90 Minuten mit dem mächtigsten Mann des deutschen Fußballs

  • Er sorgte mit seinem Hygienekonzept dafür, dass die Bundesliga vor gut einem Jahr nach der Corona-Pause als weltweit erste Liga wieder den Spielbetrieb aufnahm.
  • Ein Jahr später hat Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, im RND-Interview einiges zu sagen.
  • Es geht um die Versäumnisse in der Politik, die WM in Katar und darum, dass er niemals DFB-Präsident werden möchte.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Interviewtermine in Corona-Zeiten sind mitunter deutlich leichter zu handeln als im „normalen Spielbetrieb“. Für alle Beteiligten ist es einfacher, kurz den Laptop anzuwerfen und sich miteinander per Videokonferenz zu unterhalten, als einen Treffpunkt abzumachen und anzureisen. Viele Protagonisten nutzen dieses mittlerweile gelebte Vorgehen auch zu ihrer eigenen Bequemlichkeit – nicht so Christian Seifert.

Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) wollte mich als RND-Sportchef und meinen Stellvertreter Sebastian Harfst zum Interviewtermin unbedingt persönlich treffen. Es gibt aktuell zu viele brisante Themen, bei denen man sich besser direkt in die Augen schauen sollte als via Teams oder Zoom auf dem Bildschirm. Wir testeten uns am Anreisetag gleich zweimal, füllten die notwendigen Dokumente aus und saßen dann über 90 Minuten mit dem mächtigsten Mann im deutschen Fußball in der Ligazentrale in Frankfurt zusammen – Nachspielzeit mit Schnitzelchen und Erdbeercreme inklusive.

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Es gibt wohl kaum einen Sportfunktionär weltweit, der in den vergangenen zwölf Monaten so sehr im Fokus stand wie Seifert. Inzwischen kann sich der DFL-Boss, der 2022 nach 16 Jahren abdankt, seinen künftigen Job aussuchen. Branche? Egal. Gehalt? Spielt keine Rolle. Jeder will den Mann, der mit seinem Hygienekonzept dafür sorgte, dass die Bundesliga am 16. Mai 2020 nach der Corona-Pause als weltweit erste Liga wieder den Spielbetrieb aufnahm, gern in seinem Unternehmen haben. Knallharter Verhandlungspartner, zukunftsorientierter Stratege, grandioser Rhetoriker, Netzwerker. All diese Begriffe fallen immer wieder, wenn man über Seifert liest oder spricht.

Zu sagen hat er aktuell viel. Im großen RND-Interview lässt Seifert durchblicken, wie sehr auch ihn das anspruchsvolle Arbeiten während der Pandemie mitgenommen hat – ohne daran zu zweifeln, dass das Konzept am Ende erfolgreich sein würde und längst als Blaupause für viele andere Veranstaltungen auf dem Planeten gilt. „Ich fühle mich überhaupt nicht als Gewinner“, sagt er rückblickend, obwohl er genau dazu immer wieder gemacht wird. Und er gibt selbstkritisch zu: „Natürlich haben wir auch Fehler gemacht. Jeden Tag.“

Seifert äußert sich erstmals und sehr konkret zu den Versäumnissen in der Politik, verteidigt die WM in Katar und erklärt, warum er niemals DFB-Präsident werden möchte. Nur seine Zukunft lässt er weiter offen und überrascht dennoch mit der Aussage, dass der Zeitpunkt seines Abschieds bei der DFL noch gar nicht feststeht. Schon jetzt ist klar: Er wird eine große Lücke hinterlassen.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

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Ihr Heiko Ostendorp

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Zitat des Tages

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