Neue Mobilmachung im Januar?

Ukrainischer Militärgeheimdienst: Russland will 500.000 neue Soldaten rekrutieren

Russische und belarussische Soldaten trainieren gemeinsam bei einer Übung.

Russische und belarussische Soldaten trainieren gemeinsam bei einer Übung.

Der ukrainische Militärgeheimdienst geht davon aus, dass Russland die Mobilisierung von bis zu 500.000 zusätzlichen Soldaten für den Kampf in der Ukraine vorbereitet. Das erklärte der Vizegeheimdienstchef Vadym Skibitsky am Freitag laut dem britischen „Guardian“. Er ziehe daraus den Schluss, dass Russlands Präsident Wladimir Putin nicht die Absicht habe, den Vernichtungskrieg gegen die Ukraine in nächster Zeit zu beenden.

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Skibitsky rechnet damit, dass Russland die neuen Soldaten für eine russische Offensive im Frühling und Sommer benötigt. Dann plane Russland, die ukrainischen Gebiete im Osten und Süden des Landes anzugreifen.

Bereits Anfang des Jahres hatte der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow sich in einer Videoansprache an die russische Bevölkerung gerichtet und vor der neuen Mobilmachungswelle in Russland gewarnt. „Anfang Januar werden die russischen Behörden die Grenzen für Menschen schließen, das Kriegsrecht ausrufen und eine weitere Mobilisierungswelle einleiten.“

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Experte rechnet mit zeitnaher neuer Mobilisierungswelle

Der Militärexperte Christian Mölling von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) erachtet eine neue Mobilisierungswelle für notwendig, wenn Russland die Kämpfe in der Ukraine fortführen will. „Die russischen Streitkräfte haben seit Monaten einen großen Verschleiß an Soldaten, können die Qualität nicht sicherstellen und setzen daher auf Quantität“, sagte Mölling im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Russland habe laut dem DGAP-Forschungsdirektor zurzeit keine Offensivfähigkeit mehr, weil es nicht über ausreichend Soldaten verfüge. „Will Russland mehr Handlungsoptionen in der Ukraine haben, brauchen sie mehr Soldaten.“ Mölling erklärte, er gehe davon aus, dass Russland „in den nächsten zwei bis drei Wochen eine neue Rekrutierungs- und Mobilisierungswelle ausruft“.

Die Folgen seien allerdings weitreichend: „Der Krieg wird dann die russische Gesellschaft noch stärker erreichen als bisher“, gibt Mölling zu bedenken. Dies könnte Kritik laut werden lassen, da Putin bisher keine positiven Ergebnisse in der Ukraine vorweisen konnte.

Russlands „Selbstzerstörung“: Putin verliert an Rückhalt

Viele Russen fragen sich in ihren Neujahrsferien, wie es in dem von Niederlagen überschatteten Krieg gegen die Ukraine weiter geht.

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Gleichzeitig geht die verdeckte Mobilmachung in Russland nach Einschätzung des US-Thinktank Institute für the Study of War (ISW) weiter. „Russische Militärbeamte finden weiterhin hinterhältige Mittel, um die Mobilisierung fortzusetzen“, so die Experten in Washington. Die Zentralbank der Russischen Föderation habe kurz vor dem Jahreswechsel in allen Filialen angeordnet, dass Mobilmachungsvorladungen an alle „männlichen Schuldner“ in ihrem System verschickt werden und den männlichen Schuldnern Dienstverträge vorlegen sollen. Sollte sich ein Schuldner widersetzen, werde den Bankangestellten geraten, mit der Polizei zu drohen.

Große Flucht nach erster Mobilmachung

Dass im Januar eine zweite Einberufungswelle in Russland stattfinden könnte, wird schon länger diskutiert. Das kremlkritische Portal Verstka hatte darüber berichtet, dass die russischen Behörden unter Hochdruck daran arbeiten, die Fehler der ersten Mobilisierungswelle zu beheben.

Am 21. September hatte der russische Präsident Wladimir Putin schon einmal die Mobilmachung von 300.000 Reservisten und Rekruten angekündigt. Damals gab es Brandanschläge auf Rekrutierungsbüros und Attentate. Für viele fehlten Waffen, Kleidung und andere Ausrüstung. Einige Männer wurden eingezogen, obwohl sie gar nicht den veröffentlichten Kriterien entsprachen. Sie litten unter chronischen Krankheiten oder waren zu alt, um an der Front zu kämpfen. Denn nach Aussage Putins sollten nur Personen bis 35 Jahre mit militärischer Ausbildung eingezogen werden. Viele Russen flüchteten in die Nachbarländer, zum Beispiel nach Georgien, wo es zunehmend zu Spannungen kommt. Letztlich musste der Kremlchef öffentlich zugeben, dass Fehler gemacht worden sind.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte immer wieder bestritten, dass es eine weitere Mobilmachung geben werde. Laut dem Militärgeheimdienst der Ukraine sind derzeit 280.000 russische Soldaten für den Krieg in der Ukraine stationiert.

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