Bus und Bahn: Sorge vor weniger Kunden wegen 3G

  • Seit Mittwoch gelten die 3G-Regeln auch in öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Bei den Verkehrsverbänden stößt die von den Ampelparteien beschlossene Maßnahme auf Kritik.
  • Sie sende das Signal aus, dass Züge und Busse für Fahrgäste nicht sicher seien, sagt der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen. Befürchtet werden sinkende Fahrgastzahlen und finanzielle Einbußen.
Steve Reutter
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Berlin. Seit Mittwoch dürfen Fern- und Regionalzüge sowie der öffentliche Personennahverkehr nur noch von jenen genutzt werden, die geimpft, genesen sind oder einen negativen Testnachweis vorzeigen können. Darauf hatten sich die Ampelparteien geeinigt.

Der Beschluss sorgt jedoch weiterhin für Kritik bei Verbänden, die darauf verweisen, dass das Ansteckungsrisiko in Bussen und Bahnen gering sei. Nun werde durch die Politik suggeriert, dass Fahrten mit Bus und Bahn sehr wohl gefährlich seien, heißt es vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Mehr Beschränkungen führen zu weniger Mobilität im Alltag

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So befürchtet Ingo Wortmann, Präsident des VDV, dass die Fahrgäste dadurch wegblieben, was für die Unternehmen finanzielle Folgen haben könnte. „Die Effekte sind nicht klar absehbar: Führt 3G in Bus und Bahn zu mehr subjektiver Sicherheit oder schreckt es die Fahrgäste eher ab, obwohl wissenschaftlich ja längst mehrfach belegt wurde, dass im ÖPNV keine erhöhte Infektionsgefahr herrscht?“, sagt er. Letzteres sei mit Blick auf die sich erholenden Fahrgastzahlen kontraproduktiv.

So verweist er etwa auf eine Studie der Charité Research Organisation vom Mai dieses Jahres, welche das Ansteckungsrisiko in Bus und Bahn im Vergleich zum Individualverkehr als nicht erhöht einstuft. Es könne davon ausgegangen werden, „dass die getroffenen Hygienemaßnahmen die Fahrgäste hinreichend schützen“, heißt es in der Studie. Genehmigt wurde sie von der Berliner Ärztekammer.

Zudem glaubt er, dass das allgemeine Pandemiegeschehen die Situation ohnehin noch einmal verschärfen werde, ungeachtet der 3G-Reglung. Es werde „eine viel größere Wirkung auf die Fahrgastzahlen haben, denn mehr Beschränkungen für die Menschen bedeutet auch zwangsläufig weniger Mobilität im Alltag.“

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Sorge um Bahnpersonal vor aggressiven Fahrgästen

Belastbare Zahlen, die weniger Fahrgäste nachweisen würden, gebe es laut Ingo Wortmann noch nicht. Seine Befürchtungen über weniger Fahrgäste und finanzielle Folgen für die Verkehrsunternehmen teilt auch Karl-Peter Naumann, vom Fahrgastverband Pro Bahn.

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„Ich würde schon sagen, dass die Fernzüge leerer sind“, sagt er. Zudem seien die Kontrollen der Impf- und Testnachweise weiterhin ein Problem. „Das Bahnpersonal ist vor allem bei Regionalzügen belastet“, sagt Naumann. Im Ruhrgebiet etwa, in dem Züge alle zehn bis 15 Minuten halten und neue Fahrgäste aufnehmen würden, seien die Kontrollen kaum zu stemmen. Flächendeckende Kontrollen seien so kaum machbar.

Zudem sorgt er sich um das Bahnpersonal. „Das Problem sind auch die Leute, die nicht geimpft sind und bei den Kontrollen aggressiv werden“, sagte er. Im öffentlichen Nahverkehr hingegen sehe er noch keine sinkenden Fahrgastzahlen. „Das hat sicherlich damit zu tun, dass sich die Menschen auf der Arbeit testen lassen“, sagt er.

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Etliche Testzentren wurden abgebaut

Ein weiteres Problem sieht er darin, dass viele Testzentren inzwischen abgebaut seien. So sei es für Testwillige schwierig, den erforderlichen Nachweis einzuholen. „Es ist Aufgabe derjenigen, die das anordnen, sicherzustellen, dass es auch funktioniert“, kritisiert Naumann die Beschlüsse der Ampelparteien.

In Berlin etwa gibt es im Hauptbahnhof, einem zentralen Verkehrsknotenpunkt, keine Corona-Teststelle mehr. Die nächste ist fünf Gehminuten entfernt in einem Hotel. Doch das müssen die Fahrgäste auch erst einmal wissen. Selbst per Internetrecherche wird das nicht direkt deutlich – denn die Teststelle ist neu.

Bis um 12 Uhr kamen 60 Testwillige

Seit Mittwochvormittag gibt es die Teststelle, sagt Celine Krajewski. Sie nimmt dort Abstriche und führt die Corona-Tests durch. Etwa die Hälfte der Menschen, die zu ihr kommen, seien Zugreisende, erzählt sie. Am Donnerstag seien bis um 12 Uhr schon 60 Personen da gewesen, um sich testen zu lassen.

Seit die Bürgertests wieder kostenlos sind, seien die Zentren „extrem voll“, sagt Krajewski. Sie ist auch in anderen Testzentren tätig. Dass sich die Situation ändert, glaubt sie nicht. „Ich denke schon, dass die Zahlen noch weiter ansteigen werden“, sagt sie.

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