Tumulte in Montenegros Parlament - Abgeordnete festgenommen

  • Landesweit hatte es in Montenegro Proteste gegen ein neues Religionsgesetz gegeben.
  • Als es nun um die Abstimmung im Parlament ging, versuchten proserbische Abgeordnete, dies zu verhindern.
  • Es kam zu chaotischen Szenen, die mit 24 Festnahmen endeten.
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Podgorica. Bei der Debatte über ein Religionsgesetz im montenegrinischen Parlament ist es zu chaotischen Szenen gekommen, bei denen alle proserbischen Abgeordneten festgenommen wurden.

Gegen das Gesetz, das am Freitagmorgen mit den 45 Stimmen der Regierungskoalition angenommen wurde, hatte es am Donnerstag landesweite Proteste gegeben. Anhänger der serbisch-orthodoxen Kirche sagen, mit dem Gesetz werde ihre Kirche enteignet, darunter Kirchen und Klöster aus dem Mittelalter.

Das Gesetz verlangt von Religionsgemeinschaften den Nachweis, dass sie Eigentumsansprüche auf ihren Besitz bereits aus der Zeit vor 1918 haben. In diesem Jahr trat Montenegro dem - serbisch dominierten - Königreich Jugoslawien bei, das bis 1941 bestand. Proserbische Abgeordnete versuchten die Abstimmung zu verhindern, indem sie etwas warfen, was ein Tränengasbehälter oder ein Feuerwerkskörper zu sein schien.

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Zudem versuchten sie, die Mikrofone im Sitzungssaal zu zerstören. Polizisten in zivil, die Gasmasken trugen, intervenierten und nahmen 24 Personen fest, darunter 18 Oppositionsabgeordnete.

Hunderte proserbische Demonstranten protestierten landesweit gegen das Religionsgesetz

Die 620.000 Einwohner Montenegros sind mehrheitlich orthodoxe Christen. Bislang dominiert die serbisch-orthodoxe Kirche; die 1993 gegründete montenegrinisch-orthodoxe Kirche wird von den übrigen orthodoxen Kirchen nicht anerkannt.

Der montenegrinische Präsident Milo Dukanovic wirft der serbisch-orthodoxen Kirche vor, proserbisch zu sein und die Souveränität seines Landes zu untergraben, dass sich 2006 von Serbien abspaltete. Die Bevölkerung ist in der Frage gespalten, ob Montenegro enge Beziehungen mit Serbien unterhalten sollte.

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Hunderte proserbische Demonstranten gingen am Donnerstag landesweit gegen das Religionsgesetz auf die Straße. In Podgorica hinderten Bereitschaftspolizisten Demonstranten, darunter orthodoxe Geistliche, daran, in das Parlamentsgebäude einzudringen.

RND/AP