Abschiedstage einer Kanzlerin

  • Angela Merkel absolviert heute ihren letzten Besuch in Großbritannien. Auf dem Programm: ein Treffen mit der Queen.
  • Für Merkel sind diese Gespräche ganz besondere Ereignisse in ihrer langen Kanzlerschaft.
  • Was verbindet diese beiden Frauen?
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

den letzten G7-Gipfel hat sie schon hinter sich, die letzte Fragestunde im Parlament auch. Kanzlerin Angela Merkel macht jetzt vieles zum letzten Mal. Über die Bedeutung von Merkels Kanzlerschaft schreiben Historiker gerade dicke Bücher. Was aber war wohl für die Kanzlerin selbst besonders bedeutsam in den vergangenen 15 Jahren? Angela Merkel antwortet auf solche Fragen nie sonderlich detailliert oder emotional – so wie man es von ihr gewohnt ist. Eine kleine Ausnahme gibt es aber doch: Immer dann, wenn Merkel über ihre Treffen mit Queen Elizabeth II. berichtet, wählt sie starke Worte.

Zuletzt kamen die beiden Frauen beim Gipfel in Cornwall Anfang Juni zusammen, und die Kanzlerin sprach von einem „einzigartigen Erlebnis“. Heute treffen sich die wohl immer noch mächtigste Frau der Welt und die britische Königin erneut – am Nachmittag auf Schloss Windsor. Eine „große Ehre“ sei der Besuch bei der 95-jährigen Monarchin, sagt Merkel. Sie freue sich sehr auf den Termin. Die Wege von Merkel und Elizabeth II. haben sich in den vergangenen Jahren mehrfach gekreuzt, noch gut in Erinnerung ist ein Treffen 2009. Damals mäkelten britische Zeitungen, die Kanzlerin habe mit ihrem Hosenanzug gegen das Protokoll verstoßen: Frauen müssten im Angesicht der Monarchin eigentlich Röcke tragen. Die Welt hat sich weitergedreht seitdem.

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Merkel bleibt sich auch auf den letzten Metern treu: Vor dem Vergnügen kommt die Arbeit. Die Kanzlerin wird sich heute mit dem britischen Premier Boris Johnson über die Folgen des Brexits und die Corona-Bekämpfung unterhalten. Johnson war in den letzten Jahren in Europa immer ein Gegenspieler Merkels, allzu freundlich wird der Termin daher wohl kaum ausfallen. Aber der Landsitz Chequers vor den Toren Londons ist nicht Wembley – und auch Johnson weiß: Um die Festigung des deutsch-britischen Verhältnisses wird sich ab dem Herbst eine andere Bundesregierung kümmern. Es bleibt Merkels Nachfolgerin oder Nachfolger überlassen, eine enge Beziehung zu Großbritannien zu pflegen. Auch wenn dies nicht mehr unter dem Dach der EU geschehen kann.

Baerbock und die Plagiatsvorwürfe

Die Frau, die Angela Merkel beerben will, würde gerade liebend gern zu solchen außenpolitischen Fragen gefragt werden. Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock aber ist ausschließlich in eigener Sache beschäftigt. Sie sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, Passagen ihres Buches „abgeschrieben“ zu haben. Das sei sicherlich kein großer Skandal, schreibt Daniela Vates, Chefkorrespondentin im RND-Hauptstadtbüro, in ihrem Leitartikel. Die Grünen haben beim Umgang mit den Vorwürfen aber ihre Coolness abgelegt. „Der Wahlkampf dauert allerdings noch eine Weile“, schreibt Vates. „Baerbock kann sich wieder aufrappeln.“ Am Abend zeigte sich Baerbock kämpferisch und erklärte bei einem Talkrunden­auftritt, sie habe keine wissenschaftliche Arbeit geschrieben.

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