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Debatte um günstige Monatstickets

9‑Euro-Ticket: Fahrgastverband plädiert für regional begrenzte Folgeangebote

Eine junge Frau steht auf diesem Beispielbild am Hauptbahnhof in München an einem Fahrkartenautomaten, auf dem Werbung für das 9-Euro-Ticket zu sehen ist.

Das 9‑Euro-Ticket wurde in vielen Verkehrsverbünden gut angenommen. Die mögliche Fortsetzung eines günstigen Monatstickets müsse jedoch von der Politik entsprechend finanziert werden, fordern Deutschlands größte Verkehrsverbünde.

Berlin. Der Pro‑Bahn-Ehrenpräsident Karl-Peter Naumann hat anlässlich der Halbjahresbilanz der Deutschen Bahn den Erfolg des 9‑Euro-Tickets eingeschätzt: „Es hat den ÖPNV ins Gespräch gebracht. Das ist das Wichtigste“, sagte er im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Das 9‑Euro-Ticket sei vor allem dort genutzt worden, wo touristisch attraktive Ziele erreichbar sind oder Reisende mit Regionalzügen schnell von einem Ort zum anderen kommen.

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Die Deutsche Bahn schreibt erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wieder schwarze Zahlen. Das geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Halbjahresbilanz des Unternehmens hervor. Im ersten Halbjahr 2021 haben rund 725 Fahrgäste den Nahverkehr der Bahn genutzt. Das sind 60 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Vor allem das 9‑Euro-Ticket hat viele Reisende auf die Schiene gelockt.

Karl-Peter Naumann: „Reisende wollen einfache Lösungen“

Geplant war das Angebot als Entlastungsmaßnahme für die Bevölkerung. Nachfolgemodelle könnten aber auch Anreize für klimafreundlichere Mobilität schaffen. Deutschlands größte Verkehrsverbünde sehen die Fortsetzung eines günstigen Monatstickets überwiegend positiv, der Fahrgastverband Pro Bahn schlägt regionale Angebote vor.

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„Es hat sich gezeigt, dass Reisende einfache Lösungen wollen“, sagt Naumann. Er schlägt allerdings regionale statt bundesweite Angebote vor, die zum Beispiel auf der Ebene von Großstädten und Landkreisen ansetzen. Zudem seien Optionen für Bundesländer oder zusammengefasste Regionen wie Berlin-Brandenburg denkbar. Naumann fordert auch günstige Tagestickets, vor allem in Städten.

9‑Euro-Ticket: Verkehrsverbünde offen für Nachfolgeangebote

Die Verkehrsverbünde in der Rhein-Main-Region, Berlin-Brandenburg, Hamburg und München stehen Nachfolgemodellen ebenfalls offen gegenüber. „Das 9‑Euro-Ticket entlastet nicht nur die Geldbeutel der Fahrgäste, es fördert auch klimafreundliche Mobilität. Eine Fortsetzung des Angebots in dieser oder in ähnlicher Form wäre wünschenswert, die Finanzierung erfordert die Unterstützung des Bundes“, teilte ein Sprecher des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) dem RND mit. Das 9‑Euro-Ticket wird mit 2,5 Milliarden Euro von der Bundesregierung gefördert. Dadurch werden die sinkenden Einnahmen aus Ticketverkäufen für die Verkehrsbetriebe ausgeglichen.

Klare Mehrheit in Deutschland für günstige Nachfolge des 9‑Euro-Tickets

Am größten ist die Zustimmung mit 90 Prozent bei den unter 30-Jährigen.

Das 9‑Euro-Ticket hat in vielen Verkehrsbetrieben mehr Menschen in den ÖPNV gelockt. „Es liegt nun an der Politik, attraktive Nachfolgeangebote – wie das von uns zusammen mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen vorgeschlagene 69-Euro-Ticket – einzuführen“, sagt Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Für 69 Euro im Monat sollen in diesem Modell alle Regionalzüge, U- und S‑Bahnen, Trams und Busse in ganz Deutschland genutzt werden können.

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Forderungen nach Ausbau der Strecken und mehr Fahrzeugen

Auch im Großraum München sei das Ticket sehr gut angenommen worden, teilt eine Sprecherin des MVV mit. „Günstige Ticketangebote sind ein tolles Angebot, um Fahrgäste in den ÖPNV zu bringen – dauerhaft überzeugen können aber nur ein gutes Angebot, eine möglichst lückenlose Anbindung aller Räume (Stadt und Land) und eine moderne Infrastruktur.“

Zufriedenheit nimmt ab: Viele Menschen in Niedersachsen stellen der Ampelkoalition in Berlin ein schlechtes Zeugnis aus.

Signalstörungen in der Ampelkoalition

Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) verweist auf die hohen Ausgaben des Bundes für das 9‑Euro-Ticket. „Daher halten wir eine Fortführung des 9‑Euro-Tickets aus finanziellen Gründen nicht für realistisch“, schreibt ein Sprecher. Sinnvoller sei es, neue Strecken zu bauen, zusätzliche Fahrzeuge zu beschaffen und den Fahrplan zu verdichten.

Auch Paula Piechotta, grüne Berichterstatterin im Bundestag für den Verkehrshaushalt, fordert anlässlich der Bahnbilanz einen besseren Ausbau der Schiene: „Wir müssen erheblich mehr in die Schiene als in die Straße investieren.“ Um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen, müsse man den jahrzehntelangen Sanierungsstau aufholen und die Schiene digitalisieren.

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