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  • AfD in der Feuerwehr: Wie rechts sind die deutschen Feuerwehren?

Unterwandert die AfD die Feuerwehren? “Das ist ihr erklärtes Ziel”

  • Seit der frühere Vorsitzende des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), Hartmut Ziebs, zurücktrat – unter anderem nach seiner klaren Haltung gegen die AfD –, gilt der Verband als zerstritten.
  • Am 24. Oktober treten drei Kandidaten zur Wahl für das Amt des Präsidenten der Organisation an, darunter Frank Kliem (55) aus Zehdenick.
  • Im Interview spricht er über Ziebs’ Warnung vor der AfD und darüber, was er besser machen will als seine Vorgänger und wie er die Wogen glätten will.
Marcus Pfeiffer
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Berlin. Herr Kliem, im Oktober könnten Sie der erste Feuerwehrpräsident aus Ostdeutschland werden. Was wollen Sie anders machen als Ihre Vorgänger?

Dass ich einen Teil meiner Dienstzeit in der Feuerwehr – zehn Jahre – im Osten Deutschlands tätig war, sollte man nicht überbewerten. Als Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes möchte ich gern eigene Akzente setzen. Die ehemaligen Präsidenten Hinrich Struwe und Hans Peter Kröger waren mir schon immer gute Vorbilder. Ich schätze insbesondere ihre ruhige und überlegte Art, die auch meine ist. Zunächst sehe ich es als große Aufgabe an, dass alle Mitgliedsverbände und das Präsidium wieder einen gemeinsamen und zukunftsfähigen Weg finden und gehen. Ich will, dass das Ehrenamt stärker gefördert und interessant gestaltet wird, wir mehr Menschen für uns dauerhaft gewinnen und uns der Digitalisierung widmen. Wir brauchen aber auch mehr Frauen an der Spitze der Feuerwehren und ihrer Verbände. Da haben wir Verbesserungspotenzial.

Alle bisherigen Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes kamen seit der deutschen Wiedervereinigung aus Westdeutschland. Warum war das Ihrer Meinung nach so?

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Damit habe ich kein Problem, denn egal, wer bisher nach 1990 DFV-Präsident war, er hat uns jederzeit gut vertreten. Die positive Entwicklung der ostdeutschen Landesfeuerwehrverbände wäre nicht so gut verlaufen, wenn es nicht die organisatorischen, persönlichen und auch praktischen Unterstützungen der anderen Landesfeuerwehrverbände und des Deutschen Feuerwehrverbandes nach der Wiedervereinigung gegeben hätte. Zudem hatten und haben wir auch in den Reihen der Vizepräsidenten Kameraden aus den neuen Bundesländern.

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Seit 41 Jahren sind Sie in der freiwilligen Feuerwehr aktiv. Wie sind Sie eigentlich zur Feuerwehr gekommen?

Mein Vater ist bereits seit 1957 bei der freiwilligen Feuerwehr, und unsere Wohnung lag direkt gegenüber dem Feuerwehrgerätehaus in Zehdenick. Da lag es nahe, mit der Feuerwehr aufzuwachsen. 1972 begann ich als “Junger Brandschutzhelfer”, darauf bin ich noch heute stolz.

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Warum sind Sie der Richtige für das Amt als Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes?

Fast 41 Dienstjahre, davon 30 Jahre in Führungsfunktionen, sind sicher eine fachliche Grundlage. Ich habe in der gesamten Zeit nie den Kontakt zur Basis verloren. Ich kann zuhören und suche den konstruktiven Austausch. Es gibt nichts im Verbandsleben, was nicht gemeinsam zu beschließen und zu bewältigen ist. Mein Motto lautet daher: Klar in der Sache und kameradschaftlich im Ton, das ist meine Grundeinstellung und hat mich stets im besten Sinne begleitet. Die Probleme im Präsidium des DFV, die Ende 2019 offen bekannt wurden, aber schon viel länger bestanden, habe ich aus der Distanz als Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg wahrgenommen. Da ich weder Präsidiums- noch Präsidialratsmitglied des DFV bin, will ich diesen Abstand nutzen, um unbelastet und unvoreingenommen einen Neuanfang zu gestalten.

Der vorherige Präsident Hartmut Ziebs trat vergangenes Jahr zurück. Er hatte sich offen gegen die AfD positioniert. Ist er Opfer seiner klaren Position geworden?

Ganz klar: Nein. Diese Grundeinstellung teile ich auch absolut. Die Gründe für den Rücktritt des Kameraden Ziebs haben damit in keiner Weise zu tun.

Der Deutsche Feuerwehrverband gilt seitdem als zerstritten. Wie wollen Sie die Wogen wieder glätten?

In erster Linie auf eine ruhige, unaufgeregte und konstruktive Art. Natürlich aber vor allem mit einer ergebnisorientierten und konstruktiven Kommunikation im Verband. Ich werde mich den Aufgaben, Problemen und Personen stellen und mit allen Beteiligten Lösungswege gemeinsam erarbeiten. Der Arbeitskreis “Zukunft DFV”, in dem ich im Übrigen aktiv mitarbeite, hat Ideen und Vorschläge erarbeitet, die dabei eine gute Grundlage bilden werden.

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Hartmut Ziebs hatte klar davor gewarnt, dass die AfD die Feuerwehren unterwandern könnte. Hat er mit seiner Warnung recht?

Ja, das ist erklärtes Ziel der AfD. Übrigens nicht nur bei den Feuerwehren. Die Warnung richtete sich nicht gegen die Feuerwehrmitglieder in Person, sondern ganz klar in Richtung unserer Mitgliedsverbände, die das Thema mit besonderer Aufmerksamkeit betrachten müssen. Es geht nicht um pauschale Dinge, sondern im Einzelfall um eine genaue und differenzierte Betrachtung.

Wie verbreitet ist rechtes Gedankengut in den deutschen Feuerwehren?

Rechtes Gedankengut gehört auf keinen Fall zu unseren demokratischen Grundwerten, die in unseren Feuerwehren in ganz Deutschland fest verwurzelt sind. Die Frage ist insofern nicht richtig gestellt. Wir leben humanistische Werte, die sich im rechten Spektrum nicht finden lassen. Schon in den Jugendfeuerwehren vermitteln wir unsere Ideale einer bunten und vielfältigen Welt und zeigen im Deutschen Feuerwehrverband, der Deutschen Jugendfeuerwehr und in den Landesfeuerwehrverbänden ganz deutlich unsere Einstellung.

Die Wahl des neuen Feuerwehrpräsidenten wird von der Corona-Krise überschattet – sie ist vom Juni in den Oktober verlegt worden. Inwiefern beeinträchtigt die Pandemie allgemein die Arbeit der Feuerwehren?

Die Pandemie war und ist für unsere Feuerwehren eine sehr große Herausforderung. Oberstes Ziel bleibt weiterhin die Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft und Ausfälle durch Covid-19-Erkrankungen sowie eine Quarantäne von ganzen Feuerwehreinheiten zu vermeiden. Damit verbunden ergaben sich Einschränkungen, insbesondere in der Ausbildung. Dort mussten Abstriche gemacht werden. Kreativ, wie wir Feuerwehrleute aber nun einmal sind, wurden Alternativen schnell gefunden – unter anderem durch E-Learning konnten an vielen Stellen Angebote geschaffen werden. Für Besprechungen und Sitzungen auf den verschiedenen Ebenen der Feuerwehrarbeit sind zum Beispiel Videokonferenzen inzwischen Normalität.

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