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Britischer Ex-Soldat und Tiere aus Kabul gerettet – doch seine Mitarbeiter bleiben zurück

  • Der britische Ex-Soldat und Tierheimgründer Paul Farthing hatte tagelang darum gekämpft, dass seine Mitarbeiter und Tiere aus Kabul gerettet werden.
  • Nun sind er sowie 173 Hunde und Katzen in Sicherheit.
  • Doch seine Mitarbeiter hatten weniger Glück.
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Berlin/Kabul. Tagelang hatte der Tierheimgründer Paul Farthing darum gekämpft, mitsamt seiner 173 Katzen und Hunden sowie seinen Mitarbeitern aus Kabul ausreisen zu können. Durch die Machtübernahme der Taliban waren er und seine Tierschutzorganisation Nowzad Dogs massiv gefährdet. Nun hat es der britische Ex-Soldat geschafft: Er und seine Tiere sind in Sicherheit. Am Freitagabend konnte er letztlich auf den Flughafen Kabul gelangen und sollte später nach Taschkent in Usbekistan ausgeflogen werden. Inzwischen sind er und seine Tiere in Großbritannien angekommen. Sie landeten am Morgen auf dem Londoner Flughafen Heathrow, wie die Organisation Nowzad Dogs der “BBC” laut dpa bestätigte.

Mit einem großen Wermutstropfen allerdings, denn Farthings Mitarbeiter hatten offenbar weniger Glück. Wie die britische „Sun“ berichtet, konnten sie nicht mitfliegen. Farthing selbst sagte der Zeitung: „Es ist so deprimierend, dass ich sie zurücklassen musste.“ Einige hätten ihn zum Flughafen begleitet, doch die Taliban hätten sie nicht passieren lassen. Beim Abschied seien viele Tränen geflossen, sagte er weiter.

Emotionale Debatte

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Das Schicksal von Farthing, seinen Tieren und Mitstreitern hatte in den vergangenen Tagen viele Menschen bewegt. Über die sozialen Medien war der britische Ex-Soldat an die Öffentlichkeit gegangen, um um Aufmerksamkeit für sein Anliegen zu werben. Er hatte sich direkt an die britische Regierung gewandt, woraufhin eine breite und emotionale Debatte entstanden war.

Verteidigungsminister Ben Wallace hatte die Bitte Farthings zunächst zurückgewiesen. Er argumentierte, dass durch die Taliban gefährdete Menschen Vorrang vor Tieren haben müssen.

Nachdem der öffentliche Druck jedoch immer größer geworden war, lenkte Wallace schließlich ein und stellte Farthing und seinen Tieren in Aussicht, in einem privaten Charterflugzeug ausreisen zu können. „Wenn er mit seinen Tieren kommt, werden wir einen Slot für sein Flugzeug finden”, schrieb der Politiker auf Twitter. Er hatte zudem darauf verwiesen, dass Farthing und seine Mitarbeiter allein – ohne Tiere – auch Plätze auf einem Flug der britischen Luftwaffe bekommen könnten.

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Taliban am Kabuler Flughafen: Stehen bereit um Gelände von den USA zu übernehmen
2:07 min
Die Talibankämpfer haben ihre Präsenz um den Kabuler Flughafen erhöht. Im Prinzip stehen die radikalen Islamisten bereit, das Gelände von den USA zu übernehmen  © Reuters
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Farthing erlebte Tortur

Auf den Flughafen Kabul zu gelangen hatte sich jedoch als Tortur erwiesen. Zwar schafften Farthing, seine Mitarbeiter und seine Schützlinge es am Donnerstag zum Airport. US-Soldaten ließen sie wegen fehlender Dokumente aber nicht passieren. Die Aktion musste wegen des Anschlags mit Dutzenden Toten schließlich abgebrochen werden. Farthing selbst hatte der BBC geschildert, dass Talibankämpfer in der Nähe des Flughafens direkt neben dem Bus, mit dem er und seine Mitarbeiter angereist waren, etliche Schüsse in die Luft abgegeben hätten. Einer habe ein ganzes Magazin leer gefeuert, sagte er. Weil sie zudem Tränengas abbekommen hätten, hätten sie auf ihrer Flucht im Bus nichts sehen können.

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Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace hatte erhebliche Kritik einstecken müssen. In einem Interview mit dem Sender Times Radio sagte er am Freitag, er habe zu viel Zeit mit der Diskussion über die Evakuierung von Haustieren aus Afghanistan verbracht. Auf Twitter warf er zudem Nowzad-Unterstützern vor, seine Mitarbeiter unter Druck gesetzt zu haben.

Brisante Audionachricht

Die “Times” veröffentlichte überdies am Sonntag eine Audio-Nachricht, in der Farthing angeblich einem Berater im Verteidigungsministerium damit droht, ihn in sozialen Medien zu “zerstören”, sollte er ihn nicht bei seinem Vorhaben unterstützen.

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Großbritannien beendete indes am späten Samstagabend die Rettungsflüge. Sämtliche britischen Soldaten hätten Afghanistan verlassen, hieß es. 15.000 Menschen wurden laut Regierungsangaben evakuiert. Angesichts von bis zu 1000 Ortskräften, die wegen der knappen Zeit zurückgelassen werden mussten, empörten sich viele Briten jedoch über die Evakuierung von Haustieren.

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov vom Freitag zufolge ist allerdings nur knapp die Hälfte der Briten (49 Prozent) der Meinung, dass Menschenleben mehr zählen als das von Tieren. Fast genauso viele (40 Prozent) halten die Leben von Menschen und Tieren für gleich wertvoll.

RND/cz/dpa

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