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  • AfD-Brandenburg: Hans-Christoph Berndt ist offizieller Nachfolger von Andreas Kalbitz

Der “Flügel” lebt: Hans-Christoph Berndt neuer Vorsitzender der AfD-Fraktion in Brandenburg

  • Gleich drei Kandidaten hatten sich in einer Kampfabstimmung für die Nachfolge des zurückgetretenen Andreas Kalbitz beworben.
  • Nun steht der neue Vorsitzende der Brandenburger AfD-Fraktion fest.
  • Es ist der Landtagsabgeordnete Hans-Christoph Berndt.
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Potsdam. Die AfD in Brandenburg beschreitet auch zwei Monate nach dem politischen Aus ihrer Führungsfigur Andreas Kalbitz weiter den Weg zu einer rechtsextremen Bewegungspartei. Am Dienstag wählte die AfD-Landtagsfraktion in Potsdam Hans-Christoph Berndt zum neuen Vorsitzenden und Kalbitz-Nachfolger. Berndt setzte sich mit 11 zu sieben Stimmen gegen den kommissarischen Fraktionschef Dennis Hohloch durch. Bereits im ersten Wahlgang war die Landes-Vizevorsitzende Birgit Bessin ausgeschieden.

Alle drei gelten als Unterstützer des nur formell aufgelösten nationalistischen “Flügels” der AfD. Berndt leitet den Verein “Zukunft Heimat”, der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird. Auch Berndt selbst sei ein “erwiesener Rechtsextremist”, hatte Landesverfassungsschutzchef Jörg Müller gesagt.

“Zukunft Heimat” geht in enger Zusammenarbeit mit der Dresdner “Pegida" regelmäßig in Cottbus auf die Straße. Der Fokus der Demonstrationen verschob sich über der Sommer von rassistischen Themen auf einen Protest gegen die Corona-Maßnahmen. Am Freitagabend soll die nächste Kundgebung stattfinden. Auch der Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke hat sein Kommen angekündigt. Mit dem gemeinsamen Auftritt präsentiert sich in Cottbus die neue Doppelspitze des Ex-“Flügel”.

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Vor dem Landtag in Potsdam versammelten sich knapp 200 Menschen, um gegen die AfD zu protestieren. Star-Pianist Igor Levit und “Prinzen”-Sänger Sebastian Krumbiegel musizierten auf der Veranstaltung, die unter dem Titel “Flügel statt Flügel” stand.

Nach einem Bericht des “Spiegel” geht der Brandenburger Verfassungsschutz mittlerweile davon aus, dass “Zukunft Heimat” eine “Scharnierfunktion” zur “gewaltbereiten rechtsextremistischen Mischszene” erfülle, also etwa zu Hooligans und Kampfsportlern. Berndt kenne den Chef der verbotenen “Spreelichter”, Marcel F., und werde von ihm “beeinflusst”. Berndt weist die Vorwürfe zurück. In einer früheren Erklärung von ihm heißt es: “Nur weil ich Menschen kenne, bin ich noch lange nicht deren Werkzeug.” Der Abgeordnete verwahrte sich gegen den Vorwurf, Rechtsextremist oder Neonazi zu sein. “Nichts in meinem Auftreten und meinen Reden - auf der Straße oder im Parlament - begründet die Bewertung ‘gesichert rechtsextrem’.”

Die Wahl war nötig geworden, weil der AfD-Bundesvorstand Kalbitz im Mai die Mitgliedschaft aberkannt hatte, weil er bei seiner Aufnahme frühere Mitgliedschaften bei der rechtsextremen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) und den Republikanern verschwiegen haben soll. Kalbitz bestreitet, HDJ-Mitglied gewesen zu sein.

Vor dem Landgericht Berlin hatte er im August mit einem Eil-Antrag gegen den Rauswurf keinen Erfolg. Der Unterschied zwischen Kalbitz und Berndt ist aktuell nur einer: Berndt zeigt sich auch gegenüber den Kalbitz-Gegnern im AfD-Bundesvorstand gesprächsbereit und zeigt über Brandenburg hinaus keine Ambitionen.


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