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AfD wählt Tino Chrupalla als Gauland-Nachfolger

  • Die AfD hat nach Jörg Meuthen Tino Chrupalla als den anderen ihrer beiden Bundesvorsitzenden ins Amt gewählt.
  • Er setzte sich am Samstag beim Bundesparteitag in Braunschweig gegen Gottfried Curio durch.
  • Chrupalla war der Wunschkandidat von Partei-Senior Alexander Gauland.
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Braunschweig. Die AfD wird auch in den kommenden zwei Jahren von Jörg Meuthen geführt. Die 600 Delegierten auf dem Braunschweiger Parteitag wählten Meuthen mit fast 70 Prozent wieder. Mit ihm an der Spitze steht Tino Chrupalla, Malermeister aus der Lausitz, der mit 55 Prozent gewählt wurde. Gegenkandidat und Bundestagsabgeordneter Gottfried Curio unterlag ihm in einer Stichwahl nur knapp. Chrupalla will sich keiner der Strömungen zuordnen lassen, er unterhält gute Kontakte zum sogenannten Flügel um den Thüringer Landeschef Björn Höcke ebenso wie zum gemäßigteren Teil der Partei.

Chrupalla war Wunschnachfolger von Alexander Gauland, der sich mit stehenden Ovationen von 600 Delegierten nach einer kämpferischen Abschiedsrede feiern ließ. „Mich treibt die Sorge um, dass wir den Mantel der Geschichte verfehlen“, warnte er. Die Chance der AfD „käme nicht zurück, wenn sie vertan ist“.

Gegen Meuthen trat "Deutsche, Mutter und Karatekämpferin" an

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Die Zukunft der Partei liege nicht in einem „sozialrevolutionären Weg“, denn „wir Deutschen sind schlecht in Revolutionen“. Sie liege auch nicht in einer Anpassung an eine „verrottete CDU“. Er hoffe darauf, dass die CDU-Basis die Union mittelfristig zu einer Zusammenarbeit mit der AfD drängen werde. „Der Brief der 17 Lokalpolitiker in Thüringen war nur der Anfang.“ Diese hatten für Koalitionsverhandlungen mit der AfD plädiert. „Es wird der Tag kommen, an dem die CDU nur noch eine Option hat: uns“, sagte Gauland.

Gegen Meuthen trat die Bundestagabgeordnete Nicole Höchst aus Rheinland-Pfalz an, die sich als "Deutsche, Mutter von vier Kindern, Bundestagsabgeordnete und Karatekämpferin" vorstellte. "Wir können den Heimat-Hatern und Deutschlandvernichtern Wählern abzugewinnen, indem wir dieses Land nach unseren Vorstellungen weiterentwickeln", sagte sie.

Weidel hatte für Chrupalla geworben

Meuthen wies auf dem Parteitag Vorwürfe wegen seiner Spendenaffäre zurück. "Ich habe nichts Unrechtes getan, ich haben nichts Unanständiges getan, ich habe nichts Illegales getan" sagte er. Seinem innerparteilichen Konkurrenten Stefan Räpple, der ihm die Spendenaffäre vorgeworfen hat, rief er zu: "Sie sollte sich schämen!" Meuthen bekam langen Applaus. Zustimmung gab es auch für seine Ansage: "Ich gebe mein Gesicht nicht für eine Partei her, die in die Tolerierung extremistischer Positionen abrutscht." Am Ende seiner Bewerbungsrede gab es stehende Ovationen von den meisten Delegierten. Auch der antisemitische Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon aus Baden-Württemberg trat gegen Meuthen an. Bei seiner Vorstellungsrede verlassen etliche Delegierte den Saal, drehen sich um und zeigen die rote Karte.

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Die Bundestags-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel hatte für Chrupalla geworben. Sie sagte, die Delegierten sollten aus Respekt von dem Wunsch Gaulands dem Vorschlag des Alt-Vorsitzenden folgen.

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Björn Höcke, Landeschef in Thüringen und Wortführer des radikalen "Flügels", gab für seine Parteiströmung bekannt: "Wir sagen Ja zu Tino Chrupalla". Als Sachse komme er aus dem bisher erfolgreichsten Landesverband. Zudem sollte einer der Vorsitzenden aus dem Westen und einer aus dem Osten kommen. Höcke forderte zudem vier von 13 Vertretern im Bundesvorstand für Vertreter des "Flügels". Andreas Kalbitz aus Brandenburg, der zweite "Flügel"-Chef, reagierte mit Unverständnis auf diese öffentliche Ansage Höckes - dieser hätte keine Zahl von gewünschten Kandidaten nennen sollen.

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