfte, die zu uns wollen, schikanöse Hindernisse überwinden. Sie müssen sich unter Gefahren Papiere besorgen, das Geld für Flugtickets aufbringen und sich schließlich aufmachen in ein Land, das sie womöglich nach drei Jahren wieder zurückschickt. Naheliegend wäre gewesen, alle Betroffenen, die wollen, mit den letzten Bundeswehrsoldaten außer Landes zu schaffen. Doch das Naheliegende geschah nicht.

Menschen, die so eingekeilt sind zwischen den heranrückenden Taliban einerseits und einer kalten deutschen Bürokratie andererseits, müssen auf andere Menschen hoffen – auf einen wie Marcus Grotian. Dass es solcher Menschen bedarf, ist beschämend.

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