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  • AfD-Kommentar: Jörg Meuthen kritisiert Rechtsextreme in der eigenen Partei

Brandrede auf AfD-Parteitag: Meuthens letzte Chance

  • Lange kumpelte AfD-Parteichef Jörg Meuthen selbst mit den Rechtsextremen in seiner Partei.
  • Der neue Meuthen aber will die AfD für rechtsbürgerliche Schichten wählbar halten. Er kapert den Sozialparteitag für eine Wutrede gegen den Bewegungsflügel der AfD.
  • Das kann sein Ende einläuten, kommentiert RND-Reporter Jan Sternberg.
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Kalkar. Die AfD ist eine Partei mit zwei Gesichtern, das eine verzerrt durch rechtsextremen Hass, das andere angespannt voll bürgerlicher Angst vor dem Niedergang. Dass sie für Radikale ebenso wie für Verängstigte wählbar war, hat sie in alle Landtage und den Bundestag gebracht. Doch das Erfolgsmodell ist an sein Ende gekommen.

Die aktuelle Forsa-Umfrage zur Bundestagswahl zeigt mit nur noch 7 Prozent einen neuen Tiefstwert. Die Einstufung als rechtsextremer Verdachtsfall durch den Verfassungsschutz steht nach der Jahreswende unmittelbar bevor.

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AfD-Parteitag: Ordnungsamt kontrolliert Einhaltung von Hygienekonzept
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Die AfD will erstmalig ein Rentenkonzept beschließen. Zudem wählt die Partei einen neuen Vizevorsitzenden.  © Reuters
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Parteichef Jörg Meuthen hat den Sozialparteitag für eine Brandrede gekapert, für die Ansprache eines Schuldirektors an seine unbotmäßige Schülerschaft. Die Partei müsse jene ausgrenzen, die „rumkrakeelen und rumprollen“, die sich „in der Rolle des Provokateurs gefallen wie pubertierende Schuljungen“. Mit Bismarck-Verehrung und provokanten Begriffen wie „Corona-Diktatur“ komme die AfD nicht weiter. Das war eine frontale Attacke gegen Parteisenior Alexander Gauland – ohne ihn namentlich zu nennen.

Gauland und Meuthen haben sich unwiderruflich entfremdet. Gauland hat fest im Lager derjenigen angedockt, die in der AfD eine rechtsextreme Bewegungspartei sehen, Meuthen versucht alles, um die Beobachtung durch den Verfassungsschutz noch zu vermeiden.

Für Meuthen ist das ein Endspiel und seine letzte Chance. Lange kumpelte er mit den Rechtsextremen, seit knapp einem Jahr bekämpft er sie, mit wechselndem Erfolg. Er legte den Flügel-Leuten um Björn Höcke nahe, die Partei zu verlassen, stand als Spalter da und zog zurück. Bei der formellen Auflösung des Flügels und dem Rauswurf des Rechtsextremen Andreas Kalbitz setzte er sich knapp durch.

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Ebenso knapp siegten die von ihm unterstützten Kandidaten bei der Nachwahl zweiter Bundesvorstandsplätze. Im höchsten Parteigremium hat Meuthen seine Mehrheit ausgebaut. Seine Gegner wird das nur noch mehr anstacheln.

Am Samstag war der Applaus mäßig, Buhrufe mischten sich darunter. Meuthen will, wieder einmal, den Showdown. Er kann damit schnell allein dastehen.

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