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“Hau ab” – Demonstranten vertreiben AfD-Gründer Lucke aus Hamburger Uni

  • Seine Rückkehr an die Uni Hamburg hat sich AfD-Gründer Bernd Lucke bestimmt anders vorgestellt.
  • Statt über Makroökonomik zu sprechen, muss er nach Protesten und Beschimpfungen die Uni verlassen.
  • Schließlich greifen sogar Polizeibeamte ein.
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Hamburg. Mehrere hundert Demonstranten haben an der Universität Hamburg die erste Vorlesung von AfD-Mitbegründer Bernd Lucke seit dessen Rückkehr an die Hochschule verhindert. Immer wieder riefen Aktivisten am Mittwoch in einem Hörsaal des Uni-Hauptgebäudes "Hau ab", einige bewarfen den Wirtschaftswissenschaftler mit Papierkugeln. Ein junger Mann rempelte ihn an, eine Frau versuchte mehrmals seinen Laptop zuzuklappen. Lucke konnte daher nicht wie geplant über das Thema Makroökonomik sprechen.

Nach fast zwei Stunden verließ Lucke die Universität, ohne dass er sich Gehör verschaffen konnte. Er wurde von Polizeibeamten an einem Seiteneingang abgeholt und zur Straße gebracht.

Lucke wird von Polizisten geschützt. © Quelle: Markus Scholz/dpa
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Die Studierendenvertretung Asta hatte vor der geplanten Vorlesung zu einer Kundgebung vor dem Hauptgebäude der Uni aufgerufen, um unter anderem auf die Tragweite der politischen Handlungen Luckes hinzuweisen.

Euro-Kritiker Lucke maßgeblich an der Gründung der AfD beteiligt

Der Volkswirtschaftler und Euro-Kritiker Lucke war 2013 maßgeblich an der Gründung der AfD beteiligt und einer ihrer ersten Bundessprecher. 2014 hatte er sich von der Uni Hamburg beurlauben lassen, um als Berufspolitiker für die AfD ins Europaparlament zu wechseln. Nachdem er 2015 im Streit um eine stärker nationalkonservative Ausrichtung der Partei von Frauke Petry als Bundessprecher abgelöst worden war, verließ er die Partei und prangerte in der Folge fremdenfeindliche und rechtsextreme Tendenzen in der Partei an.

Menschen demonstrieren in einem Hörsaal der Universität Hamburg, während AfD-Mitbegründer Bernd Lucke versucht, seine Antritts-Vorlesung zu halten. © Quelle: Markus Scholz/dpa
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Luckes Versuche, mit der von ihm gegründeten Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA), die sich später in Liberal-Konservative Reformer (LKR) umbenannte, politisch Fuß zu fassen, scheiterten. Bei der Europawahl Ende Mai kam die LKR mit Spitzenkandidat Lucke nur auf 0,1 Prozent der Stimmen. Am Montag hatte Lucke bereits eine erste kleinere Lehrveranstaltung gehalten.

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen sagte der Deutschen Presse-Agentur, Lucke erlebe jetzt Widerstände bei der Rückkehr in seinen alten Beruf, „weil wir einen inzwischen ins Absurde reichenden Kampf gegen 'Rechts' haben“. Er betonte: „Herr Lucke, wie immer man ansonsten zu ihm steht, ist aber von Extremismus so weit entfernt wie die Erde vom Jupiter.“

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Kritik kommt auch vom LKR-Bundesvorsitzenden Jürgen Joost: „Es zeugt von grenzenloser Ignoranz und Böswilligkeit, Bernd Lucke am 'rechten Rand' zu verorten.“ Schließlich sei Lucke so konsequent gewesen, die AfD 2015 zu verlassen, als in der Partei „nationalkonservative bis rechtsradikale Kräfte“ die Oberhand gewonnen hätten.

RND/dpa