• Startseite
  • Politik
  • Ärzte streichen striktes Verbot der Suizidhilfe aus ihrer Berufsordnung

Ärzte streichen striktes Verbot der Suizidhilfe aus ihrer Berufsordnung

  • Das strikte Verbot der Suizidhilfe ist nicht länger Bestandteil der Berufsordnung für Mediziner.
  • Der Deutsche Ärztetag begründete die Entscheidung mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Februar.
  • Das Gericht stellte ein „Recht auf selbstbestimmtes Sterben“ fest.
Anzeige
Anzeige

Berlin. Der Deutsche Ärztetag hat das strikte Verbot der Suizidhilfe aus der Berufsordnung für Mediziner gestrichen. Er reagierte damit auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar zum assistierten Suizid, wie die Bundesärztekammer am Mittwochabend mitteilte.

In der Muster-Berufsordnung für Ärzte hieß es bislang: „Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten.“ Dies könne in der bisherigen Fassung aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht aufrechterhalten werden, begründete das Ärzteparlament seine Entscheidung.

Tod muss selbstbestimmt sein dürfen

Anzeige

Das Verfassungsgericht hatte ein „Recht auf selbstbestimmtes Sterben“ festgestellt. Das ärztliche Berufsrecht war zwar nicht Gegenstand der Verfassungsbeschwerde, die Ärztekammer zitierte aber einen Satz der Richter dazu:

„Der Zugang zu Möglichkeiten der assistierten Selbsttötung darf aber nicht davon abhängen, dass Ärzte sich bereit zeigen, ihr Handeln nicht am geschriebenen Recht auszurichten, sondern sich unter Berufung auf ihre eigene verfassungsrechtlich verbürgte Freiheit eigenmächtig darüber hinwegsetzen.“

Die Streichung ändert nach Überzeugung des Ärztetages aber nichts daran, dass „ärztliches Handeln von einer lebens- und gesundheitsorientierten Zielrichtung geprägt ist“.

Anzeige

Nach der Muster-Berufsordnung, neben der es eigene Berufsordnungen der Landesärztekammern gibt, sei es Aufgabe der Ärztinnen und Ärzte, das Leben zu erhalten, die Gesundheit zu schützen und wiederherzustellen, Leiden zu lindern, Sterbenden Beistand zu leisten und an der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gesundheit der Menschen mitzuwirken.

Video
Karlsruhe erklärt Verbot assistierter Sterbehilfe für verfassungswidrig
1:09 min
Das in Deutschland geltende Verbot, sterbewilligen Menschen zur Selbsttötung Medikamente zu verschaffen, ist verfassungswidrig und nichtig.  © Reuters

„Mithin zählt es nicht zu dem Aufgabenspektrum der Ärzteschaft, Hilfe zur Selbsttötung zu leisten“, erklärte die Bundesärztekammer. Es könne niemals Aufgabe der Ärzteschaft sein, für Nichterkrankte eine Indikation, Beratung oder gar Durchführung eines Sterbewunsches zu vollziehen.

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen