• Startseite
  • Politik
  • AfD-Parteitag in Dresden: Basis soll Spitzenkandidaten für Bundestagswahl 2021 aussuchen - keine Kür in Dresden

AfD-Parteitag: Basis soll Spitzenkandidaten aussuchen - keine Kür in Dresden

  • Die AfD verzichtet auf die Kür von Spitzenkandidaten in Dresden und will die Basis befragen.
  • Für Parteichef Tino Chrupalla ist das eine Enttäuschung. Fraktionschefin Alice Weidel will nicht ins Spitzenteam.
  • Nun geht es auf dem Präsenzparteitag mit 600 Delegierten in Dresden um das Programm für den Bundestagswahlkampf.
Anzeige
Anzeige

Dresden. Die AfD will ihre Spitzenkandidaten nicht auf dem Bundesparteitag in Dresden küren, sondern die Basis befragen. Die Delegierten entschieden mit äußerst knapper Mehrheit von 51 zu 49 Prozent, Anträge zur Wahl von Spitzenkandidaten nicht auf die Tagesordnung zu nehmen. Eine Mitgliederbefragung hatte zuvor eine Mehrheit von 87 Prozent der Teilnehmer für einen Basisentscheid über die Kandidaten ergeben.

Für den Wahlkampf könnte die Verschiebung ein Nachteil werden. Zudem ist das Votum eine Enttäuschung für Parteichef Tino Chrupalla. Der Sachse hätte favorisiert, in der Heimat zum Spitzenkandidaten gekürt zu werden.

Ungeachtet der dritten Corona-Welle haben sich am Samstag 600 Delegierte der AfD zu einem Bundesparteitag in Dresden versammelt. Dabei soll ein Programm für die Bundestagswahl am 26. September beschlossen werden. Ein „Krawall-Parteitag“ wie im November in Kalkar wird nicht daraus: Ein Abwahlantrag gegen Parteichef Jörg Meuthen wurde nach kurzer Debatte mit großer Mehrheit gestoppt.

Anzeige
Video
Die AfD tagt in Dresden: Ein Parteitag mit besonders viel Brisanz
2:06 min
Die rechtspopulistische Partei erwartet auf ihrem Bundesparteitag rund 600 Gäste. Draußen blockierte ein linkes Bündnis die Zufahrtswege.  © Reuters

Man werde sich auf die Auseinandersetzung mit politischen Gegner fokussieren. „Das ist kein Parteitag, bei dem innerparteiliche Strömungskämpfe spielen werden. So ist es vorgesehen und – ich glaube auch – so kommt es“, prophezeite der Parteichef.

Cotar und Chrupalla könnten Spitzenduo werden

Auf die hessische Bundestagsabgeordnete Joana Cotar angesprochen, die Interesse an einer Spitzenkandidatur bekundet hatte, sagte Meuthen: „Meine Unterstützung hat sie, uneingeschränkt.“ Meuthen sagte, wenn man auf der einen Seite einen Vertreter des „sozialpatriotischen Flügels“ habe und auf der anderen einen des „freiheitlichen Flügels“, wäre das ein Signal der Einigkeit, das der AfD „gut anstünde“.

Anzeige

Wie viele Kandidaten sich dem Mitgliedervotum stellen werden, ist noch unklar.

Bundestags-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel verabschiedete sich erst einmal aus dem Rennen um die die Spitzenkandidatur.

Anzeige

Am Freitagabend hatte die Partei ihre Wahlkampagne für die Bundestagswahl vorgestellt. „Deutschland. Aber normal“, ist der zentrale Slogan. Was die AfD für „normal“ hält, wollten Parteivertreter auf einer Pressekonferenz nicht eindeutig beantworten. Die Kampagne wirkt zahmer als in vergangenen Wahlkämpfen, bietet aber auch für radikale Kräfte Anknüpfungspunkte im Wahlkampf.

Gegenproteste zu Beginn des Parteitags

Jörg Meuthen, der seit 2015 als einer von zwei Vorsitzenden an der Spitze der Partei steht, war zuletzt unter Druck geraten. Er hat seit dem vergangenen Jahr mehrfach die Anhänger der Rechtsextremen um den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke gegen sich aufgebracht – unter anderem durch den Rauswurf des früheren Brandenburger Landesvorsitzenden Andreas Kalbitz. Vor dem Messegelände demonstrierten Dutzende Menschen lautstark gegen die Politik der AfD. Etwa 100 Teilnehmer eines Fahrradkorsos hatten eine Zufahrtsstraße blockiert. Deshalb kam es zu Verzögerungen bei der Anreise, der Parteitag begann mit Verspätung. Nach Angaben der Polizei blieben die Proteste friedlich.

Anzeige
Proteste gegen den AfD-Parteitag in Dresden. © Quelle: Getty Images

Auch die Delegierten im Saal müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Wer von dieser Verpflichtung durch ein ärztliches Attest befreit ist, erhält ein rotes Schlüsselband. Essen darf nur verpackt angeboten werden. Die Zahl der Journalisten und Gäste ist aus Infektionsschutzgründen begrenzt. Zu den Corona-Skeptikern in der AfD gehört der bayerische Bundestagsabgeordnete Hansjörg Müller. Am Vorabend des Parteitages schrieb er in einer Pressemitteilung: „Ja, es gibt das Corona-Virus, aber unser Immunsystem ist darauf gepolt, dass es damit zurechtkommt.“

RND/dpa/jps

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen